Office Star, Ilona Zillich, Helmholtz-Zentrum Geesthacht
Ilona Zillich ist tätig im Helmholtz-Zentrum Geesthacht in der Forschung und Wissenschaft © Ilona Zillich

Am liebsten die Nase im Wind

Forschung und Wissenschaft, in diesem Arbeitsumfeld fühlt sich die Instituts-Assistentin am Helmholtz-Zentrum Geesthacht rundum wohl. Zukunftsthemen, Internationalität, generationenübergreifende Zusammenarbeit: Für die gebürtige Norddeutsche ergibt das eine ganz besondere Dynamik, die sie nicht nur beruflich inspiriert.

Ganz im Norden Deutschlands aufgewachsen zu sein, das bringt womöglich ein besonderes Klima-Bewusstsein mit sich: Das Meer ist nah, der Wind allgegenwärtig, die Landschaft weit und eben. Ilona Zillich, 55, ist in Hamburg-Bergedorf geboren, an der Grenze zu Schleswig-Holstein, dort wohnt sie mittlerweile auch wieder.

Viele Forschungsbereiche an einem Standort

Zur Arbeit fährt sie täglich rund zwanzig Minuten in das nördlichste Bundesland Deutschlands, wo sie am Helmholtz-Zentrum Geesthacht die Leitung des Instituts für Polymerforschung unterstützt.

Geesthacht liegt an der Elbe, Wasser und Energie sind die zentralen Themen in der 30.000-Seelen-Stadt, die zur Metropolregion Hamburg gehört: Alfred Nobel hat hier einstmals seine Dynamit-Fabrik betrieben, ein Binnenhafen und die Elbschleuse dienen der Schifffahrt, 2010 wurde das Kernkraftwerk im Ortsteil Krümmel stillgelegt und wird seitdem zurückgebaut.

Auch das Helmholtz-Zentrum Geesthacht verfügte jahrzehntelang über zwei Forschungsreaktoren für die Grundlagenforschung in den Materialwissenschaften, auch sie werden derzeit zurückgebaut. Heute geht es auf dem großen Forschungsgelände in der Hauptsache um Material- und Küstenforschung, fünf Teil-Institute mit insgesamt rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigen sich mit den vielen Aspekten dieser Forschungsbereiche.

Ihr Chef ist der Chemiker und Institutsleiter Prof. Dr. Volker Abetz, 1980 geboren und damit rund 15 Jahre jünger als seine Assistentin. Für beide kein Problem, eher im Gegenteil, meint die Hamburgerin, zu deren Aufgaben auch die Betreuung der zahlreichen Doktoranden und Doktorandinnen auf dem Campus gehört:

52 Nationen auf dem Campus

Volker Abetz leitet nicht nur das Institut für Polymerforschung in Geesthacht, er lehrt zugleich als Professor für physikalische Chemie an der Universität Hamburg. Deshalb ist er häufig nicht im Büro, was eine lückenlose Kommunikationsorganisation erfordert – "wir stimmen uns per Telefon, Videokonferenz und Mail ab."

Viele Prozesse bearbeitet sie weitgehend selbstständig und sorgt dafür, dass sie weiterlaufen, auch wenn der Institutsleiter gerade an der Uni ist.

"Dafür ist eine Vernetzung extrem wichtig," sagt die Stabsassistentin, und spricht damit ein Thema an, dass ihr ohnehin sehr am Herzen liegt; bei dem internationalen Assistenz-Netzwerk IMA ist sie seit Anfang des Jahres als Pressereferentin für die deutsche Gruppe aktiv.

Im Institut erledigt sie das gesamte klassische Backoffice-Aufgabenspektrum, von der Terminplanung über die Organisation und Abrechnung der Reiseaktivitäten bis hin zu Personalausschreibungen, dem Onboarding neuer Kolleginnen und Kollegen und der Betreuung der Doktorandinnen und Doktoranden aus aller Welt. Ein echter Office-Star.

Die jungen Leute durchlaufen in Geesthacht für eine gewisse Zeit ein wissenschaftliches Programm. Das bedeutet ein ständiges Kommen und Gehen, das Ilona Zillich nicht nur administrativ begleitet, sondern auch mit großer persönlicher Anteilnahme

Digital-Know-how gefragt

Ihre Aufgabe versteht sie zu einem großen Teil als Kommunikatorin zwischen Institutsleiter und Institutsadministration, hinzu kommt seit einigen Jahren ein wachsender Anteil eigenständiger Projektarbeit.

Zum Beispiel, alle Besprechungsräume Schritt für Schritt „auf digital“ umzustellen, was während des coronabedingten Lockdowns eine weitgehend reibungslose Fortsetzung der wissenschaftlichen Teamarbeit ermöglichte.

