Menu

Beruflich Weiterkommen mit Mentoring

Im Erfahrungsaustausch mit einer Mentorin oder einem Mentor lassen sich Jobentscheidungen leichter treffen, Probleme am Arbeitsplatz besser lösen und Netzwerke schneller nutzen. Für Frauen mit Dynamik gibt es viele Mentoring-Programme.

Beruflich Weiterkommen mit Mentoring

Als Antonia Engelhardt vor drei Jahren aus privaten Gründen nach Köln zog, kannte sie weder die Stadt noch den Arbeitsmarkt in der Region. „Ich brauchte einen Anknüpfungspunkt, um mir einen Überblick verschaffen zu können und um Firmen kennenzulernen, bei denen ich mich bewerben konnte“, erinnert sich die heute 26-jährige Management-Assistentin. Ein Beitrag zum Thema Mentoring in der Tempra 365, dem Magazin vom Bundesverband Sekretariat und Büromanagement (bsb), brachte die zündende Idee. „Bis dahin konnte ich mir unter einem Mentoring nicht viel vorstellen“, erzählt Engelhardt. „Doch das klang so vielversprechend, dass ich mich gleich an die bsb-Geschäftsstelle in Bremen wandte und mich für das Mentoring-Programm bewarb.“ In der selbstständigen Trainerin Rosemarie Rehbein fand sie eine erfahrene Mentorin, die selbst viele Jahre als Assistentin auf Geschäftsführungsebene gearbeitet hatte und als Leiterin der bsb-Regionalgruppe in Köln bestens vernetzt ist. „Wir haben uns zweimal persönlich getroffen und darüber hinaus regelmäßig telefoniert“, berichtet die ehemalige Mentee. „Sie hat meine Bewerbungsunterlagen angeschaut und mir viele wichtige Tipps gegeben, die mir den Umzug und den beruflichen Einstieg sehr erleichtert haben. Es war ein gutes Gefühl, in dieser Situation nicht alleine zu sein.“

Zehn Jahre Mentoring im bsb

Das Prinzip ist so einfach wie wirkungsvoll: Eine erfahrene, kompetente Person begleitet eine (meist) jüngere in ihrer beruflichen Entwicklung und unterstützt sie dabei, berufliche Kompetenzen zu stärken. Das Wort Mentor bezeichnet dabei die Rolle eines Ratgebers – ein wichtiger Punkt. Denn im Gegensatz zum Coaching nehmen ein Mentor oder eine Mentorin keine neutrale Position ein, sondern sie stellen ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Verfügung. Dabei holen sie weder Patentrezepte aus der Tasche, noch helfen sie aktiv bei der Suche nach einem Job. Im Mentoring geht es darum, im gegenseitigen Austausch berufliche Weichen richtig zu stellen: Soll ich mich beruflich verändern? Auf welchem Gebiet könnte ich mich weiterbilden? Wie gehe ich mit schwierigen Kollegen um? So unterschiedlich wie die Bedürfnisse der Zielgruppen sind die Spielarten der Mentoring-Programme und Projekte. Innerhalb von Unternehmen wird Mentoring ebenso eingesetzt wie an Hochschulen oder in Berufsverbänden. Seit zehn Jahren bietet der Bundesverband Sekretariat und Büromanagement (bsb) Mitgliedern ein Mentoring mit gestandenen Fachfrauen an. Interessentinnen melden sich bei der Geschäftsstelle in Bremen und werden von dort aus weitervermittelt. Bundesweit stehen 15 ehrenamtliche Mentorinnen zur Verfügung, die vom Verband ausgebildet und auf ihre Aufgaben als Mentorinnen vorbereitet worden sind.

Probleme am Arbeitsplatz werden häufiger

„Kamen in früheren Jahren überwiegend gezielte Fragen nach Weiterbildungsangeboten, mit dem Wunsch nach zusätzlicher Qualifizierung, stehen heute vor allem Probleme am Arbeitsplatz im Mittelpunkt der Anfragen“, stellt Projektleiterin und Mentorin Rosemarie Rehbein fest. „Die Anliegen gehen heute stärker in eine persönliche Richtung, betreffen beispielsweise den Umgang mit Kollegen oder Vorgesetzten.“ Klassische Mentoring-Themen beziehen sich direkt auf den Beruf und beschäftigen sich mit der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung der Mentees. Sie reichen von der beruflichen Neuorientierung bis hin zur Vereinbarung von Familie und Beruf. Die Treffen laufen in der Regel über einen Zeitraum von neun Monaten bis zu einem Jahr. In dieser Zeit treffen sich Mentee und Mentorin regelmäßig oder tauschen sich telefonisch aus. Die Rahmenbedingungen werden vertraglich vereinbart. „Das bedeutet Arbeit, und zwar in erster Linie für die Mentee“, betont Rosemarie Rehbein. „Sie bringt Fragen mit, kümmert sich um die Organisation der Termine und sorgt auf diese Weise maßgeblich selbst dafür, wie intensiv und wie effektiv sich die Beziehung gestaltet.“

