Working Out Loud: So funktioniert die Methode
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Working Out Loud: So funktioniert die Methode

Wissen teilen, sich vernetzen und davon profitieren – das ist es, was den Ansatz „Working Out Loud“ (oder Working out loud) im Grunde ausmacht.

Die Methode hilft dem Einzelnen, Ziele zu erreichen und motivierter zu werden. Unternehmen profitieren von agilerem Arbeiten und der entfachten Kreativität.

Was ist Working out loud?

Die Bezeichnung „Working out loud“, kurz WOL, kann irreführen: Es geht nicht darum, laut zu arbeiten, sondern die Arbeit untereinander sichtbar zu machen. Dafür bilden Mitarbeiter ein Netzwerk von kleinen Gruppen, innerhalb deren sie sich transparent darüber austauschen, an welchem Projekt sie gerade arbeiten, vor welchen Herausforderungen und Aufgaben sie stehen. Statt Wissen zu horten und Probleme für sich selbst zu behalten steht die gegenseitige Teilhabe und der Beitrag für die Community im Vordergrund.

Was steckt hinter Working out loud?

Im Jahr 2010 hat der IT-Spezialist Bryce Williams den Begriff erstmals in einem Blogpost aufgegriffen. Er führte Working out loud auf die folgende Formel zurück: WOL = Observable Work + Narrating Your Work. Der Software-Entwickler Dave Winer hatte im Jahr zuvor über „Narrating Your Work“ geschrieben.

Bei Williams nahm der Begriff im Kern schon die Bedeutung an, die wir heute darunter verstehen: Arbeit sollte nicht nur erledigt werden, sondern es sollte eine Teilhabe stattfinden, sodass alle zusammen lernen und besser werden. Williams wollte damit eine Entwicklung des „Wissensarbeiters“ weg vom „Wissenssammler“ hin zum Teilenden von Know-how anstoßen. Soziale Netzwerke und Umgebungen zur Kollaboration stellten dazu die idealen Werkzeuge dar.

Von der Idee zur Methode

Fünf Jahre später machte John Stepper WOL weltweit bekannt durch sein Buch mit dem Titel: „Working out loud: For a better Carreer and Life“. Aus der Idee entwickelt er damit eine Methode, die sich greifen und anwenden lässt – vor allem im professionellen Umfeld von Unternehmen. Stepper benennt die fünf Prinzipien von WOL:

  • Beziehungen
  • Großzügigkeit
  • Sichtbare Arbeit
  • Zielgerichtetes Verhalten
  • Wachstumsorientiertes Denken

Das Prinzip Großzügigkeit bezeichnet dabei die Bereitschaft, eigene Kenntnisse in der Gruppe zur Verfügung zu stellen, um anderen bei ihrer Weiterentwicklung zu helfen. Sichtbares Arbeiten, namensgebend für „Working out loud“, meint, eigene Arbeitsprozesse und Herausforderungen offen zu kommunizieren – dadurch wird die Fähigkeit des zielgerichteten Verhaltens gestärkt. Das meint zum Beispiel, Kritik und Ratschläge annehmen und reflektieren zu können.

WOL in Deutschland

Katharina Krentz, seit 2005 bei Bosch, ist hierzulande wohl die bekannteste Pionierin von Working out loud. Sie entdeckte die Methode im Jahr 2012, als John Stepper sein Buch noch nicht herausgebracht, aber darüber auf seinem Blog geschrieben hatte.

Daraufhin gründete eine unternehmensinterne Initiative und schaffte es, WOL im Konzern Bosch zu etablieren. Der Erfolg der Methode und Steppers Buch machte diese schließlich deutschlandweit bekannt. Heute arbeitet Krentz als zertifizierte Working out loud Coach und bringt die Arbeitsweise in Unternehmen auf der ganzen Welt.

Krentz beschreibt das Konzept hinter WOL als vielseitiges Programm, das auf mehreren Ebenen ansetzt:

  • Toolset
  • Skillset und
  • Mindset

Das bedeutet, digitale Tools für sich zu nutzen lernen – beispielsweise durch den Umgang mit virtuellen Meeting-Programmen und Terminplanern. Skillset meint, Fähigkeiten informell in der Gruppe weiterzuentwickeln und dadurch ein Mindset zu erlangen, durch das eine positive und motivierte Herangehensweise an Aufgaben möglich wird.

