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Wenn der Fortschritt versickert

Eine von Dell und Intel initiierte Studie zeigt, dass technologische Veränderungen nur sehr langsam und keineswegs überall an den Arbeitsplätzen ankommen. So glaubt nur ein Drittel der befragten Beschäftigten, die eigene Arbeit sei im letzten Jahr durch den Einsatz von Technologien produktiver geworden.

Wenn der Fortschritt versickert

IT-Hersteller, Marktbeobachter und die IT-Öffentlichkeit haben einen ganz speziellen Blick auf neue Technologien. Sie sehen vor allem das technisch Machbare und dessen mögliche wirtschaftliche Auswirkungen. Es ist das Feld der 1.000 Möglichkeiten, die sich in Pilot-Projekten, Testinstallationen, Anwendungsszenarien und Referenz-Implementierungen aufzeigen lassen.

Die Benutzer am anderen Ende der technologischen Nahrungskette - die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen – werden zwar im Rahmen von Erfahrungsberichten und in Usability-Labs befragt, aber über weite Strecken wird angenommen, dass neue Technologien in der Arbeitswelt so realisiert werden, wie sich die Hersteller und die anwendenden Unternehmen das ausgemalt haben.

Tatsächlich aber kommt in der Arbeitswelt von all den technischen Wunderwerken, die die IT so ausbrütet, weit weniger an als gedacht. Zudem fällt das Urteil der Nutzer über die von ihnen eingesetzten Technologien gar nicht durchgehend positiv aus; wenn es beispielsweise darum geht, wie viel von den versprochenen Produktivitätsfortschritten tatsächlich auch die Benutzer erreicht. Wer über die Umsetzung von Technologie an den Arbeitsplätzen nachdenkt, ist jedoch meist auf Einzelbeobachtungen angewiesen: Hier kämpfen die Anwender mit einer Netzwerkanbindung, da bereitet ein Drucker Dauerärger, dort fehlen die passenden Bildschirme gleich ganz.


Die Studie

Aus solchen Erlebnissen lässt sich jedoch kein verlässliches Gesamtbild ableiten, zumal sich für jedes Beispiel immer auch das passende Gegenbeispiel finden lässt. Im Rahmen einer von Dell und Intel initiierten Studie zu den Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die Arbeitswelt wurden auch Daten bezüglich der Umsetzung von IT-Technologie erhoben**). Damit ist ein genauerer Blick auf diesen Aspekt des Innovationsprozesses möglich.


Erste Ergebnisse überraschen

Schon eine der ersten Zahlen der Untersuchung ist ein wenig überraschend: 88% der befragten Arbeitnehmer setzen an ihrem Arbeitsplatz IT ein, 12% kommen also ganz ohne IT aus – und das in einer durchgängig digitalisierten Welt; die Zahlen sind übrigens für große, mittlere und kleine Unternehmen annähernd gleich. Unter den Branchen fällt lediglich der Handel mit einem Anteil der Nicht-IT-Nutzer von 26% auf. Deutschland liegt diesbezüglich ungefähr gleichauf mit Großbritannien, Frankreich und den USA. Die IT-Durchdringung der Arbeitswelt scheint doch (noch) nicht so vollständig zu sein, wie das mitunter angenommen wird.


Der Desktop bleibt vorn

Das verbreitetste IT-Gerät am Arbeitsplatz ist mit 78% nach wie vor der klassische Desktop. In Unternehmen mittlerer Größe gibt es leicht höhere Präferenzen für Desktops (84%), die Unterschiede der Branchen hingegen sind gering. Laptops verwenden 31%, Tablets 9% und Smartphones 21% der Befragten. Müssten sich die Befragten ein Gerät aussuchen, würden 66% ebenfalls den Desktop wählen; nur 1% optiert hier für Tablets, und gerade mal 3% für Smartphones. Die große BYOD- und Mobility-Welle hat also doch noch nicht alle Ebenen der Unternehmen in Deutschland erfasst. Soweit die Mitarbeiter auf Geschäftsreisen arbeiten, bevorzugen sie dabei natürlich Notebooks (18%) und Smartphones (39%); Tablets verwenden nur 10%, und 18 % begnügen sich unterwegs mit einem einfachen Handy.


Bevorzugte Eigenschaften

Bei den bevorzugten Eigenschaften der am Arbeitsplatz verwendeten IT-Systeme lag die Performance weit vorne: für 83% der Befragten gehörte dieses Kriterium zu den drei wichtigsten. Erst mit deutlichem Abstand folgten die Interoperabilität mit der eigenen Software (52%), Größe (48%) sowie die Akkulaufzeit (48%). Demgegenüber wurden Gewicht (26%), Design (25%) und ein Touch-Interface (18%) am seltensten genannt; Mehrfachantworten waren hier möglich. Die Zahlen der Untersuchung sind übrigens auch geeignet, lange gepflegte Vorurteile umzuwerfen: So war das Design für Männer (28%) wichtiger als für Frauen (21%), während diese vor allem auf Performance großen Wert legten: 89% gegenüber 71% bei Männern.


