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Wie kann die Reiseplanung in Zeiten von Corona funktionieren und worauf ist zu achten? © freedom_naruk - Adobe - Stock

Reiseplanung in Corona-Zeiten: Das müssen Sie bei Businessreisen 2020 beachten

Reisemanagement ist derzeit vor allem Risikomanagement: Unternehmen sollten während der Virus-Pandemie regelmäßig prüfen, welche Reiseziele unter welchen hygienischen und sicherheitsbezogenen Bedingungen bereist werden können. Häufige Fragen dazu – und wie Antworten lauten könnten.

Vor wenigen Monaten, im April dieses Jahres, entschieden die Regierungschefs der Bundesländer, für jede Reise eine Gefährdungsbeurteilung verpflichtend einzuführen. Das Reisemanagement bzw. Travelmanagement muss nun also sicherstellen, dass keine Reise gebucht wird, die nicht den festgelegten Prozess durchlaufen hat. Zudem sind die Reiserichtlinien zu beachten.

Bei der Reisorganisation gilt es dies zu belegen, zu dokumentieren und zu archivieren, um unnötige Risiken zu vermeiden, motivierte Reisende vor sich selbst oder übermotivierten Vorgesetzten zu schützen und auch, um im Falle einer Erkrankung nachzuweisen, dass die Fürsorge im Vorfeld einwandfrei eingehalten wurde.

Grundsätzlich ist dies immer für Reisen in Risikogebiete durchzuführen. Doch während Corona kann jede Reise zu einer Risikoreise werden. Reisende über alle Besonderheiten zu informieren kostet viel Zeit, ist aber wichtig. Reiseverantwortliche berichten von einer Verdreifachung bis Verfünffachung der zeitlichen Aufwände, abhängig vom Reiseziel.

Reiseantrag und Genehmigung

Wegen der Pandemie haben Unternehmen Reiseanträge wieder aufleben lassen, sofern diese nicht mehr Standard waren. Jede Reise muss in solchen besonderen Zeiten auf den Prüfstand gestellt werden, auch um notwendige Maßnahmen für die Fürsorge umsetzen zu können. Genehmigungsprozesse lassen sich digital mit entsprechend flexiblen Lösungen gut umsetzen, kurzfristige Anpassungen lassen sich realisieren. Ein papierbasierter Antrag sollte der Vergangenheit angehören und einem elektronischen Workflow weichen. Innerhalb von Onlinebuchungssystemen, kurz OBEs genannt, und Reisekostensoftwarelösungen lassen sich Reiseanträge und passenden Genehmigungsverfahren abbilden.

Informationsbeschaffung und Reiseplanung

Für die Planung einer Reise braucht man einige Informationen: Welches Verkehrsmittel ist für die geplante Reise das sinnvollste, unter allen Gesichtspunkten wie Kosten, Nutzen, Reisezeiten, Umwelt?

  • Welcher Flughafen ist für das Reiseziel der richtige?
  • Ist ein Visum notwendig?
  • A1 oder EU-Entsendebescheinigung
  • Sind Impfungen empfehlenswert?
  • Wo gibt es welche Quarantäne-Regeln?
  • Gibt es mögliche Covid19-Tests?
  • und vieles mehr.

Nicht zuletzt: Ist diese Reise wirklich notwendig? Diese Frage überlassen Unternehmen in der Regel den Reisenden.

Reisebüros können Informationen zum Reiseziel und Einreisebestimmungen liefern. Alternativ gilt es, im Intranet die passenden Portale vorzugeben, damit Reisende sich an der richtigen Stelle informieren. Andernfalls verliert das Unternehmen wertvolle Arbeitszeit der Reisenden durch lange Internetrecherchen oder – noch schlimmer – Reisende informieren sich aus Mangel an Zeit nicht ausreichend. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers besagt hier klar eine sogenannte Bringschuld, denn es gilt, Reisende aktiv zu unterstützen und zu informieren.