Wie funktioniert die WOL Methode in der Praxis?

Bei „Working out loud“ bilden jeweils drei bis vier Mitarbeiter eine Gruppe, die sich über einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen jeweils eine Stunde pro Woche zusammensetzt. Die Treffen können live oder virtuell stattfinden. Anhand eines Worksheets erklärt jeder Teilnehmer, woran er oder sie arbeitet, und was die persönlichen Ziele sind. Die Gruppen nennen sich „WOL Circle“.

Das Worksheet, auch Guide genannt, ist im Rahmen eines professionell angeleiteten WOL-Kurses über die Website www.workingoutloud.com erhältlich. Der Guide stellt klare Regeln und Zeitfenster für Austausch, Feedback und Reflexion für die einzelnen Meetings auf. Bei bis zu vier Treffen ist ein Coach anwesend, der Ratschläge gibt und Fragen klären kann.

Und was ist der Inhalt eines WOL Meetings?

Die Ziele der einzelnen Teilnehmer können, müssen aber nicht direkt mit der Arbeit zusammenhängen: Bei Working out loud dreht sich viel um selbstbestimmtes und informelles Lernen. So kann das Ziel einer Teilnehmerin beispielsweise sein, mehr über ein ausgewähltes Thema zu erfahren oder sich Know-how aus einem anderen Fachbereich anzueignen.

Das befördert einen „Blick über den Tellerrand“, indem Gruppenmitglieder ein Gefühl für die Arbeit in anderen Fachbereichen gewinnen oder auf menschlicher Ebene ihre Soft Skills verfeinern können. Wichtige Komponenten bilden dabei die angstfreie Kommunikation von Problemen in einem kleinen, „sicheren“ Rahmen und der eigene Beitrag für die Gemeinschaft.

Leitfragen im WOL Circle

Die Basis für die Working out loud-Treffen bilden drei Leitfragen, die den Mitgliedern eines Circles den Weg durch die zwölf Wochen weisen. John Stepper, Begründer von WOL, formuliert diese so:

1. Was versuche ich zu tun?

Die Frage weist auf das persönliche Ziel hin: zum Beispiel mehr über ein Thema zu lernen oder einfach nur Leute zu treffen, die das Gleiche tun, wie Sie selbst. Oder Sie möchten Menschen treffen, die etwas tun, das Sie gern selbst tun würden – dadurch ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, sich entsprechende Skills anzueignen.

2. Wer steht in Beziehung zu meinem Ziel?

Das sind in der Regel die Menschen, die Erfahrung mit dem haben, was Sie tun wollen oder über ein Thema sprechen beziehungsweise schreiben, welches Sie sich aneignen möchten.

3. Wie kann ich meinem Circle etwas geben, um unsere Beziehung zu vertiefen?

Diese Frage zielt auf die eigenen Fähigkeiten ab, die Ihre Gruppenmitglieder womöglich erlernen möchten. Es geht dabei um die Grundidee von WOL: Wissensmanagement, das allen nützt, statt die Ansammlung von Wissen im vielzitierten „stillen Kämmerlein“.

Der ganze Prozess ist frei von Wettbewerb und Manipulation: Die Mitglieder sollen in ihren Circles ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen erlangen, innerhalb dessen sich zwischenmenschliche Beziehungen knüpfen und vertiefen lassen. Der Hintergrundgedanke ist dabei, Chancen für einen Austausch zu schaffen – betriebsintern und übergreifend.

Was bringt Working out loud?

Working out loud soll absichtlich nicht dazu dienen, aktuelle Projekte und Arbeitsprozesse gezielt voranzutreiben. Stattdessen gibt es den Teilnehmenden Möglichkeiten und Raum zur eigenen Entwicklung und Entfaltung von Kompetenzen. Sie entscheiden selbst, an welchen Fragestellungen Sie innerhalb des WOL Circle arbeiten. Deshalb mag WOL manchen Arbeitgebern als ineffiziente Methode erscheinen.

