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Die stille Minute im Alltag

Unser Alltag ist oft erfüllt von Stress, Hektik und einem Überangebot an Information und Kommunikation. Wer sich da erfolgreich mit anderen austauschen möchte, egal ob als Unternehmen oder als Individuum, der braucht unbedingt mehr Qualität statt Quantität.

Die stille Minute im Alltag

Tina Baumgartner, Kommunikationswissenschafterin, Trainerin und Achtsamkeitscoach

Statt in der Kommunikationsflut noch schneller zu rennen, noch mehr Knöpfe zu drücken und noch mehr Bildschirme zu überfliegen, ist Innehalten angesagt: Eine wichtige Denkminute für Sie und Ihre Kommunikationspartner, für eine bessere Selbstwahrnehmung, für mehr Sensibilität für andere, für deutlich bessere Gespräche.

Ist Multitasking noch „in“?
Wir multitasken, kommunizieren dank der Informations- und Kommunikationstechnologien auf unterschiedlichsten Kanälen und versuchen dabei, wichtige Termine und Arbeitsaufgaben mit höchster Geschwindigkeit zu bewältigen. Ständige Erreichbarkeit und Reizüberflutung lassen uns immer weniger zur Ruhe kommen.

Die menschliche Aufmerksamkeit hat jedoch ihre Grenzen und stetiger Leistungsdruck wirkt sich negativ auf unser Gemüt, unsere Körper und auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Zahlreiche Studien belegen die negativen Auswirklungen von Langzeit-Stress auf den menschlichen Organismus. Unser gesamtes Dasein ist bei Stress (einem Zustand, der in einer bedrohlichen Situation durchaus Sinn macht, da er uns leistungsfähiger und aufmerksamer macht) fokussiert und hochaktiviert. Wir haben für „Nebensächlichkeiten“ keine Zeit und verfolgen das, was uns in dem Moment „wesentlich“ erscheint.

Zwischenmenschliche Beziehungen
In diesem von Effizienzstreben gefärbten Umfeld können wir uns fragen: Wie steht es um die Qualität unserer zwischenmenschlichen Beziehungen? Wie bewusst sind wir in der Gestaltung dieser? Sind wir im Gespräch wirklich „beim anderen“ oder schon wieder innerlich bei dem nächsten Punkt auf der Agenda? Nehmen wir Konflikte wahr und reagieren auf sie oder lassen wir sie lieber beiseite, um uns auf „die Sache“ zu konzentrieren?

Die Kommunikation und die Beziehung zwischen Menschen sind es, die den Erfolg eines Unternehmens maßgeblich mitbestimmen. Und genau deshalb sollten wir ihnen auch in Zeiten der Hektik unsere Aufmerksamkeit schenken: Wir selbst sind es, die die Qualität unserer Beziehungen beeinflussen können. Was können wir also konkret tun?

Zeit für unser Gegenüber nehmen
Zunächst einmal können wir es meist steuern, wie viel Zeit wir für die Gespräche mit KollegInnen, MitarbeiterInnen oder KundInnen einplanen. Durch diese Priorisierung entsteht schon eine erste Gewichtung und das Gegenüber nimmt diese als Wertschätzung seiner Person wahr.

Face-to-Face
Face-to-Face Gespräche brauchen zwar oftmals im Vergleich mehr Zeit, doch virtuelle Kommunikation birgt mehr Möglichkeiten für Missverständnisse, sodass es uns wiederum Zeit kostet, diese im Nachhinein zu klären. Wie kommt es zu dieser höheren Wahrscheinlichkeit für Missverständnisse? Die Antwort liegt wortwörtlich auf der Hand: Wir können die Körpersprache des anderen nicht lesen, wir wissen nicht, in welcher Verfassung der Gesprächspartner ist und wir sehen auch (bis auf Videokonferenzen) nicht das Umfeld, in dem kommuniziert wird. Einweg-Kommunikation wie die schriftliche hat noch zusätzlich den Faktor der Verzögerung. An manchen Stellen wird die schriftliche Kommunikation zum Ersatz für die mündliche – wenn z. B. KollegInnen, die sich ein Büro teilen, sich per E-Mail unterhalten. Wird hier das Wunder der Kommunikationstechnologien nicht etwa zu weit getrieben?

Auch Anweisungen, die persönlich überbracht werden können, sollten nicht per E-Mail erfolgen. Sonst fragen sich die MitarbeiterInnen womöglich: Was ist los mit mir, dass mein Vorgesetzter/meine Vorgesetzte gar nicht mit mir sprechen will? Und solche Spekulationen wirken sich kaum begünstigend auf die Beziehung aus.

Die Frage nach der Zeit für Gespräche ist eine der Unternehmenskultur
Was ist für uns wichtig? Welchen Stellenwert haben die Stimmung und das soziale Gefüge in unserem Unternehmen?

Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert der Face-to-Face-Kommunikation (wieder) und setzen bewusst auf die persönliche Vernetzung ihrer MitarbeiterInnen. Teamentwicklungsseminare und Mitarbeiterveranstaltungen seien hier als Beispiele genannt.

Arbeitspsychologische Studien haben ergeben, dass MitarbeiterInnen die Stimmung im Büro wichtiger ist als die Höhe des Gehaltes. Ersteres bestimmt stärker darüber, ob der/die MitarbeiterIn motiviert ist und dem Unternehmen treu bleibt.

Menschen sind emotionale Wesen und entscheiden demnach meist auf emotionaler Basis. Wenn wir die Kommunikationskultur in unseren Unternehmen verbessern wollen, dann wäre es von Vorteil, dieser Tatsache vermehrt unsere Beachtung zu schenken.

