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Generalist und Spezialist zugleich

Hochkomplex - so sind heute die Strukturen und Aufgaben-stellungen in vielen Unternehmen. Deshalb benötigen sie zunehmend Mitarbeiter, die zugleich Spezialisten und Generalisten sind. Was das bedeutet und welche Rolle dabei Fach- und Führungskräfte spielen, erfahren Sie hier.

Generalist und Spezialist zugleich

Fach- oder Führungskraft? Das war lange Zeit die meistgestellte Frage, wenn es um die Laufbahnplanung in Großunternehmen ging. Das heißt: Spätestens ein, zwei Jahre nach ihrer Einstellung wurden Hochschulabsolventen von ihren Arbeitgebern gefragt: Wollen Sie sich in Richtung Spezialist entwickeln, der bezogen auf sein Fachgebiet fast alles weiß, oder in Richtung Generalist, der sich eher durch ein Überblickswissen in vielen Themengebieten auszeichnet? Dabei wurde "Generalist sein" meist mit "Führungskraft sein" gleichgesetzt.

Zu diesen beiden Karrierewegen gab es laut Aussagen des Managementberaters Albrecht Müllerschön, Starzeln, in der Regel keine Alternative. Und hatte sich eine Nachwuchs-kraft erst mal für einen Weg entschieden, "dann war meist ihr beruflicher Werdegang bis zur Rente vorprogrammiert".

Das ändert sich allmählich, konstatiert Prof. Dr. Elisabeth Heinemann von der Fachhochschule Worms. Denn viele Unternehmen haben die Bedeutung des Fachwissens "neu entdeckt". Das zeige sich unter anderem darin, dass heute mehr Ingenieure, Naturwissenschaftler und Informatiker als vor 10, 15 Jahren in den Vorständen der Unternehmen säßen.


Fachwissen erlebt Renaissance

Denn viele Unternehmen haben laut Heinemann erkannt: "Generalmanagement-Know-how ist zwar für das Steuern der Unternehmen im Alltag sehr wichtig." Anders sehe es aber aus, wenn es darum gehe, Fragen zu beantworten wie: Wie können wir künftig aufgrund der technologischen Entwicklung unsere Arbeitsprozesse gestalten? Und: Welche neuen Problemlösungen können wir unseren Kunden anbieten? Zum Beantworten solcher Fragen ist auch ein fundiertes technisches oder naturwissenschaftliches Fachwissen nötig.


Die gestiegene Wertschätzung des Fachwissens spürt man auf allen Unternehmensebenen. Albrecht Müllerschön: "Vor nicht allzu langer Zeit wurden Führungskräfte, die stolz auf ihr technisches Know-how waren, von ihren Kollegen noch belächelt." Heute hingegen sei Konsens: Ohne ein solides Fachwissen kann niemand seinen Job gut machen - egal, ob Fach- oder Führungskraft.


Ein Treiber dieser Entwicklung war die Informationstechnologie. Denn ihre rasante Entwicklung revolutionierte laut Heinemann die Arbeitsprozesse in den Unternehmen. "Heute durchzieht die IT die meisten Unternehmen wie das Nervensystem den menschlichen Körper. Sie ist sozusagen die Lebensader der Betriebe."


Auch Führungskräfte brauchen Fachwissen

Durch die zunehmende Vernetzung wurde die alte Frontstellung Fach- oder Führungskraft sowie Spezialist oder Generalist aufgeweicht. Zunehmend gewinnt stattdessen ein Mitarbeitertyp an Bedeutung, den Heinemann als "T-Shaped Professional“ bezeichnet und der "die Stärken des Spezialisten und Generalisten in sich vereint". Sein Merkmal: Außer dem für seinen Job erforderlichen fachlichen Tiefenwissen verfügt er über das für das Bewältigen komplexer Aufgaben nötige Breitenwissen.


Ein solches Qualifikationsprofil setzt laut Werner Ollechowitz, Bereichsleiter Personal bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, "eine Aus- und Weiterbildung voraus, die in die Breite und in die Tiefe geht". Welche Disziplinen hierbei die Breite darstellen und welche in die Tiefe gehend vermittelt werden sollten, hängt von der Branche und Funktion ab, in welcher der Mitarbeiter arbeitet oder arbeiten möchte.


Ollechowitz erläutert dies am Beispiel der ITler bei Schwäbisch Hall. Die Bausparkasse hat wie viele Großunternehmen "eine gewachsene IT-Landschaft, die eine Großrechner-Umgebung und Client-Server-Anwendungen umfasst". Entsprechend breit muss das fachliche Know-how der IT-Experten sein, damit sie IT-Lösungen entwickeln können, die mit den vorhandenen Systemen harmonieren. Zugleich müssen sie aber das erforderliche betriebswirtschaftliche Wissen und Branchenwissen haben, um die Geschäftsprozesse der Bausparkasse zu verstehen. Denn nur mit diesem Zusatzwissen können die ITler - zum Beispiel als Projektleiter - ihr Fachwissen effizient einsetzen.


Nicht nur auf Soft-Skills achten

Dass die Unternehmen sich zunehmend Mitarbeiter mit einem solchen Qualifikationsprofil wünschen, haben laut Elisabeth Heinemann die meisten Hochschulen erkannt. Das belege die wachsende Zahl von "Bindestrich-Studiengängen" wie Wirtschafts-Informatik. Doch Vorsicht, warnt sie. Keinesfalls dürfe man die Frage, welche Kompetenzen ein solcher Professional zum Abrunden seines Profils braucht, auf die sogenannten Soft-Skills verengen. Denn diese seien zwar für den beruflichen Erfolg wichtig. In welchen Bereichen ein "T-shaped Professional" aber über ein Breitenwissen verfüge müsse, das ergebe sich weitgehend aus seiner Funktion. Bei einem Elektroingenieur, der für einen Maschinenbauer arbeitet, kann dies ein fundiertes Mechanik-Know-how sein. Und bei einem Versicherungsmathematiker? Das Wissen darüber, welche gesetzlichen Vorgaben Versicherer erfüllen müssen.


Über den Autor

Bernhard Kuntz ist Inhaber der PRofilBerater GmbH. Das Marketing- und PR-Büro unterstützt Bildungs- und Beratungsunternehmen beim Vermarkten ihrer Produkte und bei der Pressearbeit. Außerdem ist er Verfasser diverser Bücher zu den Themen Kundengewinnung und Pressearbeit.

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