Katharina Krentz, Pionierin der Working out loud-Methode hierzulande, greift das Problem dahinter so auf: „Wir bauen Beziehungen gar nicht mehr zu Menschen, sondern zu Rolle, Funktion und Aufgabe.“ Der vermeintlich maximal effiziente Austausch verliere die Persönlichkeiten dahinter aus dem Blick – in der Folge könne man sich gegenseitig nicht mehr einschätzen. WOL soll dem entgegenwirken und stabile zwischenmenschliche Verbindungen innerhalb des Unternehmens etablieren.

Besser arbeiten durch WOL

Durch die eigenen Beiträge und das Feedback in der Gruppe kann der Einzelne ein Gefühl für den eigenen Selbstwert entwickeln. Der Blick richtet sich nach innen: Was sind meine wertvollen Fähigkeiten und welches Wissen kann ich weitergeben? Das stärkt die intrinsische Motivation und schafft ein Mindset, mit dem Mitarbeiter positiver an neue Herausforderungen herangehen. Selbst Routineaufgaben können so vom eintönigen Tagesgeschäft zum Schleifstein werden, an dem Sie tagtäglich Ihr Profil schärfen.

Die Teilnehmenden lernen außerdem, Probleme zu kommunizieren und konstruktiv Feedback zu geben. Im kleinen Kreis des Circles fällt es vielen leichter, aus sich herauszugehen. Zu erleben, dass es anderen auch so geht, wie einem selbst, entkrampft und gibt den kommunikativen Fähigkeiten Rückenwind. Der selbstorganisierte und informelle Ausbau von Wissen stärkt und motiviert zusätzlich. Daraus ergeben sich viele Vorteile für Arbeitgeber.

WOL: Die Vorteile für Unternehmen

Da sich Mitarbeiter auf menschlicher Ebene kennenlernen, entstehen lebendige Verbindungen innerhalb des Unternehmens. Das schafft Zusammenhalt und die Möglichkeit, sich besser mit der Arbeit zu identifizieren – auf positive Weise. Ganz automatisch geht damit in der Regel ein besseres Arbeitsklima einher und die Zusammenarbeit entwickelt sich auf einem ganz neuen Niveau.

Dadurch, dass Wissen ganz offen geteilt wird und Einblicke in andere Arbeitsbereiche möglich werden, steigt die Kompetenz der Arbeitnehmer. Der „Blick über den Tellerrand“ ermöglicht gegenseitiges Verständnis für Prozesse und fördert so ein agiles Arbeiten. Insbesondere Agilität ist dabei wichtig für die Arbeitswelt von morgen.

Das Feedback in kleinen Gruppen gibt dem Einzelnen Gelegenheit zur Reflexion über sich selbst. Den eigenen Wert zu erkennen fördert dazu das Gefühl, Teil von etwas Sinnvollem zu sein. Das spiegelt sich in einer erhöhten Mitarbeiterzufriedenheit wider. Im Endeffekt äußern sich Zufriedenheit und Selbstwertgefühl in einer höheren Bereitschaft, sich im Interesse des Unternehmens einzusetzen. Nicht umsonst wird WOL auch als geeignete Methode gesehen, Change-Management im Sinne von echten Veränderungen anzustoßen.

FAQ zum Thema Working out loud

Wie gehe ich vor, wenn ich Working out loud in meinem Unternehmen umsetzen möchte?

Nach dem Vorbild von Katharina Krentz können Sie zunächst eine interne Initiative gründen. Erörtern Sie die Vorteile von WOL und präsentieren Sie diese Ihrem Arbeitgeber – gemeinsam lassen sich Vorgesetzte besser überzeugen.

 

Es gibt auch die Möglichkeit, außerhalb des Unternehmens WOL Circles zu finden. Im Wiki  https://wol.wiki/de/start sind regionale Circles gelistet. Materialien und Workshops gibt es auf der offiziellen Website https://www.workingoutloud.com/

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