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Die neue Zukunft des Arbeitslebens: Genussfähigkeit

Eine aktuelle Online-Umfrage zeigt: Flexibilität, Selbstorganisation und ständige Weiterentwicklung prägen das heutige Arbeitsleben. Doch auch das Thema Wohlbefinden spielt im Job eine maßgebliche Rolle. "Genuss" bei der Arbeit kann jeder lernen. Die fünf wichtigsten Tipps hierzu im Überblick.

Die neue Zukunft des Arbeitslebens: Genussfähigkeit

Diplom-Psychologin Ilona Bürgel ist überzeugt: "Engagiert, leistungs- und lernfähig bis ins hohe Alter zu sein, das ist in unserer Anstrengungskultur kaum zu schaffen. Sie plädiert für eine Konzentration auf psychische Ressourcen und mehr Genuss bei der Arbeit. Statt Mitarbeiter zu immer höheren Höchstleistungen "motivieren" zu wollen, sollten Unternehmen besser Rahmenbedingungen für mehr Wohlbefinden bei der Arbeit schaffen.

 

Genussfähigkeit ist die Zukunft des Arbeitslebens

Zusammen mit FOCUS Online hat Ilona Bürgel eine Onlineumfrage zum Thema gestartet. 1270 Leserinnen und Leser wurden nach ihren psychischen Ressourcen bei der Arbeit befragt. Als klare Spitzenreiter gingen Neugier (Platz 1) und Freundlichkeit (Platz 2) aus der Onlinebefragung hervor. Am unteren Ende der Liste rangierten Dankbarkeit und Genussfähigkeit. "Nach Jahren der Überforderung scheinen wir uns Genuss bei der Arbeit kaum mehr vorstellen zu können", so das Fazit der Expertin: "Dabei wird es genau darauf in den kommenden Jahren ankommen."  

 

Wohlbefinden steigert die Produktivität

Entscheidend für eine gute Vorbereitung auf die künftige Arbeitswelt wird es laut Bürgel sein, sowohl Sinn- als auch Genussfragen zu betrachten. "Genuss, also die Fähigkeit, sich an dem zu erfreuen, was vorhanden ist oder gerade geschieht, ist die zentrale Ressource", betont die Expertin.

 

Erstens, weil sie gerade in Zeiten der Instabilität, von Stagnation oder dem Ausbleiben des oft überschätzten Wachstums unser Wohlbefinden sichert. Zweitens, weil sie uns aus dem Hamsterrad des vorwiegend an Quantität orientiertem Höher-Schneller-Weiter hin zu mehr Lebens- und Arbeitsqualität führt. Und drittens, weil sie sofort wohltuend wirkt und dadurch Produktivität und Leistungsfähigkeit steigert. 

 

Plädoyer für mehr Selbstfürsorge im Job

"Um Wellness geht es dabei nicht", betont die Psychologin, "sondern um Existenzielles." Wer gut für sich selbst sorgt und seine psychischen Ressourcen nutzt, könne enorm profitieren. Und damit Mitarbeiter mehr Genuss bei der Arbeit empfinden, müssten Büros nicht zu Wellnessoasen gemacht werden. Es reiche durchaus, Mitarbeiter zu mehr Selbstfürsorge und einem gesunden Einsatz ihrer psychischen Ressourcen zu ermutigen.  

 

"Kommt ein Mitarbeiter schwer erkältet ins Büro, verdient das keine Anerkennung. Im Gegenteil. Nicht nur, dass er sich selbst schadet und ohnehin nicht leistungsfähig ist, er wird voraussichtlich auch noch Kollegen anstecken und damit dem Unternehmen mehr schaden als nützen", so die Expertin. 

 

Mitarbeiter stärken und Vorbild sein

Zahlreiche Untersuchungen haben die beeindruckenden Auswirkungen nachgewiesen: Gesundheit, Arbeitszufriedenheit, Engagement und Servicequalität, Einzelleistung und Teamleistung verbessern sich. Die Produktivität steigt und die Verbundenheit mit dem Unternehmen wächst. "Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Führungskräfte selbst den bewussten Umgang mit psychologischem Kapital vorleben", so die Psychologin: "Dadurch stärken sie die Mitarbeiter und sind zugleich Vorbild." 

 

Damit wir auch morgen noch genauso gut und gerne arbeiten wie heute, empfiehlt uns die gefragte Referentin und Buchautorin, heute bereits vorzusorgen: "Nur wenn es uns gut geht, können wir Top-Leistung erbringen." 

 

Genuss bei der Arbeit, ist Ilona Bürgel überzeugt, kann jeder lernen. Viele müssten ihn gar nur wiederentdecken. Ihre fünf wichtigsten Tipps im Überblick:

 

1. Entdecken Sie neu, wie gut Ihr Job ist

"Tatsächlich scheint der gleiche Kuchen beim zehnten Mal lange nicht mehr so gut zu schmecken wie beim ersten", erläutert die Expertin ihr Credo. Wir übersehen deshalb auch bei der Arbeit gern, wie viel Gutes und Wertvolles wir haben, weil es ganz selbstverständlich geworden ist. 

 

2. Konzentrieren Sie sich auf Stärken - Ihre und die der anderen

"Wer seine Stärken bei der Arbeit nutzt, ist sechs Mal häufiger engagiert und hat 40 Stunden Spaß", weiß die Psychologin: Wer die eigenen Stärken nicht nutzt, brenne aber schon nach 20 Stunden aus, ganz egal, wie anstrengend die Arbeit ist. 

 

3. Sehen Sie (Ihre) Erfolge

Teambesprechungen, das Abendessen oder unsere Reflexion über den vergangenen Arbeitstag sollten wir mit den Dingen beginnen, die heute gelungen sind oder die uns gefreut haben. 

 

4. Prüfen Sie Ihre Motivation

"Genussarbeiter" sind nur halb so häufig ausgebrannt wie "Broterwerbsarbeiter". "Der Schalter liegt in unserem Kopf", so Bürgel: "Wir müssen ihn nur umlegen." 

 

5. Nutzen Sie die Genussformel 3: 1

Wer sich einmal ärgert, sollte sich zum Ausgleich dreimal freuen, haben Wissenschaftler herausgefunden. Dies klingt anstrengender als es ist, denn unser Leben ist ja voll von schönen Dingen. Wir schätzen sie oft nur nicht.  

 

Mehr Infos unter www.ilonabuergel.de.  

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