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Wenn der Chef zur Ideenbremse wird

Manager klagen oft, dass ihre Mitarbeiter zu wenig Ideen entwickeln, um Dinge besser zu machen. Dabei sind sie oft selbst ein Teil des Problems: Sie verhindern mit ihrem Verhalten das Entstehen und Umsetzen neuer Ideen.

Hinter Ideenlosigkeit steckt in der Regel die Erfahrung der Mitarbeiter: Wenn ich meinem Chef eine Idee vortrage, dann empfängt er mich selten mit offenen Armen. Sammeln Mitarbeiter mehrfach solche Erfahrungen, dann ziehen sie sich zurück. Statt mit Begeisterung neue Ideen auszubrüten, machen sie Dienst nach Vorschrift.


Jens-Uwe Meyer, beschäftigt sich in seinem neuen Buch "Kreativ trotz Krawatte" mit der Frage, wie Sie eine Innovationskultur aufbauen und auf diese Weise Ungewöhnliches erreichen. Er weiß, Führungskräfte machen im Umgang mit kreativen Mitarbeitern und ihren Ideen oft folgende Fehler:


Die verbale Ohrfeige

Sie würgen Ideen, die nicht in ihr Schema passen, vorschnell ab. "Da haben Sie sich was Schönes ausgedacht." "Da spürt man den Theoretiker." Eine solche Ablehnung wirkt auf Mitarbeiter wie eine Ohrfeige – insbesondere dann, wenn sie nicht begründet wird.


Das Totschlagargument

Oft befassen sich Vorgesetzte nicht ernsthaft mit Ideen ihrer Mitarbeiter, weil sie andere Prioritäten haben. "Dafür haben wir keine Zeit." "Hierfür fehlt uns das Geld." Statt mit ihren Mitarbeiter zu klären, wann ein Gespräch möglich und unter welchen Voraussetzungen deren Idee eventuell realisierbar wäre, schmettern sie diese sofort ab.


Die Ideen aussitzen

"Spannend, lassen Sie mich darüber nachdenken." "Sehr interessant, geben Sie mir mal das Konzept." Das sagen Führungskräfte zuweilen, wenn Mitarbeiter ihnen Ideen unterbreiten. Doch dann verstreicht Zeit und der Mitarbeiter hört nichts mehr von seiner Idee. Fragt er dann nach, wird er vertröstet. Also denkt er irgendwann: Allzu wichtig scheint meinem Chef mein Mitdenken nicht zu sein – selbst wenn er offiziell etwas anderes verkündet.


Die Ideen "stehlen"

"Geben Sie mir das. Ich stelle das mal in der Abteilungsleiterrunde vor." Das sagen manche Chefs nicht nur, sie tun es auch. Doch leider präsentieren sie im Kollegenkreis oder bei ihren Vorgesetzten die Idee des Mitarbeiters als eigene. Sie schmücken sich mit fremden Federn und heimsen hierfür die Lorbeeren ein. Für Mitarbeiter ist eine solche Erfahrung extrem frustrierend. Und sich beschweren? Bringt nichts! Denn hierauf reagieren die "Ideendiebe" meist wie folgt: "So neu war Ihre Idee nicht. Und wenn ich Ihr Konzept nicht überarbeitet hätte, dann ..."


Den Mitarbeiter "platt machen"

"Haben Sie nicht besseres zu tun als ..." "Beschäftigen Sie sich nicht mit Dingen, von denen Sie nichts verstehen." Reagiert eine Führungskraft so auf die Idee eines Mitarbeiters, dann ist dies der kreative Super-Gau. Denn dann wird der Mitarbeiter nie wieder eine Idee artikulieren.


Die genannten Fehler begehen Führungskräfte meist, weil sie selbst unter enormem Druck stehen. Sie sind Teil eines ideenfeindlichen Systems. Viele Unternehmen haben Organisationsstrukturen, die systematisch Kreativität zerstören.



 

Merkmale einer katalysatorische Führung
Für eine an der Handelshochschule Leipzig durchgeführte Studie wurde ermittelt, was die 25 innovativsten Unternehmen weltweit anders machen als ihre Mitbewerber. Ein Ergebnis war: Konzerne wie Apple, Google, Nike und Virgin pflegen einen Managementstil, der "katalysatorische Führung" genannt wird. Merkmale sind:

  • Die Mitarbeiter sind nicht von morgens bis abends ins operative Geschäft eingebunden. Sie haben (zeitliche) Frei-räume, um neue Ideen zu entwickeln.


  • Die (Arbeits- und Kreativ-)Teams werden immer wieder neu zusammengesetzt, damit in ihnen keine kollektiven Denk-Routinen entstehen, die den Blick für neue Lösungen verstellen.


  • Außer der offiziellen Unternehmenskultur schätzen auch die Führungskräfte Kreativität als hohes Gut und veran-kern entsprechende Werte in ihren Teams.


  • Die Führungskräfte haben ein Ohr für neue Ideen. Geführt wird nach der Maxime: Es gibt keine heiligen Kühe. Alles kann man irgendwie besser machen.
 



 

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