Die Chemie muss stimmen

Henrike Feltges hat lange überlegt, ob sie sich selbstständig machen soll. Ein Mentoring des bsb gab der langjährigen Sekretärin den entscheidenden Impuls: Nachdem verschiedene Chefs im fliegenden Wechsel ihre Positionen getauscht hatten und die Unzufriedenheit in einem eigentlich hochgeschätzten Beruf immer größer wurde, zog Henrike Feltges mit Ende fünfzig die Reißleine und wagte einen Neustart. Seit fünf Jahren arbeitet
die Rheinländerin als Karrierecoach und unterstützt in ihren Seminaren Teilnehmer der Generation 45plus. „Es hat mir damals sehr gut getan, dass da jemand ist, der mir zuhört und mich ernst nimmt“, sagt die heute 63-Jährige. „Meine Mentorin kam auch aus dem Office, brachte viel Berufserfahrung mit und kannte als Trainerin die Branche gut.“ Anfangs traf sich das Tandem – so nennt man die Paare aus Mentee und Mentor – einmal im Monat, dann wurden die Abstände größer. „Ich konnte mich jederzeit auch per Mail oder telefonisch an meine Mentorin wenden“, so Feltges. Beide hatten zu Beginn vereinbart, wie das Mentoring laufen soll. „Das ist kein Kaffeeklatsch, da wird intensiv gearbeitet“, betont die damalige Mentee. Welche Schritte stehen auf dem Weg in die Selbstständigkeit an? Welche Stärken bringt die Mentee mit? Welche möglichen Hindernisse könnten sich auftun? Wichtige Fragen, die sie in ein bis zweistündigen Gesprächen klärten. „Ein Mentoring bietet Hilfe zur Selbsthilfe“, stellt Henrike Feltges fest. „Mir hat es Mut gemacht und Selbstbewusstsein vermittelt.“ Außerdem hilft ein Mentoring dabei, das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und schneller voranzukommen.

Vielfältige Angebote von Mentoring-Programmen

Das Angebot an Mentoring-Programmen ist vielfältig. Es reicht vom organisationsübergreifenden „Cross-Mentoring NRW“ für weibliche Angestellte in kleinen und mittleren Unternehmen über die Angebote diverser Netzwerke wie den Business and Professional Women Germany (BPW) bis hin zum Expertinnen-Beratungsnetz. Am Zentrum für angewandte Kompetenz und Mentoring (ZAK) in München ist der Andrang groß, die Wartezeit bis zum Erstgespräch dauert bis zu einem Monat. „Wir sind offen für alle Frauen, unabhängig von Beruf und Alter“, betont Susanne Richter, Leiterin des ZAK. In den hellen Räumen am Isartor berät ihr Team Frauen in allen Phasen ihrer Berufsplanung und Karriereentwicklung, zu jedem Zeitpunkt des Bedarfs. Am Anfang steht eine individuelle Beratung. „Diese einstündigen Gespräche sind sehr intensiv, wir fragen konkret nach, wo die Probleme liegen und berücksichtigen das persönliche Umfeld.“

Die passende Mentorin finden

In einem sorgfältigen „Matching“ suchen die Beraterinnen nach einer passenden Mentorin. Die rund 70 ehrenamtlichen Mentorinnen des ZAK kommen aus unterschiedlichen Branchen und verfügen über langjährige Berufserfahrung in verantwortungsvollen Positionen. Doch nicht nur der berufliche Hintergrund, auch persönliche Faktoren spielen dabei eine Rolle. „Das persönliche Verhältnis ist entscheidend für den Erfolg eines Mentorings“, sagt Susanne Richter. „Einer Ratsuchenden, die Job und Familie unter einen Hut bringen muss, würde ich immer eine Mentorin vermitteln, die diesen Spagat selbst erlebt hat.“

