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Heute schon geloungt?

MÖBEL UND MEHR: Die neue Lässigkeit im Office hat den Büromöbelmarkt angeheizt. Das Angebot ist riesig und bietet nicht nur für große Flächen spannende Kreationen. Lust auf Lounge? Hier bekommen Sie Ideen und Tipps für eine sinnvolle Umsetzung.

Lounge

Die Soft Seating-Reihe LinkUP der Marke Rohde & Grahl ist für Relax-Zonen gedacht. Das modulare System, bestehend aus Liege und Sessel, ist beliebig miteinander kombinierbar.

„Lounge“, schon das Wort zergeht auf der Zunge. Dabei handelt es sich gar nicht um etwas Kulinarisches, so viel ist klar. Doch was genau ist gemeint, wenn von einem Lounge-Bereich die Rede ist: Geht es ums Warten, wie am Flughafen, auf Geschäftsbesuch, auf Kollegen, auf einen Kreativschub? Geht es um eine Denkpause? Oder um den Austausch und die Zusammenarbeit im Team – also Kommunikation und Kollaboration? Geht es womöglich schlicht ums Faulenzen?

„Der klassische Lounge-Bereich ist eine moderne Interpretation des Wartebereichs und bietet gleichzeitig Zonen, die als Aufenthalts- und Besprechungsorte dienen, und auch Zonen, die Rückzug und Erholung ermöglichen.“ Eine Antwort aus berufenem Munde: Der Schweizer Albert Denz hat fünf Jahrzehnte Bürowelt-Erfahrung, zunächst als reiner Möbelimporteur, dann als Möbelfabrikant – und mehr und mehr als „Klima-Experte“ in Sachen Arbeitsatmosphäre. Nach dem Verkauf seines Unternehmens 2004 gründete er den Schweizerischen Büromöbelverband Bueroszene.ch, den er seit 15 Jahre als Präsident leitet.

Das Thema Arbeitswelt lässt den Möbel-Manager nicht los, er beobachtet den Wandel engagiert – und hat auch zum vermeintlichen „Faulenzen“ im Büro seine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen gemacht (siehe Interview unten).

Entgrenzung der Arbeit

Warum der Lounge-Bereich immer mehr in den Mittelpunkt der Büroszene rückt, längst auch im deutschsprachigen Bereich, hat verschiedene Gründe. Der Trend zum Open Space, zum gemeinsamen Arbeiten auf großen, gestalteten Flächen, hat damit zu tun – es entstehen Zonen mit unterschiedlichsten Funktionen. Die Entwicklung zum Nomadentum in der Arbeitswelt, möglich durch Smart Devices und die entsprechende Infrastruktur, führt dazu, dass Räume für Begegnung regelrecht geschaffen werden müssen, weil Austausch auch in einer virtuellen Welt offenbar nur gut funktioniert, wenn es auch persönliche Begegnungen gibt.

Die wirtschaftliche Perspektive spielt eine Rolle, denn Bürofläche wird in Großstädten immer teurer. Unternehmen gehen dazu über, weniger Einzelarbeitsplätze anzubieten, als Angestellte gezählt werden. Das Argument: Ein bestimmter – wachsender – Anteil der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist ohnehin nicht immer zu den Bürozeiten anwesend – Stichwort Home-Office, digitale Nomaden, Arbeitszeitflexibilität. Immer mehr Arbeitsplätze bleiben immer öfter leer und kosten dennoch.

Wer tatsächlich ins Büro kommt und keinen Einzelplatz findet, soll sich daher zukünftig im Lounge-Bereich niederlassen können, mit allem Komfort und notwendiger Infrastruktur, versteht sich. Viele Lounge-Möbel sind deshalb mit Verbindungsmöglichkeiten für alle erdenklichen Endgeräte ausgestattet – ein wesentlicher Unterschied zu „normalen“ Couch-Möbeln im rein privaten Umfeld zu Hause.

Wohlfühl-Botschaften für Bewerber

Nicht zuletzt ist die Lounge-Zone ein vom Marketing der Büroeinrichter-Branche getriebener Trend. Denn mit dem massiven Wandel der Arbeitswelt wandeln sich die Bedürfnisse an das Mobiliar. Das papierlose Büro verliert das Visionäre und wird in immer mehr Bereichen Realität; platzgreifende Nachschlagewerke und auch viele Fachmedien weichen dem Internet und dem E-Publishing.

Stauraum für Mappen, Ordner, Bücher und Zeitschriften wird heute längst nicht mehr in dem Maße gebraucht wie früher – Schränke verschwinden allmählich aus unseren Bürowelten. Und auch der Schreibtischstuhl, jahrzehntelang Sinnbild einer sesshaften Bürokultur, bekommt zunehmend Gesellschaft von Hockern, Sesseln, Sitzlandschaften – „Feelgood“ wird zum Image-Faktor von Arbeitgebern, die um Fachkräfte konkurrieren.

„Die Hersteller reagieren darauf mit einem möglichst wohnlichen, inspirierenden und häufig auch spielerischen Design“, schreibt der Handelsverband Büro und Schreibkultur in Köln, und dazu gehörten in Zukunft eben sowohl Ruhezonen als auch Flächen für den sozialen Austausch und Meetingräume. Wer das einfach mal ausprobieren möchte, hat dafür auf der regelmäßig stattfindenden Kölner Orgatec, Leitmesse für Arbeitsumgebung und Arbeitskultur, reichlich Gelegenheit. Die nächste findet vom 27. bis 30. Oktober 2020 statt.

