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Stets neuen Anforderungen gerecht werden

"Ich schaffe das alles nicht mehr." Dieses Gefühl plagt immer mehr Berufstätige. Unter anderem, weil sie im Job ständig vor neuen Herausforderungen stehen, für deren Lösung sie noch keine Routinen entwickelt haben. Eine entsprechend große mentale Kraftanstrengung kostet es sie, diese zu meistern.

Als vor circa 20 Jahren viele Unternehmen die Arbeitsabläufe in ihrer Organisation neu strukturierten – unter anderem als Folge der rasanten Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik – veränderte sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Erledigte zuvor jeder Mitarbeiter die in seiner Stellenbeschreibung definierten Aufgaben, so war nun plötzlich Team- und Projektarbeit angesagt. Und die Kollegen – auch in anderen Bereichen - sollten fortan als "Kunden" angesehen werden, gegenüber deren Wünschen man sich nicht mehr mit einer Bemerkung wie "Das gehört nicht zu meinem Job." verschließen kann.


Dadurch erhöhte sich die bei zahlreichen Mitarbeitern die gefühlte Arbeitsbelastung. "Für viele war es eine erhebliche mentale Umstellung, sich auf diese neue Arbeitsform einzustellen", betont Malu Salzig, Geschäftsführerin der Focus Change GmbH Deutschland in Darmstadt.


Neue Medien krempeln die Arbeitswelt um

Blickt man heute auf die damalige Situation in den Betrieben zurück, dann denkt man vermutlich: Was war das damals für eine ruhige Zeit. Zwar standen in den meisten Büros bereits Computer. Doch das Internet? Das kannten nur einige Wissenschaftler. Und E-Mails versenden? Der Siegeszug der elektronischen Post setzte erst 1993 ein. Und Mobiltelefone? Die hatten damals bestenfalls einige Außendienstmitarbeiter und der Chef.


Heute sind diese Medien ganz selbstverständlich in den Arbeitsalltag der meisten Berufstätigen integriert. "Ich muss stets und überall erreichbar sein – und wenn nicht, dann muss ich wenigstens so schnell wie möglich reagieren." Dieses Empfinden hat sich nicht nur zu einem Lebensgefühl vieler Menschen entwickelt. In vielen Jobs sehen sich Berufstätige tatsächlich mit dieser Erwartung konfrontiert.


Permanent erreichbar sein

Doch nicht nur wegen der permanenten Ruf-Bereitschaft fällt es immer mehr Menschen schwer, mal abzuschalten. Hinzu kommt: Sie stehen in immer kürzeren Zeitabständen vor neuen Herausforderungen – nicht nur am Arbeitsplatz. Denn Fakt ist, laut Hubert Hölzl, Führungskräftetrainer aus Lindau: "Die Unternehmen müssen heute in immer kürzeren Zeitabständen nicht nur ihre Strategien, sondern auch ihre Art, Aufgaben zu lösen, überdenken. Für ihre Mitarbeiter bedeutet dies: An sie werden häufiger neue Anforderungen gestellt. Und sie müssen gewohnte Denk- und Verhaltensmuster aufgeben."


Das führt bei vielen Mitarbeitern zu einem Gefühl der Überforderung. Ein Zeichen hierfür ist die permanent steigende Zahl von Burnout-Fällen. Laut AOK-Statistik wurden im vergangenen Jahr rund 100.000 Menschen mit Burnout-Symptomen behandelt.


Strategien entwickeln

Für die Organisationsberaterin und Therapeutin Angela Kissel vom Beratungsunternehmen Kissel Consulting ist klar: Das Gefühl der Überforderung resultiert meist weniger aus dem Berg von Herausforderungen, vor dem die Betroffenen stehen. Es resultiert vielmehr daraus, dass die Herausforderungen oft neu sind und die Betroffenen für ihre Lösung noch keine Strategien entwickelt haben. "Eine entsprechend große mentale Kraftanstrengung kostet es sie, diese zu meistern."


Ähnlich sieht dies die Lebensberaterin und Heilpraktikerin Hina Fruh. Sie ist überzeugt: Das klassische Zeit- und Selbstmanagement stößt an seine Grenzen. "Es wird zwar auch künftig ein nützliches Instrument sein, um Routineaufgaben zu lösen. Was viele Mitarbeiter heute aber brauchen, ist eine aktive Unterstützung beim Lösen neuer Aufgaben." Ihr Credo: Sie müssen die Grundzuversicht entwickeln! Ich schaffe das – alleine oder mit selbstorganisierter Unterstützung. Sonst geraten sie in der modernen Lebens- und Arbeitswelt immer wieder in Situationen, in denen sie sich nicht nur überfordert fühlen, sondern dies auch faktisch sind.


Mitarbeiter stärken

Viele Unternehmen bieten Präventivmaßnahmen an um ihre Mitarbeiter vor einem Burnout zu schützen. So zum Beispiel die Bausparkasse Schwäbisch Hall: Sie offeriert ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, Stressmanagementseminare zu besuchen und in ihrer Mittagspause an Entspannungstrainings teilzunehmen. Und wer will, kann sich sogar zu Massagen anmelden. Ebenfalls im Weiterbildungsprogramm stehen Seminare, die darauf abzielen, die Resilienz, also Widerstandskraft der Mitarbeiter zu stärken. Und wer das Gefühl hat "Ich steuere auf einen Burnout zu", der kann sich mit einem Coach treffen, um mit ihm Präventionsstrategien zu erarbeiten.


Dies alles tut Schwäbisch Hall "auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen", betont Bernadette Imkamp, verantwortlich für das Gesundheitsmanagement bei Schwäbisch Hall. Denn wenn ein Mitarbeiter wegen eines Burnout ausfällt, können Unternehmen davon ausgehen, dass er ein halbes Jahr fehlt. Und völlig unklar ist in dieser Zeit: Kommt er danach zurück und wenn ja, wie stark ist er anschließend belastbar?

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