Sich selbst wahrnehmen

Was können wir noch tun, um in Zeiten des Stresses die Qualität unserer kommunikativen Beziehungen zu verbessern? Der nächste Schritt, den wir vornehmen können, klingt vielleicht für einige von Ihnen zunächst ungewohnt. Da er doch von ungemeinem Wert ist, möchte ich ihn Ihnen nicht vorenthalten. Er klingt einfach und bedarf jedoch jahrelanger Übung: Nehmen Sie sich selbst wahr.

Beobachten Sie sich selbst

In welchem Zustand sind Sie gerade? Ist das ein guter Zustand, um z.B. in diesem Moment ein wichtiges Telefonat zu führen?

Gerade in hektischen Zeiten vergessen wir, auf uns selbst zu schauen. Wir „funktionieren“ und reagieren. In diesem Funktionieren fällt es schwerer, bewusst zu kommunizieren, sich zurückzulehnen und zu fühlen, was nun der nächste gute Schritt wäre. Durch eine stärkere Selbstwahrnehmung erkennen wir hingegen, wie wir „ticken“ und erhöhen dadurch die Fähigkeit zur Selbst-Führung: Die eigenen Zustände zu erkennen, anzunehmen, zu hinterfragen und auch wieder loslassen zu können.
Durch dieses Loslassen von unangenehmen Zuständen können wir zurückkehren zu einem inneren Gefühl von Gelassenheit und aufgeweckter Entspanntheit und dem Wissen darum, dass sich unsere Gefühle den ganzen Tag lang fast minütlich ändern. Das „Festhängen“ an negativen Zuständen minimiert sich.

Die gute Nachricht lautet: Je öfter wir Selbstbeobachtung vornehmen, desto einfacher wird es, mit uns selbst „in Verbindung“ zu bleiben und uns in einen guten Zustand zu versetzen.

In einem positiven „State“ lassen sich Entscheidungen besser treffen und Gespräche produktiver führen.

Nehmen Sie sich doch im nächsten Gespräch vor, an einer Stelle wo Sie merken, dass Sie in Stress geraten, innezuhalten und innerlich einen Schritt zurückzutreten, um die Situation wie „von oben“ zu betrachten. Was passiert gerade? Aus dieser Metaebene bekommen Sie oftmals die wertvollen Informationen, die Sie nicht sehen, wenn Sie „mittendrinnen“ sind.

Den anderen wahrnehmen
Sich selbst und die eigenen Bedürfnisse stärker wahrzunehmen ist auch ein wichtiger Wegbegleiter, wenn es darum geht, den anderen besser zu verstehen. Denn je höher unsere Fähigkeit ist, die eigenen Emotionen wahrzunehmen, umso leichter wird es, sie auch bei anderen zu erkennen.
Daniel Goleman hat diese Fähigkeit bereits in den 90er Jahren als „Emotionale Intelligenz“ beschrieben. Je mehr Sie darauf achten, wie etwas gesagt wird (anstatt nur auf das Was zu hören), umso mehr Informationen werden Sie über Ihr Gegenüber erhalten und umso verstandener fühlt er sich. Wenn Sie den Wert dieses neuen Gesprächskanals für sich erkannt haben, werden Sie merken, dass es oftmals die Emotionen sind, die Ihnen den Zugang zu Ihrem Gesprächspartner verschaffen. Das hat nicht nur die Erhöhung der Beziehungsqualität zur Folge, sondern sorgt auch dafür, dass Sie zukünftig die Art der Gespräche führen, die sich stimmig für Sie anfühlen.

Drei Schritte zu erfolgreichen Gesprächen im Alltagsdschungel

Schritt 1: Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Gesprächspartner
Gerade in Zeiten der Hektik und des Stresses stärken Face-to-Face-Gespräche Nähe und Verbundenheit. Zudem verringern persönliche Gespräche die Wahrscheinlichkeit von Missverständen und daraus resultierenden möglichen Konflikten.

Schritt 2: Nehmen Sie sich Zeit, sich selbst wahrzunehmen
Das können Körperempfindungen sein, Gefühle oder Gedanken. So können Sie schneller erkennen, in welchem Zustand sie sind und erhöhen Ihre Fähigkeit zur Selbstführung. Sie „verankern“ sich in sich selbst und lassen negative Zustände einfach wieder los – das ist bei einem Umfeld mit hoher Geschwindigkeit und hohen Anforderungen besonders wertvoll.

Schritt 3: Wenden Sie Ihre „Emotionale Intelligenz“ auch im Gespräch an

Achten Sie auch darauf, in welchem Zustand ihr Gesprächspartner ist. Das Eingehen auf die Emotionen des Gegenübers erhöht sein Gefühl des „Verstanden Werdens“ und wirkt somit beziehungsstärkend. Das ebnet den Boden für konstruktive Gespräche.

In diesem Sinne lade ich Sie ein, nach Lesen dieses Artikels für einen Moment Ihre Aufgaben mit gutem Gewissen liegen zu lassen, um später gestärkt darauf zurückzukommen. Schließen Sie die Augen, atmen Sie bewusst durch. Nehmen Sie wahr, wie sich Ihr Körper anfühlt, wie ihre Atmung verläuft und welche Gedanken vielleicht auftauchen. Und denken Sie daran: Damit tun Sie nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch den Menschen um Sie herum und Ihrem Unternehmen.

Autorin
Tina Baumgartner Mag. ist Kommunikationswissenschafterin, Trainerin und Achtsamkeitscoach im Team von LORENZ-SEMINARE Personality- & Competence-Training, Weidenthal/Pfalz.

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