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Zeitformen korrekt anwenden

Serien beginnen oft mit einem Rückblick, damit Zuschauer wissen, was wann passiert ist. Auch bei der Satzbildung sind solche Informationen wichtig, denn sonst kommt man in eine fehlerhafte Zeitenfolge, wird nicht mehr richtig verstanden - und der gute Stil ist auch dahin!

Zeitformen korrekt anwenden

Foto: ©MerveKarahan /istockphoto.com

Manchmal hört man Aussagen wie „Der Betriebsausflug war wirklich schön gewesen“. Unwillkürlich wartet man dann auf einen Nachsatz. Was ist danach passiert? War der Betriebsausflug nur schön, bis das Unwetter plötzlich einsetzte?

Wer in Erzählungen die Vorvergangenheit (lat. Plusquamperfekt) anwendet, muss damit rechnen, dass seine Zuhörer wissen wollen, wie es danach, in der Vergangenheit (lat. Präteritum), weiterging. Das Plusquamperfekt ist für unsere Ohren ungewohnt. Es ist die am seltensten benutzte Vergangenheitsform. Doch es gibt Ausnahmen: In einigen regionalen Dialekten ist das Plusquamperfekt noch zu Hause. Berliner und Rheinländer sprechen so – und manchmal schreiben sie auch so. Und das ist leider falsch oder zumindest schlechter (Korrespondenz-)Stil.

Sechs Zeitformen sorgen für Präzision

Die Sprecher mancher Sprachen haben es leichter. Deren Grammatik kennt keine Zeiten. Das heißt, sie haben keine Verbformen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wer ausdrücken will, wann er etwas tat, tut oder tun wird, nimmt immer dasselbe Verb und fügt gestern, heute oder morgen hinzu. Einfache Sache, aber nicht besonders elegant.
Im Deutschen haben wir viel größere Ausdrucksmöglichkeiten. Sechs Haupt-Zeitformen stehen uns zur Verfügung, um einen Sachverhalt zu präzisieren. Jede Zeitform hat ihr spezielles Einsatzgebiet.

Das Präsens wird angewendet bei allem:

- was in Zukunft geschehen wird. (Eigentlich nicht korrekt, hat sich aber so durchgesetzt): Ich fahre morgen nach Hamburg.
- was vergangenes Geschehen lebendig erscheinen lassen soll: Im August 1492 sticht Christoph Kolumbus in See.

Das Präteritum schildert:

- Ereignisse, die bereits passiert sind: Das Auto fuhr gegen die Mauer.
- schriftlich fixierte Geschichten, zum Beispiel in Romanen. Das Präteritum gilt deshalb als „Erzählzeit“.
- unausgesprochene Gedanken (sogenannte „Erlebte Rede“): Wie konnte das geschehen?

Das Futur I drückt aus:

- eine Ankündigung: Morgen wird die Sonne scheinen.
- ein Versprechen, eine Absicht: Im Herbst werde ich mit dem Studium fertig sein.
- eine nachdrückliche Aufforderung: Du wirst das sofort zurücknehmen!
- eine Vermutung: Er wird das nicht schaffen.

Das Perfekt (lat. für „abgeschlossen“) findet Anwendung:

- was gerade geschieht: Wohin gehst du? Ich gehe nach Hause.
- was allgemeine Gültigkeit hat: Im Winter schneit es.
- um ein abgeschlossenes Geschehen darzustellen: Es hat geschneit. Erst gegen Morgen bin ich eingeschlafen.
- wenn gekennzeichnet werden soll, dass etwas vor der Gegenwart geschehen ist, aber weiterhin mit ihr zusammenhängt.

Die Kollegin hat sich die Hand gebrochen (und trägt deshalb immer noch eine Schiene). Grammatisch heißt diese Form auch „Präsensperfekt“.
Achtung: Es gibt sogar ein doppeltes Präsensperfekt.

Beispiel: Hier hast du deinen Schlüssel zurück. Ich habe ihn ganz vergessen gehabt. (Zur Erklärung: Habe gehabt ist Perfekt, habe vergessen ist ebenfalls Perfekt. In der geschriebenen Standardsprache ist dies nicht korrekt und sollte nicht angewendet werden.

Das sogenannte doppelte Präteritumsperfekt ist im Gegensatz zum doppelten Präsensperfekt gesellschaftsfähig. Der Grammatik-Duden zitiert dazu Goethe: „In dem Augenblick fühlte er sich am linken Arm ergriffen und zugleich einen sehr heftigen Schmerz. Mignon hatte sich versteckt gehabt, hatte ihn angefasst und ihn in den Arm gebissen.“

- Möglich ist, das Perfekt auch als Zukunftsform einzusetzen. Statt: Morgen werden wir das erledigt haben, geht auch das Umgangssprachliche: Morgen haben wir das erledigt.

Das Plusquamperfekt (lat. für „mehr als abgeschlossen“) zeigt an:

- was noch vor einem bereits vergangenen Ereignis passiert ist: Gestern verließ er die Klinik, in der er eine Woche zuvor operiert worden war.
- Nebensätze mit „nachdem“ sollten im Plusquamperfekt stehen, wenn das Hauptsatz-Verb im Präteritum steht. Richtig heißt es: Ich begrüßte die Chefin, nachdem ich das Telefonat beendet hatte. Falsch: ... nachdem ich das Telefonat beendete.

Das Futur II schließlich dient:

- zur Darstellung eines Geschehens, das zu einem zukünftigen Zeitpunkt beendet sein wird: Morgen um diese Zeit werde ich abgereist sein. Oder: Bis zum Nachmittag wird er diese Aufgabe erledigt haben.
- zum Ausdruck einer Vermutung über etwas, das in der Vergangenheit geschehen ist: Du wirst geträumt haben. Oder: Es wird schon nicht so schlimm gewesen sein.

Das System der Zeitenfolge

Es gibt eine Vielzahl von Regeln, die für die Zeitenfolge einer Aussage mit Haupt- und Nebensatz gelten. Die einfachste und wichtigste lautet: Bei Temporalsätzen sollen Haupt- und Nebensätze dieselbe Zeitstufe haben, wenn die Handlungen gleichzeitig ablaufen:
Während ihr Kind ruhig schläft, liest sie die Zeitung. (Präsens)
Als der Hund bellte, erschrak der Mann. (Präteritum) Allerdings, schon bei Futur I passt die Formel nicht mehr. Da geht nach Futur I nämlich auch das Präsens: Wir werden singen, während wir wandern.

Je nachdem, ob die Handlung im Hauptsatz vor oder nach der Handlung im Nebensatz geschieht, greifen Regeln, die ein Gutes haben: Wir alle beherrschen sie (zumeist!) intuitiv.

Hier ein paar Kostproben. Richtig oder falsch?

1. Sie treiben Sport, so oft es ihnen möglich war.
2. Der Mann schrie, als das Boot untergegangen war.
3. Wenn ich zu Hause angekommen bin, grüße ich ihn von dir.
4. Hier hast du deinen Schlüssel. Ich hatte ihn ganz vergessen gehabt.
5. Er wird sie wohl angerufen haben, nachdem sie das Haus verlassen hatte.
6. Kaum waren sie zu Hause angekommen, setzt der Regen ein.
7. Die Sekretärin wird die Unterlagen finden, die der Abteilungsleiter verlegt haben wird.



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