Mood-Management: Wie aus Wut Stärke wird
Die ungeheure Wucht von Emotionen kann uns aus der Balance bringen. Damit das nicht passiert, sollten Sie sich vor einer belastenden Situation körperlich und mental stabilisieren.

Mood-Management: Wie aus Wut Stärke wird

Negative Gefühle belasten, das gilt im Privaten ebenso wie im Berufsleben. Steigen Sie aus der Gedankenspirale aus und verwandeln Sie Belastendes in positive Emotionen. Das kann sogar ungeahnte Energien freisetzen. Eine Expertin erklärt, wie das gelingt.

Dieses Grummeln im Bauch, der verspannte Nacken, die Kopfschmerzen, die innere Unruhe: Ärger, Wut, Frust und Hilflosigkeit drücken sich bei fast allen Menschen körperlich aus. Mehr noch: Diese Gefühle machen sich nicht nur physisch bemerkbar, sie lassen uns auch mental nicht mehr los. Selbst Stunden nach dem eigentlichen Geschehen, zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit dem Vorgesetzten, sind die Auswirkungen noch spürbar, als Gedankenkarussell, das einfach nicht zum Stillstand kommen will.

Was viele nicht wissen: Wir sind diesem Ansturm der Gefühle keineswegs hilflos ausgeliefert. „Das Gegenteil ist der Fall. Sie können diese starken Emotionen für sich nutzen, indem Sie sie in positive Energie umwandeln“, erklärt Annette Auch-Schwelk, Autorin und Coach mit dem Schwerpunkt Persönlichkeitsentwicklung. Doch das will gelernt sein.
 

Jeder Konflikt ein Lehrmeister

Viele versuchen, die geballte Energie einfach zu ignorieren oder sich von der inneren Anspannung abzulenken. „Solche Strategien sind jedoch wenig hilfreich“, weiß Annette Auch-Schwelk. Denn diese Taktiken führen nur dazu, dass sich im Lauf der Zeit ein enormer Druck aufbaut, der sich irgendwann entlädt. Im ungünstigsten Fall kommt es zu einem unkontrollierten Gefühlsausbruch.

Wenn beispielsweise ein Kollege in Meetings immer Ihre Vorschläge aufgreift und völlig unverfroren als seine eigenen ausgibt, wird Ihnen vielleicht einmal vor versammelter Runde der Kragen platzen. Das lässt Sie aber nicht nur in der aktuellen Situation schlecht, da unbeherrscht, aussehen. Es ändert vor allem nichts am grundlegenden Problem: Sie haben Ihre starken Gefühle nicht im Griff und können Sie daher auch nicht für Ihre Ziele einsetzen.
 

Vier Schritte zur positiven Haltung

Damit dies gelingt, empfiehlt die Expertin, in vier Schritten vorzugehen. Zuerst sollten Sie jedoch Ihre Einstellung zu Konflikten fundamental ändern. „Betrachten Sie Situationen, die kraftvolle Emotionen auslösen, nicht als Kampfplatz, sondern als Lernfeld“, empfiehlt Annette Auch-Schwelk. So provokant das Verhalten des Gegenübers sein mag, dass Sie so stark darauf reagieren, liegt in Ihnen selbst begründet und lässt Sie etwas über sich selbst erfahren.

„Machen Sie sich bewusst, dass Sie es sind, die dem anderen so viel Macht über sich geben, und dass Sie es auch sind, die das ändern kann“, betont Annette Auch-Schwelk. Dieser veränderte Blickwinkel – weg vom anderen, hin zu sich selbst – lässt einen Konflikt gleich weniger bedrohlich erscheinen. Erst jetzt, mit dieser neuen, positiven Haltung, können Sie das Vier-Schritte-Programm erfolgreich starten. Die Abfolge: Sie müssen sich zunächst stabilisieren, dann analysieren, Unterstützung holen und schließlich dauerhaft bemühen, die erlernten Methoden umzusetzen.
 

Schritt 1: Zurück in die Balance

Die ungeheure Wucht von Emotionen bringt uns aus der Balance. Damit das nicht passiert, sollten Sie sich in einem ersten Schritt kurz vor einer belastenden Situation körperlich und mental stabilisieren. Denn meist ist es uns bewusst, wann es kritisch wird, zum Beispiel, wenn die nächste Brainstorming-Sitzung mit dem Kollegen ansteht, der Ihre Ideen gern als seine ausgibt.

Um Anspannung abzubauen, ist Sport sehr hilfreich. Im Joballtag haben Sie jedoch meist nicht die Möglichkeit, mal eben kurz eine Runde Joggen zu gehen. Natürlich können Sie Bewegungsimpulse nutzen, also beispielsweise die Treppe anstelle des Aufzugs nehmen. Aber um sich auf gefühlsgeladene Situationen vorzubereiten, benötigen Sie Techniken, die diskret anwendbar sind und schnell wirken. „Schaffen Sie sich einen Moment der Stille und Konzentration. Setzen Sie dann eine Ihrer ganz persönlichen Techniken zur Stabilisierung ein“, rät Annette Auch-Schwelk.

Methoden, um den Körper kurzfristig zu entspannen, sind beispielsweise Fingerschnippen, sich am ganzen Körper abklopfen, Fäuste ballen oder ein Atem-Countdown. Hinzu kommt die mentale Stabilisierung. Hier bietet sich eine Kurzmeditation oder eine Achtsamkeitsübung an. Auch Rituale schaffen Sicherheit. So können Sie beispielsweise einen Lieblingsfüller mit ins Meeting nehmen oder einen anderen unauffälligen Glücksbringer, der Sie an Ihren ganz persönlichen Glaubenssatz für Kraft und Stärke erinnert. „Entscheidend ist, dass Sie nicht nur eine Technik kennen und nutzen, sondern eine ganze Bandbreite“, betont Annette Auch-Schwelk.

„Ich spreche gern von einem SOS-Notfallkoffer, wie ihn Ärzte verwenden. Denn so wie ein einziges Medikament nicht gegen alle Krankheiten hilft, so kann eine Technik allein nicht in allen Stress-Situationen entlastend wirken.“ In Büchern und im Internet finden Sie viele Anregungen. Wichtig ist, dass Sie eine individuelle Auswahl treffen. Packen Sie die Techniken, die Ihnen liegen, in Ihr mentales SOS-Kit und üben Sie regelmäßig deren Anwendung.  

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