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Wie wir Scheitern als Chance auffassen

„Alles kein Problem!“ In unserer lösungsorientierten Gesellschaft ein vielgenutztes Bonmot. Sobald ich es ausspreche, tue ich so, als hätte ich alles im Griff. Doch in Wirklichkeit rede ich das Problem wortwörtlich nur weg. „Das ist doch kein Problem“ ist eine glatte Lüge.

Kein Wunder, dass es danach oft knüppelhart kommt. Egal ob im Büro, im Vertrieb oder im Management – Probleme und Krisen sind ein fester Bestandteil unserer alltäglichen Ordnung. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Es gibt einen wunderbaren Satz von Friedrich Nietzsche: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“


Mit anderen Worten: Die Krise ist unser Universum. Zumindest für uns Clowns ist das so. Seit mehr als 25 Jahren bilde ich Amateure und professionelle Clowns in meiner eigenen staatlich anerkannten Berufsfachschule für Clowns aus. Und auch bei meiner Tätigkeit als Theater- und Eventunternehmer begleiten mich Probleme und Krisen ständig – auf der Bühne und im Unternehmen. Ich möchte Sie einladen, Probleme und Krisen wie ein Clown einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Es gibt keinen Grund, Probleme wegzureden

Im Gegenteil: Es existiert ein spielerischer Weg, Krisen zu meistern und sogar zu nutzen. Für einen Clown ist die Krise der Höhepunkt seines künstlerischen Ausdrucks. Nirgends findet er so viel Inspiration wie in der Krise. Die Krise ist der Ort, wo die Dinge sich verwandeln können und sich neue Sichtweisen ergeben. Dieses Prinzip können Sie auf Ihre Arbeit übertragen.

Scheitern – eine Frage der Bewertung

Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Heiner kam nach seiner Frühverrentung in eines meiner Clownseminare. Bei der Vorstellungsrunde bezeichnete er sich als „Kopfmensch“. Er sei einer, der alles planen müsse. Darum sei es auch in seinem Beruf gegangen: Er war Chef der Logistik in einem großen Warenhaus. „Es lief nie, wie es laufen sollte“, fasste er seine täglichen Herausforderungen zusammen. Das hat ihn schließlich krank gemacht. Zur Clownausbildung kam er, weil er sein Leben noch einmal in andere Bahnen lenken wollte.

Einfach geschehen lassen

Im Seminar stand er vor dem gleichen Problem: Denn in der Ausbildung dreht es sich ums Spielen und Zulassen; Dinge einfach geschehen lassen. Die größte Herausforderung für Heiner: Im Clownspiel gibt es kein Richtig oder Falsch. Es zählt nur, wie mit dem zufälligen Impuls gespielt wird. Wie der Clown staunt, wenn plötzlich etwas passiert, was nicht geplant war. Wie die veränderte Situation aufgefasst wird und man neue Inspirationen zulässt. Das Spiel lebt davon, dass sich ständig alles verändert. Der Versuch, etwas zu planen oder festzuhalten, erreicht das genaue Gegenteil. Heiner war fasziniert, zu erleben, wie das Spiel „sich selbst erfindet“. Am Anfang hatte er große Schwierigkeiten, sich auf das Spiel einzulassen, weil er meinte, dass er keine Ideen hat. Schließlich merkte er: Ideen sind gar nicht nötig. Sie stören sogar. Heiners Weltsicht veränderte sich schließlich und er freute sich darüber. Einziger Wermutstropfen: Er hat diese Erfahrung erst in seinem Ruhestand gemacht.

Das Problem löst das Problem

Träumen wir nicht alle davon, wenigstens eine Woche lang mal keine Probleme zu haben? Keine Schwierigkeiten im Büro? Nichts, was nicht funktioniert? Träumen Sie weiter! Oder nehmen Sie Probleme als das, was sie in Wirklichkeit sind: Einladungen, etwas Neues zu wagen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie sich nicht in gewohnter Manier anstrengen und das Problem so schnell wie möglich lösen wollen. Spielen Sie mit dem Problem, bis Sie feststellen, wie das Problem das Problem löst.

