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Wenn Geräusche die Konzentration stören

Bei Lärm und Arbeit denkt man an Baustellen, Sägewerke oder Flughafenarbeiter. Doch für diese gibt es vorgeschriebene Lärmschutzmaßnahmen in Form von Ohrenschützern. Die Lärmbelastung in Großraumbüros dagegen wird meist noch unterschätzt.

Wenn Geräusche die Konzentration stören

Das Telefon klingelt, der Kopierer rattert, der Drucker piept, die Kaffeemaschine dröhnt, der Kollege tratscht - so kann sich doch kein Mensch konzentrieren! In vielen Großraumbüros ist so eine Geräuschkulisse aber leider Alltag.

Für die Büroarbeit ist das besonders nachteilig, denn der Lärm wirkt leistungsmindernd: Man wird ständig aus seiner Arbeit gerissen, kann sich schlecht konzentrieren und man fühlt sich nach der Arbeit  erschöpft. Im folgenden Interview mit Univ.-Prof. Dr. med. Ralph Mösges erfahren Sie unter anderem, wie Sie sich trotz Lärmbelastung besser konzentrieren können.

Wo kommt der Lärm her?
Prof. Mösges: Wer schon einmal in einem Großraumbüro gearbeitet hat, der kennt es: Ständig klingelt irgendwo ein Telefon, der Kopierer rattert, der Drucker piept wegen Papierstau, der Kollege unterhält sich am Nachbartisch oder es laufen Mitarbeiter zur Kaffeemaschine hin und her. Geräusche von Lüftungs- und Klimaanlagen oder Straßenlärm von draußen dringen ebenso ins Ohr.


Ein zusätzlicher Lärmverstärker dabei ist die moderne Innenarchitektur. Kühl und glatt ist der Trend. Es fehlt daher meist an lärmabsorbierenden Flächen wie Teppiche, Vorhänge und Pflanzen. Der Schall wird an Decken und Wänden reflektiert und somit zusätzlich lauter empfunden.


Die Geräusche selber sind aber im normalen Bereich, erst ab 80 Dezibel sollte man seine Ohren schützen, wo liegt das Problem?

Prof. Mösges: Auch wenn die vorgeschriebene Dezibelzahl von 80 nicht überschritten wird, ist die andauernde Geräuschkulisse von 45 Dezibel im Büro oft bedenklich. Denn auch Schalldruck, der das Gehör nicht schädigt, kann Folgen haben.


Wie äußert sich das?

Prof. Mösges: Unsere Ohren können wir nicht bewusst abschalten. Sie stehen immer auf Empfang, ständig im Stand-by sozusagen - sogar im Schlaf. Jedes Geräusch wird also aufgenommen und versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Automatisch werden Stresshormone ausgeschüttet, Blutdruck, Muskelspannung, Herz- und Atem-frequenz sind erhöht. Auf Dauer überfordert das den menschlichen Mechanismus. Für die Büroarbeit ist das besonders nachteilig, denn der Lärm wirkt leistungsmindernd: Man wird ständig aus seiner Arbeit gerissen, kann sich schlecht konzentrieren, und man fühlt sich nach der Arbeit stark erschöpft.


Wieso ist es so schwierig sich zu konzentrieren, wenn am Nachbartisch jemand telefoniert?


Prof. Mösges: Wer unfreiwillig zuhört, wird automatisch gestört. Sein Ohr einfach abzuschalten ist kaum möglich. Im Gegenteil: Unser Gehirn versucht automatisch, das, was der Gesprächsteilnehmer an der anderen Leitung gesagt hat, mit zu verarbeiten. Damit ist es dann so beschäftigt, dass man sich nicht mehr auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren kann.


Was ist der so genannte Aufschaukeleffekt?

Prof. Mösges: Wenn eine gewisse Grundlautstärke vorhanden ist, neigt der Mensch dazu, diese übertönen zu wollen, um gehört zu werden. So wird er automatisch lauter. Der Lärmpegel steigt also weiter.


Was kann man tun, um sich trotzdem zu konzentrieren?

Prof. Mösges: Wer sich für längere Zeit konzentrieren muss, dem helfen Ohrstöpsel, die nach Belieben eingesetzt und wieder herausgenommen werden können (z.B. OHROPAX Multi oder Classic in der Apotheke).


Gibt es sonst noch Maßnahmen?

Prof. Mösges: Man kann schallschluckende Materialien wie Teppiche und Vorhänge oder bestimmte Anstriche einsetzten und Pflanzen aufstellen. Auch sogenannte Schallschirme können helfen: Das sind schallabsorbierende Ausätze zwischen den Tischen. So lässt sich der Direktschall unterbrechen, der vom Telefongespräch des Kollegen ausgeht. Auch Regale oder Schränke oder Stellwände können den Schall unterbrechen. Drucker und Kopiergeräte sollten zudem an einem Ort konzentriert werden.


Neu ist das sogenannte "Sound-Masking". Ein künstliches monotones Hintergrundgeräusch wird in den Raum gegeben, um die anderen Geräuschquellen zu übertönen.


Vielen Dank für das Gespräch.


Univ.-Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Ralph Mösges, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde  und Medizinische Informatik in Köln

Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie

Bereich Medizinische Informatik, Universitätsklinikum Köln


Tipp: Ohren zu und in Ruhe arbeiten

Um sich von den störenden Geräuschen abzuschirmen,  gibt es praktische Ohrstöpsel, die den Lärm einfach draußen lassen (z. B. Ohropax Multi in der Apotheke). Sie können ganz einfach nach Bedarf eingesetzt und wieder herausgenommen werden. Die Stöpsel sind in Lamellenform und dank eines Bands zum Umhängen immer zur Stelle, wenn man sie braucht.


Richtwerte für den Schallpegel im Büro

Kleiner Büroraum:         35 dB

Großer Büroraum:         45 dB


55 dB gelten als maximaler Lärmpegel an Arbeitsplätzen an denen vorwiegend geistige Tätigkeiten verrichtet werden.


Schallpegelwerte zum Vergleich:

Fotokopierer:         70 dB

Laserdrucker:         50 dB

Laute Unterhaltung:     70 dB        

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