Bevorzugung herrkömmlicher Kommunikationsformen

Auffällig ist, dass herkömmliche Kommunikationsformen klar bevorzugt werden: Die Befragten hielten persönliche Meetings für wesentlich produktiver als Online-Meetings und Telefonate für produktiver als Instant Messaging, das hier generell nicht gut wegkam. Den Produktivitätsversprechen der IT scheinen die Beschäftigten hier also nicht so recht zu trauen. Dabei gilt doch gerade das Online-Meeting gegenüber dem persönlichen als Paradebeispiel für den Produktivitätsfortschritt durch Online-Kommunikation, weil es sich schneller und flexibler und vor allem unabhängig von lokalen Gegebenheiten realisieren lässt. So lautet zumindest die Theorie, denn die Befragten waren hier eindeutig anderer Meinung.


Schwierige Umsetzungsprozesse

Immer wieder wird übersehen, dass Mitarbeiter über die von ihnen verwendeten Technologien in der Regel ja nicht selbst entscheiden. Nur 32% der Befragten gaben an, dass ihre Meinung bei der Auswahl von Technologien berücksichtigt wird. Am geringsten ist dieser Anteil in der öffentlichen Verwaltung (18%), am höchsten - und auch das ist etwas erstaunlich - in der Fertigungsindustrie (45%). Stark formalisierte Prozesse stellen also kein generelles Hindernis für die Einbeziehung der Mitarbeiter in die Technologieauswahl dar.


Innovationsfreude

Hinsichtlich der Innovationsfreude ihrer Arbeitgeber sind die Beschäftigten eher skeptisch: 41% meinen, dass in ihren Unternehmen neue Technologien erst eingeführt werden, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt; diese Einschätzung ganz ablehnen wollten nur 7%. Die Unterschiede zwischen großen (47%), mittleren (36%) und kleinen Unternehmen (42%) waren relativ gering. Es zieht sich aber durch die gesamte Studie, dass Unternehmen mittlerer Größe bei der Umsetzung von Innovationen einen leichten Vorsprung haben.


Demgegenüber setzten Mitarbeiter neue Technologie, wenn sie ihnen vom Unternehmen zur Verfügung gestellt wird, recht zügig ein. 70% der Befragten gaben an, dies sofort zu tun, während 30% damit warten, bis konkreter Bedarf besteht. Im Handel dauert es etwas länger (63%), Finanzdienstleister, Fertigungsindustrie und öffentliche Verwaltung liegen hier mit jeweils 80% vorn. Und wieder haben die mittelgroßen Unternehmen (77%) die Nase leicht vorn gegenüber kleineren (66%) und großen (70%).


Wie verändert nun der Einsatz von Technologien die Arbeit der Beschäftigten tatsächlich?

Bei dieser Frage dürfte die größte Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Meinungsbild und den Antworten der im Rahmen der Studie befragten Beschäftigen bestehen. Nur 33% glaubten, ihre Arbeit sei im letzten Jahr durch Technologien produktiver geworden; unter den Mitarbeitern großer Unternehmen waren sogar nur 20% dieser Auffassung, auf Managementebene immerhin 41% der Befragten, im Nicht-Manage¬ment-Bereich dagegen nur 28%. Andere technologische Benefits schnitten nicht besser ab: Lediglich 11% gaben an, sie hätten mehr virtuelle und weniger Face-To-Face-Meetings. Eine schnellere Kommunikation mit Kollegen nannten 32%, bessere Kommunikation mit externen Stellen wie Kunden oder Lieferanten sahen 23%. Keinerlei Auswirkungen des Technologieeinsatzes auf ihre Arbeit stellten im letzten Jahr 34% fest.


Fazit

Man könnte es sich nun mit einem Sprichwort wie "es wird eben auch in der Technologie nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird" bequem machen. Es ist allerdings zu bedenken, dass Unternehmen zum Teil enorme Beträge in neue Technologien investieren. Da sollte doch sichergestellt werden, dass diejenigen, die schließlich mit all den Errungenschaften umzugehen haben, dadurch auch wirklich produktiver arbeiten können. Die Zahlen der Dell-/Intel-Studie legen nahe, dass bei der Umsetzung doch einiges versickert. Am Ende meint dann gerade mal etwas mehr als ein Viertel der Mitarbeiter, von den oft vollmundig verkündeten Produktivitätsvorteilen würde auch bei ihnen etwas ankommen. Und das, wo sich neuerdings IT-Tools gerne "Produktivitätswerkzeuge" nennen. Ein konkreter Ansatzpunkt zur Verbesserung könnte daher in einer stärkeren Einbeziehung der Beschäftigten in die jeweiligen Entscheidungsprozesse bestehen. Noch wird ja gerade mal ein Drittel der Mitarbeiter beim Einsatz von Technologie nach seiner Meinung gefragt wird. Vielleicht muss man in Sachen Innovation einfach mehr kommunizieren.


Autor

Heiner Bruns ist Client Solutions Sales Director bei Dell in Frankfurt. Hier finden Sie weitere Informationen.

** Im Rahmen der Umfrage wurden in Deutschland 500 Mitarbeiter von kleinen, mittleren und großen Unternehmen befragt; nähere Informationen zur Studie unter ww.dell.com/evolvingworkforce

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