Stellen sie sich zum Beispiel folgende Situation vor:

Sie kommen morgens ins Büro, die Telefonanlage hat den Geist aufgegeben. Klasse, wenn Sie nicht gestört werden wollen. Wenn das Telefon allerdings Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument ist, haben Sie ein großes Problem. Sie und Ihr Team sind bis zur Reparatur lahmgelegt. Keine Frage, eine wirklich nervige Situation. Was machen Sie mit dem Problem? Sie kontaktieren den Techniker. Statt aber nun stundenlang genervt danebenzustehen und zu warten, bis alles wieder läuft, können Sie die kleine Zwangspause nutzen und beispielsweise ein außerordentliches Meeting einberufen. Treffpunkt: das Eiscafé oder der Italiener um die Ecke. Das ist Zeitverschwendung? Keineswegs. Denn so eine legere Zwangspause hebt die Moral wieder etwas an und steigert die Motivation. Und wer weiß: Vielleicht war so etwas schon lange überfällig. Das kleine Problem erweist sich so sogar als sinnvoll – hat es doch den Freiraum für die teambildende Maßnahme geschaffen.

Lassen Sie Probleme und Fehler zu

Das Vermeiden von Fehlern bremst kreative Impulse. Wer jedem Plan haargenau folgt, kommt immer ins Straucheln, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Was läuft schon immer nach Plan? Wenn Sie dann keine kreative Alternative aus dem Ärmel schütteln, stockt alles. Fehler erlauben bedeutet also, neue Ideen zuzulassen. Wenn im Meeting immer nur das gesagt wird, was konform ist und gerne gehört wird, werden die gleichen alten Ergebnisse produziert. Langweilig, nicht innovativ. Das führt in Zeiten der Disruption mitunter zum Untergang ganzer Unternehmen.

Wenn aus dem Problem eine Krise wird

Wir haben es aber durchaus auch mit Problemen zu tun, die sich nicht ohne Weiteres lösen lassen. Hier können Sie beweisen, wie krisenresistent Sie sind. Vielleicht nutzen Sie die Krise sogar als Chance – sicher die eleganteste Lösung. Nehmen Sie sich auch hier den Clown als Vorbild: Für ihn ist die Krise der dramaturgische Höhepunkt. Haben wir eine gute Pointe auf Lager oder gehen wir mit einem schwachen Witz ab und kassieren nur einen lahmen Verlegenheitsapplaus? Gehen Sie wirkliche Krisen wie der Freund mit der roten Nase spielerisch an. Natürlich müssen Sie dabei weiterhin um den Ernst der Lage wissen. Das ist wichtig. Denn wer die Krise auf die leichte Schulter nimmt und so tut, als ob alles kein Problem wäre, verkennt die Chance, die sich bietet.

Beispiel Auftragsstornierung

Nehmen wir an, ein wichtiger Kunde storniert seinen Auftrag. Die Folgen bekommen nicht nur Sie, sondern auch Ihre Mitarbeiter zu spüren. Schnell machen sich existenzielle Sorgen breit. Ängste stören den Arbeitsablauf; zu dem Auftragsproblem gesellt sich ein Mitarbeiterproblem. Wenn sich Probleme so zur Krise steigern, sind Menschen besonders sensibel und aufmerksam. Alle sehen vor lauter Problem den Wald nicht mehr. In dieser Situation können Sie als Führungskraft Ihr Team mit der richtigen Ansprache erreichen und zusammenführen. Das Problem bietet die Chance, alle auf Ihre unternehmerischen Ziele auszurichten und zusammenzuschweißen. So gehen Sie mit einer starken Mannschaft aus der Krise hervor. 

Nehmen Sie die Clown-Perspektive ein

Bevor Sie das nächste Mal „kein Problem“ sagen, betrachten Sie es einmal wie ein Clown und lassen Sie sich von der Krise inspirieren. Vielleicht freuen Sie sich dann sogar über den nächsten Fehler.

Über den Autor

Michael Stuhlmiller studierte Jura in Heidelberg, Musik und Kunst in Kassel und zählt heute mit seiner staatlich anerkannten Berufsfachschule für Clowns, Komik und Comedy zu den international renommiertesten Ausbildern für Clownschauspieler und Komiker. Stuhlmiller ist erfolgreicher Theaterunternehmer, Eventmanager und in der Kulturpolitik zu Hause – diese Erfahrungen kombiniert mit seinen Erkenntnissen vom Clown-Sein überträgt er unterhaltsam und zugleich profund auf konkrete Situationen aus dem Alltags- und Berufsleben; als Redner, Universitätsdozent und Schreiber. Sein aktuelles Buch: „Die Kunst des spielerischen Scheiterns – Wahres Selbstvertrauen gewinnen mit der Clownmethode“ ist im Kailash Verlag erschienen.

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