Wer so lange aber nicht mehr warten möchte auf das ganz neue Arbeitsgefühl in einer Lounge, schaut einfach in einem der vielen Büromöbelhäuser vorbei und hofft auf fachkundiges Personal. Denn die gelungene Einrichtung und Installation einer Lounge ist gar nicht so einfach, wie auch Büroeinrichter Denz weiß: „Wichtig ist eine sorgfältige Planung mit sehr viel Know-how.“ Und noch etwas dürfe keinesfalls fehlen in der neuen Warte-Kreativ-Meeting-Wohlfühl-Zone: die Chefs.

„Das Personal diszipliniert sich selber“

Vor rund 50 Jahren gründete der Schweizer Albert Denz die Firma Denz AG und baute sie vom Importunternehmen zur Büromöbelfabrik aus. Heute stellt er sein Wissen unter anderem auf der Büroeinrichtungsplattform officebase.info zur Verfügung. Als Gründer des Schweizerischen Büromöbelverbands Bueroszene.ch berichtet er mitten aus den neuen Arbeitswelten.

w@o: Was genau verstehen Sie unter einem Lounge-Bereich im Büro beziehungsweise im Unternehmen?

Albert Denz: Der Lounge-Bereich sollte im Prinzip als Mittelzone betrachtet werden. Hier findet man einen klassischen Lounge-Bereich als moderne Interpretation des Wartebereichs und gleichzeitig Zonen, die als Aufenthalts- und Besprechungsorte dienen, und auch Zonen, die Rückzug und Erholung ermöglichen.

w@o: Wenn wir davon ausgehen, dass der Lounge-Bereich ein Ort der Begegnung, aber auch des Rückzugs sein soll: Geht das beides überhaupt zusammen?

Albert Denz: Ja, diese unterschiedlichen Funktionsmöglichkeiten werden heute dank cleverer Abschirmungstechniken gefördert. Dazu gehören beispielsweise abgeschlossene Boxen für Telefongespräche und Konferenzzonen, aber auch gleichzeitig Doppelboxen für zwei oder mehr Personen, die miteinander ungestört ein Projekt besprechen können. Wichtig ist eine sorgfältige Planung mit sehr viel Know-how, die diese Bereiche und das entsprechende Mobiliar zu integrieren weiß.

w@o: Wie muss ein Lounge-Bereich Ihrer Meinung nach gestaltet sein, damit die Mitarbeiter ihn annehmen?

Albert Denz: Wichtig ist ein klarer Bezug zu den einzelnen Zonen. Lounge- und Ruhebereiche sind von den Arbeitsplätzen entfernt, einzelne Kommunikations-Boxen stehen Gruppen zwischen zehn und 15 Mitarbeitern zur Verfügung. Etwaige Bedenken, dass solche Ruhezonen durch die Mitarbeiter falsch verstanden werden könnten, haben sich in der Praxis bisher nicht bestätigt. Im Herbst hatte der Schweizerische Büroeinrichtungsverband eine Tagung im neuen Gebäude der SwissRe in Zürich. Es herrschte Disziplin und eine sehr angenehme Ruhe in allen Bereichen. Das Personal diszipliniert sich sozusagen selber.

w@o: Glauben Sie, dass auch Mitarbeiter in einem Alter, sagen wir jenseits der 45, an einen Lounge-Bereich zu gewöhnen sind? Das sind ja doch noch eher Generationen, denen man Fleiß um jeden Preis nachsagt. Trauen die sich überhaupt, sich während der Arbeitszeit in einen Ohrensessel zu lümmeln?

Albert Denz: Das Problem sind weniger die Gewohnheiten langjähriger und älterer Mitarbeiter, sondern vielmehr, dass neue Konzepte oftmals von oben zentral bestimmt und nicht ausreichend besprochen werden. Dass wir bei neuen Bürokonzepten eher an junge Arbeitnehmer denken, liegt nur daran, dass dynamische und junge Unternehmen viel offener agieren und die Planung von allen Mitarbeitern begleitet werden kann. Vor allem ist es also wichtig, alle Mitarbeiter und Vorgesetzte langsam an die neuen Konzepte zu gewöhnen und Änderungen offen zu besprechen. Damit verringert sich der Widerstand und erhöht sich die Akzeptanz ganz automatisch.

w@o: Welche Rolle spielen die Führungskräfte, wenn es um mehr Recreation während der Arbeitszeit geht: Wie können sie in diesem Zusammenhang ihrer Vorbildrolle gerecht werden?

Albert Denz: Kommunikation und (neue) Regeln müssen stets von den Vorgesetzten vorgelebt werden. Die Mitarbeiter werden Loungeund Ruhebereiche nur dann nutzen, wenn es die Vorgesetzten vormachen. Wichtig ist natürlich, dass sich auch die Arbeitsplätze der Vorgesetzten im offenen Bereich des Teams befinden.

w@o: Sie waren selbst jahrzehntelang Chef. Haben Sie es sich öfter mal gemütlich gemacht in Ihrem Büro – oder war die Zeit dafür noch nicht reif?

Albert Denz: Leider zu wenig, außer vielleicht 15 Minuten auf dem Sofa während der Mittagszeit. Heute würde man es Powernapping nennen. Wir hatten zwar vor 15 Jahren, als ich meine Büromöbelfabrik verkauft habe, offene Strukturen, aber diese haben sich auf einen Barbereich beschränkt. Telefonkabinen und Erholungszonen waren damals noch kein Thema, auch weil die einzelnen Abteilungen nicht sehr groß waren. Die Verkäufer waren damals noch von der Administration abgegrenzt, man hat sich in der Kaffeepause in einem separaten Raum entspannt. Wichtig war mir damals aber schon, dass die Türen zu meinem Büro immer offen waren – jederzeit für jedermann.

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