Feelgood Management: Warum Assistenzen die Unternehmenskultur prägen
Wenn es im Team knirscht, Kommunikation ins Stocken gerät oder sich Unzufriedenheit aufbaut, landen diese Themen selten direkt im Führungskreis. Sie tauchen im Flurfunk, in einer kurzen Nachricht oder in einem beiläufigen Gespräch auf. Und sehr häufig sind es Assistenzen, die das als Erste mitbekommen.
Assistenzen als emotionales Frühwarnsystem
Assistenzen genießen oft ein hohes Maß an Vertrauen sowohl bei Führungskräften als auch im Team. Dieses Vertrauen entsteht jedoch nicht von heute auf morgen, sondern wächst mit jedem Tag durch ihr Engagement, ihre Verlässlichkeit und ihr feines Gespür für Menschen und Situationen.
Ihre Position ist dabei eine besondere: Assistenzen erkennen Zusammenhänge, behalten das große Ganze im Blick und nehmen eine Vogelperspektive ein. Dadurch spüren sie oft sehr früh, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät, lange bevor es offen angesprochen wird oder sogar eskaliert. Und nicht selten denken sie später: „Ich hatte da schon so ein Gefühl …“ Genau hier beginnt etwas, das selten ausgesprochen wird: Assistenzen halten oft den Laden emotional am Laufen.
Eine Schlüsselrolle, die niemand benennt
Diese Fähigkeit führt zu einer wichtigen Schlüsselposition im Unternehmen. Assistenzen leisten enorm viel für die Zusammenarbeit und die Stimmung im Team und doch bleibt genau dieser Beitrag häufig unsichtbar. Es sind Aufgaben, die klar in Richtung Feelgood Management gehen – nur ohne offiziellen Titel. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als säßen Assistenzen zwischen den Stühlen, ist genau diese Position eine wichtige Brücke zwischen Führungskräften und Team. Und wer Brücken aufbaut, gewinnt langfristig Vertrauen. Das ist zwingend notwendig, um früh sichtbar machen zu können, was sonst unter der Oberfläche bleibt. Das ist keine Kleinigkeit, sondern aktive Kulturarbeit. Denn je mehr wir unter den Teppich kehren, desto größer wird die Beule, die sich darunter bildet: eine Stolpergefahr im wahrsten Sinne des Wortes.
Kleine Impulse mit großer Wirkung
Viele denken bei Feelgood Management an umfangreiche und arbeitsintensive Programme. Doch Arbeitskultur entsteht im Alltag in scheinbar kleinen Momenten:
- Wenn eine Stimmung nicht übergangen wird.
- Wenn jemand merkt: „Hier hört mir gerade wirklich jemand zu.“
- Wenn in einem angespannten Termin ein Satz fällt wie: „Lassen Sie uns kurz durchatmen und uns sortieren.“ Und aus Chaos plötzlich wieder Klarheit wird.
Kommunikation ist ein riesiger Hebel: Eine E-Mail kann Druck machen oder Orientierung geben. Ein Meeting kann stressig starten oder motivierend. Oft sind es Assistenzen, die genau hier den entscheidenden Impuls setzen, manchmal ganz unbemerkt. Diese kleinen psychologischen Impulse wirken – nicht laut, aber dafür nachhaltig.
Psychologische Sicherheit im Alltag
Ein Begriff, der aktuell in vielen Unternehmen diskutiert wird, ist „Psychological Safety“, also die psychologische Sicherheit im Team. Sie ist eine der wichtigen Grundpfeiler einer gesunden Unternehmenskultur. Diese Sicherheit entsteht nicht durch Leitbilder, mit denen wir unsere Flure plakatieren, sondern durch tägliches Verhalten. Ohne engagierte Assistenzen, die mehr tun, als in ihrer Stellenbeschreibung steht, wäre die Aufrechterhaltung der psychologischen Sicherheit kaum möglich. Indem sie zuhören, ohne zu bewerten, unterschiedliche Perspektiven stehen lassen und respektvolle Kommunikation vorleben, schaffen Assistenzen das Vertrauen, das für ein Sicherheitsgefühl unabdingbar ist.
Dabei geht es nicht darum, Verantwortung für alles zu übernehmen, sondern Räume zu ermöglichen, in denen Themen überhaupt angesprochen werden können.
Emotionale Arbeit bewusst gestalten
Bei all dem Engagement gerät eine Sache schnell in den Hintergrund: die eigene Belastung. Wer ständig Stimmungen auffängt, vermittelt und mitdenkt, der übernimmt emotionale Arbeit, die sehr herausfordernd sein kann.
Gleichzeitig fehlt oft das methodische Werkzeug, um diese Rolle bewusst und gesund auszufüllen. Wenn diese Rolle nur intuitiv gelebt wird, stößt das irgendwann an Grenzen.
Doch Feelgood Management kann gezielt eingesetzt werden. Das schafft nicht nur Entlastung im Alltag, sondern auch mehr Sicherheit im eigenen Handeln.
Assistenzen, die diesen Schritt gehen, erleben häufig, dass sie nicht nur wirksamer sind, sondern auch langfristig zufriedener und gesünder arbeiten.
Und vielleicht liegt genau darin der nächste Entwicklungsschritt: die eigene Rolle nicht länger nur auszuführen, sondern sie bewusst zu gestalten – und endlich die Anerkennung zu bekommen, die ihr schon lange zusteht.