Gute Bilanz, hohe Erfolgsquote

Ein Treffen im Café? „Das geht gar nicht“, stellt Susanne Richter mit Nachdruck fest. Was zwischen Mentorin und Mentee besprochen wird, ist nicht für die Ohren anderer bestimmt. Vertraulichkeit ist in den Gesprächen zwischen Mentorin und Mentee selbstverständlich. Alle im Rahmen eines ZAK-Mentorings Beteiligten – Beraterin, Mentee und Mentorin – unterschreiben eine Verschwiegenheitserklärung. „Offenheit zwischen Mentorin und Mentee ist das A und O“, betont die Leiterin. „Wir stellen für die Treffen unsere Örtlichkeiten zur Verfügung, damit die Frauen einen geschützten Raum haben, der zugleich außerhalb ihres gewohnten beruflichen Umfeldes liegt.“ Wie ein Mentoring gestaltet wird, liegt bei den Tandems selbst. Im Durchschnitt treffen sich die Paare etwa fünfmal über einen Zeitraum von rund sechs Monaten. Zurzeit laufen etwa 200 aktive Mentorings pro Jahr. „Die Zufriedenheit nach Abschluss der Gespräche ist hoch“, stellt Susanne Richter fest. „In den meisten Fällen wird das persönlich gesetzte Ziel erreicht.“ Wer sich Unterstützung von einer erfahrenen und kompetenten Person wünscht, hat es selbst in der Hand, eine erfolgreiche Mentoring-Beziehung zu starten.

Eigene Kontakte nutzen

„Auch außerhalb offizieller Programme lassen sich Möglichkeiten finden“, sagt Kathrin Mahler Walther, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der EAF Berlin, einer gemeinnützigen Organisation mit Partnern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die sich mit Bildungsinitiativen und Forschungsprojekten für Chancengleichheit und Diversity einsetzt. Die Sozialwissenschaftlerin leitete bereits verschiedene Carreerbuilding- und Mentoring- Programme. „Strecken Sie Ihre Fühler aus und ziehen Sie bei Ihrer Suche auch frühere Kontakte wie Ausbilderinnen, Kolleginnen oder Vorgesetzte in Betracht, deren Erfahrung Sie schätzen“, rät die Mentoring-Expertin. „Fallen Sie nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern bitten Sie Ihren Wunschkandidaten zunächst nur bei einer bestimmten Frage um Hilfe. Die meisten Menschen empfinden so etwas als Wertschätzung.“ Ein Erfolgsrezept für jede Mentoring-Beziehung sei eine klare Definition der Ziele. „Entwickeln Sie einen langfristigen Plan mit Meilensteinen und konkreten Umsetzungspunkten“, betont Kathrin Mahler Walther. Und denken Sie dabei auch an die Mentoren. Die arbeiten in der Regel ehrenamtlich und investieren ihre Freizeit und viel Aufmerksamkeit in die Entwicklung einer Nachwuchskraft. „Je mehr Engagement Mentees zeigen, desto interessanter sind sie für ihr Gegenüber“, stellt die EAF-Geschäftsführerin fest.

Paten im Unternehmen

Auch Antonia Engelhardt kümmert sich heute selbst um jüngere Kollegen. In ihrem Unternehmen werden erfahrene Mitarbeiter Berufseinsteigern oder neuen Kollegen als Paten zugeordnet, um ihnen den Anfang zu erleichtern. „Es ist ein Geben und Nehmen“, stellt die Assistentin fest. „Ich weiß, wie gut es tut, Unterstützung von außen zu bekommen. Deshalb freue ich mich, dass ich nun meine eigenen Erfahrungen weitergeben kann.“

 

 

Weitere Artikel aus der Kategorie "Karriere"

career@office

Die Messe mit Kongress für Sekretärinnen und Assistentinnen

 

 

Ihre career@office 2019

07.05.2019: Frankfurt, Kap Europa

05.09.2019: Köln, Congress-Centrum Nord

Weiterbildung

Seminare für Office-Professionals

Starten Sie durch in Richtung Erfolg! Seminare, Kongresse und Fernlehrgänge von A wie Ablage bis Z wie Zeitmanagement.

OFFICE SEMINARE hat garantiert das richtige Weiterbildungskonzept für Ihre Bedürfnisse. www.office-seminare.de