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Selbstüberforderung: Wenn der eigene Anspruch gefährlich wird

Office-Professionals neigen dazu, jede Aufgabe sofort und mit 150-prozentigem Einsatz zu erfüllen. Doch so eine High Performance kann niemand nonstop bringen, ohne dass Seele und Körper irgendwann kapitulieren. Bevor es soweit kommt, machen Sie doch einmal den 150-Prozent-Check!

Perfektionismus

Viele verwechseln „einen guten Job machen“ mit Perfektion.

Sie lieben Herausforderungen, arbeiten gerne anderen zu, zeichnen sich durch Empathie, Pünktlichkeit, Genauigkeit und Loyalität aus und behalten selbst im größten Stress den Überblick? Dann sind Sie die Idealbesetzung in einer „digital-verrückten Welt“ des Office von heute (O-Ton Marit Zenk). Kein Tag ist hier wie der andere. Das klingt spannend. Wäre da nicht der stetig wachsende Zeit- und Anforderungsdruck, der den Adrenalinpegel immer weiter in Höhen treibt, in denen es irgendwann körperlich und mental ungesund werden könnte.

Um es sich in der Arbeit etwas leichter zu machen und sich die Freude am Job zu erhalten, sollte man sich rechtzeitig mit der Frage auseinandersetzen: Muss immer alles zu 110 oder 120 Prozent erledigt werden? Oder reicht bei manchen Aufgaben auch ein etwas geringerer Einsatz? Meinungen und Tipps dazu holten wir bei Alexandra Friedhoff in Berlin, Elina Stoll in München und Marit Zenk in Hamburg ein, die selbst Assistentinnen waren oder sind und ihre Erfahrung als Coach, Trainerin und Buchautorin weitergeben.

Sehr gut ist wirklich gut genug

Alle drei wissen aus eigener Erfahrung, wie schön dieser Beruf ist, doch wie schnell man sich auch darin verlieren beziehungsweise aufreiben kann. „Assistenz ist Dienstleistung im besten Sinne, aber auch eine Gratwanderung. Denn viele verwechseln ‚einen guten Job machen’ mit Perfektion“, erklärt Marit Zenk, Die MAC-Management-Assistants-Consultant aus Hamburg.

Sie rät, den Unterschied schon durch eine bewusste Wortwahl vor Augen zu führen: Mit „sehr gut“, „prima“ oder „korrekt“ setzt man realistische Standards. „Nichts und niemand ist wirklich perfekt. Und wir Menschen machen Fehler. Das ist ganz normal. Sehr gut ist gut genug! Versuchen wir trotzdem perfekt zu sein, und das dann noch auf allen Gebieten, geißeln wir uns selbst. Wichtig ist, dass man im Office Management sattelfest ist und die Korrespondenz fehlerfrei erledigen kann. Wenn es um Fachwissen außerhalb des Kompetenzbereiches geht, sollte man wissen, wen man im Fall des Falles anrufen kann.“

Jetzt aber richtig: Ihr ganz persönlicher Umgang mit Fehlern

Wie geht es Ihnen, wenn Ihnen ein Fehler unterlaufen ist, womöglich schon zum zweiten oder dritten Mal? Gerade Kolleginnen mit hohem Anspruch an sich selbst können damit ein echtes Problem haben, bis hin zu Gedanken wie „der Chef reißt mir bestimmt den Kopf ab.“ Marit Zenk rät in diesem Fall zu folgender Übung: Halten Sie inne. Setzen Sie sich ordentlich auf Ihren Bürostuhl, lehnen Sie sich hinten an und atmen Sie dreimal tief durch. Nachdem Sie sich die Fragen „Wird davon die Welt untergehen?“ und „Bekomme ich deswegen eine Abmahnung?“ mit NEIN beantwortet haben, überlegen Sie, welche Konsequenzen Ihr Fehler oder Versäumnis tatsächlich haben könnte. Können Sie den Fehler korrigieren? Dann tun Sie es jetzt. Und überlegen Sie, wie Sie diesen Fehler künftig vermeiden können. Noch länger darüber zu grübeln bringt nichts. Legen Sie das Kapitel nun in Ihrem imaginären ISSO-Ordner (ISSO = es ist so, wie es ist) ab und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder nach vorn. Alles andere ist Energieverschwendung. „Ihr Chef hat nichts gegen Fehler, sofern sie nur einmal passieren. Chefs lieben ansteigende Lernkurven und dafür haben Sie soeben gesorgt“, sagt Marit Zenk.

Wer will es denn überhaupt perfekt?

Damit wären wir auch schon beim Thema Perfektionsanspruch. Um wessen Anspruch geht es denn eigentlich? Verlangt Ihr Vorgesetzter stets perfekte Arbeit von Ihnen und schenkt Ihnen nicht ausreichend Anerkennung, nach der Devise „Nicht getadelt ist Lob genug“? Dann sollten Sie sich ein Herz fassen und ihn zu einem geeigneten Zeitpunkt darauf ansprechen, was ihm wohl noch fehle, damit er zu einer guten Beurteilung im Jahresgespräch kommt.

Oder aber setzen Sie sich selbst so unter Druck, fragt Alexandra Friedhoff, Assistentin eines Verbands- Geschäftsführers in Berlin und Coach. Vielleicht, weil Sie neu sind im Job oder als Quereinsteigerin meinen, sich stets durch besondere Leistung beweisen zu müssen. Haben Sie es wirklich nötig, Ihr Licht so unter den Scheffel zu stellen? Erfolge dürfen auch gefeiert werden! Arbeiten Sie an Ihrem Selbstbewusstsein. Beraten Sie sich mit einer Freundin, die Ihnen eine ehrliche Einschätzung gibt oder lassen Sie sich coachen, wenn Sie mit dem Ergebnis Ihrer Arbeit nicht zufrieden sind. Coaches können oft neutraler unterstützen als Freunde.

Alexandra Friedhoff sagt: „Wenn man versteht, warum man auf eine bestimmte Art und Weise fühlt und reagiert, bringen schon kleine Verhaltensänderungen eine Verbesserung.“ Wichtig ist auch immer, bei Aufgaben zu differenzieren, für wen sie gedacht sind und was das Ziel ist: Steht die Qualität (zum Beispiel eine Präsentation für den Bürgermeister) oder aber die Geschwindigkeit im Vordergrund?

Als weiteres Beispiel nennt Alexandra Friedhoff einen großen Kongress, den ihr Arbeitgeber veranstalten wird. „In der Form haben wir das noch nie gemacht.“ Dem Chef ging es nicht um eine perfekte Planung, die die Assistenz viel Arbeit und Zeit gekostet hätte, sondern ihm war wichtig, dass das Thema möglichst frühzeitig angepackt wird. Ein Brainstorming im Kollegenkreis, bei dem in überschaubarer Zeit viele Ideen zusammengetragen wurden, entpuppte sich als die ideale Grundlage, um eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. „Und manchmal findet es der Chef sogar gut, wenn man es nicht alleine macht, sondern Kollegen einbezieht“, fügt Alexandra Friedhoff hinzu.

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