Digitalisierungsprozesse betreut sie auch in anderen Bereichen, zum Beispiel in der Personalgewinnung, wo es darum ging, das E-Recruiting den besonderen Erfordernissen eines Wissenschaftsbetriebs anzupassen. Die Organisation von Veranstaltungen nimmt ebenfalls viel Arbeitszeit in Anspruch, "normalerweise jedenfalls, momentan läuft ja coronabedingt fast alles per Video oder muss verschoben werden, wie kürzlich die regelmäßigen 'Geesthachter Polymer-Tage'."

Die Arbeit des Instituts ist in viele EU-Forschungsprojekte eingebunden, da sind normalerweise internationale Treffen vor Ort fast an der Tagesordnung, außerdem gibt es häufig Industriebesuche im Rahmen gemeinsamer Projekte.

Eindrucksvoller Hintergrund

Ein typischer Arbeitstag beginnt für Ilona Zillich so gegen halb neun, neun; die erste Aufgabe, ganz klassisch, ist das Checken der Mails. Wöchentlich wird ein Arbeitsplan erstellt, dafür gibt es regelmäßige Abstimmungstreffen mit dem Stab, der aus dem Institutsleiter, seinem Stellvertreter, der Referentin der Institutsleitung und Stabsassistentin Ilona Zillich besteht.

Wenn der Chef nicht da ist, muss er natürlich über alle Abläufe informiert sein, und zu bestimmten Anlässen ist seine Anwesenheit unabdinglich, bei Doktorandengesprächen zum Beispiel.

Ein wissenschaftliches Umfeld stellt hohe Ansprüche an alle, und so hat auch Ilona Zillich ein außergewöhnlich breites Ausbildungs- und Erfahrungsspektrum in den aktuellen Job mitgebracht. Nach dem Abitur auf einem Gymnasium in Hamburg-Bergedorf schien Medizin eine berufliche Perspektive zu sein, deshalb absolvierte sie ein Praktikum in einer Klinik in Berlin-Zehlendorf. Dann entschied sie sich aber doch für eine Ausbildung zur Verlagskauffrau, "allerdings wusste ich damals schon, dass ich noch studieren wollte."

An die Zeit beim Jahreszeiten-Verlag erinnert sie sich gern, Zeitschriften hatten einen hohen Stellenwert, die Medienlandschaft war noch nicht so aufgesplittert wie heute. Anschließend ging es zum Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an die Universität der Künste Berlin.

Ende der achtziger Jahre wurde Ilona Zillich Projekt-Assistentin beim Kernkraftwerk Krümmel, kurz nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl. Das politische Ringen um die richtigen Energiequellen war ein großes Thema, damals wie heute; die Hamburgerin begleitet es fast durch ihr ganzes Berufsleben hindurch.

Bei der Lufthansa-Technik arbeitete sie anschließend einige Jahre als Teamassistentin in der Personalentwicklung, bevor sie sich 2008 über eine Stellenanzeige im Hamburger Abendblatt beim Helmholtz-Zentrum in Geesthacht bewarb – ein echter Glücksfall, wie sie bis heute findet.

Neugierde als ein Lebensmotiv

Das immer wache Interesse am Zeitgeschehen und an ihrer Umwelt beschränkt sich nicht auf das Berufliche. Zum Entspannen ist llona Zillich am liebsten in der Natur unterwegs, mit dem Fahrrad zum Beispiel und gern auch im weiteren Umland, an der Nordsee oder an einem der vielen Seen im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern. Ein großes Hobby ist die Musik.

"Ich bin ein Klassik-Fan," sagt sie von sich, liebt aber auch anderes, wovon eine umfangreiche CD-Sammlung zeugt, von Deutsch-Rock bis zum französischen Chanson ist (fast) alles dabei. Hamburgs Elbphilharmonie, die Theater, die Museen, das ist ein kultureller Reichtum, den die Wissenschaftsassistentin gern und ausgiebig erkundet.

Als sie von Irving Stone das Buch über den italienischen Bildhauer, Baumeister, Maler und Dichter Michelangelo (1475 – 1564) gelesen hatte, war sie von dessen Lebensgeschichte so berührt, dass sie an seine hauptsächliche Wirkungsstätte Florenz reiste. Forschergeist steckt offenbar an …

Die Helmholtz-Gemeinschaft

Mit 19 naturwissenschaftlich-technischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren, mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Jahresbudget von 4,8 Milliarden Euro ist die Helmholtz-Gemeinschaft die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Das bedeutet Spitzenforschung in den sechs Bereichen Energie; Erde und Umwelt; Gesundheit; Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr; Materie; Schlüsseltechnologien. Am Standort Geesthacht befindet sich das Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG), wiederum aufgeteilt in fünf Institute mit rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der jährliche Etat des HZG umfasst rund 100 Millionen Euro. Aktuell beschäftigten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft in mehr als 20 Forschungsprojekten mit der Erforschung und Bewältigung der Corona-Krise.


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