Informationen zu Gesundheit und Einreise können in OBEs eingebunden werden. Durch entsprechende Einstellungen im Workflow-System der OBEs können Reiseanfragen oder getätigte Buchungen an weitere Abteilungen im Unternehmen geleitet werden, damit diese sich um Einreisedokumente oder Gesundheitsvorsorgegespräche und Gefährdungsbeurteilung kümmern können.

Reisebuchung

Buchungen erfolgen in Unternehmen bereits vielfach online. Doch gerade im Mittelstand laufen diese Buchungen vermehrt am Reisebüro vorbei, über Internetportale der Anbieter. Strategische OBEs mit der Möglichkeit der Steuerung der Inhalte und Workflows sind für eine digitale Umsetzung der Reisebuchung der passendere Weg. Beispiele für OBEs sind Atlatos, concur, cytric, KDS oder onesto. Die Buchungen sind dann jederzeit innerhalb eines Systems abrufbar, Reports zu geplanten Reisen können abgerufen werden. Damit kann bei Änderungen der Situationen vor Ort, wie Einreisebestimmungen oder Risiken vor Ort, entsprechend reagiert werden. Buchungen können, wenn gewünscht, an extern Dienstleister wie Visumdienste oder Travel Risk Unternehmen weitergeleitet werden, damit diese die Reisenden weitergehend betreuen und informiert halten.

Der Mittelstand erhält diese Systeme in der Regel über eine sogenannte Unterlizenz über Reisebüros. Für die Erstellung von Flugtickets ist die Zusammenarbeit mit einem Reisebüro auch zwingend notwendig. Das kostet natürlich Geld, doch durch eine Online-Buchung werden die Kosten für das Reisebüro deutlich gesenkt und die Kostentransparenz und Zusatzservices, wie beispielsweise auch ein möglicher 24 Stunden Service für Notfälle, ist hierbei nicht außer Betracht zu lassen. In Zeiten von Corona haben viele Unternehmen, die ohne Reisebüro gearbeitet haben, erkannt, wie viel Arbeit die ständige Aktualisierung aller Informationen mit sich bringt.

Je nach System kann verkehrsmittelübergreifend recherchiert werden, das heißt, der Bucher muss nicht schon bei der Reiseanfrage das Verkehrsmittel selbst vorbestimmen. Bei Reisen in Deutschland oder grenznahen Reisen kann das die Wahrnehmung der Möglichkeiten erweitern. Die Einstellungsmöglichkeiten sind sehr umfangreich. Die Reiserichtlinien des Unternehmens lassen sich elektronisch abbilden und geben damit den Reisenden und allen Buchenden einen guten Überblick. Neben dem Vorteil der Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit von angebotenen Preisen für verschiedene Anbieter können die Reisendenprofile datensicher in den Systemen erfasst werden.

Zahlung von Rechnungen und Reisekostenabrechnungen

Eingehende Rechnungen und Reisekostenabrechnungen müssen, wenn sie papierbasiert eingehen, manuell bearbeitet werden. Reisekostenabrechnungen erfolgen in der Mehrzahl der mittelständischen Unternehmen noch papierbasiert. Um diese im Homeoffice bearbeiten zu können, müssen sie entweder eingescannt werden, oder sie werden abgeholt oder per Post an die Mitarbeiter im Homeoffice gesendet. Dann liegen die Papierbelege im Homeoffice zur Bearbeitung. Das Thema Datenschutz ist im digitalen Umfeld einfacher zu regeln, als mit offen auf dem Heimschreibtisch liegenden Belegen der Reisekostenabrechnungen.

Zahlprozesse für online gebuchte Reiseleistungen können in Zusammenarbeit mit Kreditkartenanbietern auf Wunsch für viele Leistungen zentralisiert werden. Je nach Leistungsart ist es möglich, auf Rechnungen der Dienstleister ganz und gar zu verzichten oder auf digitale Rechnungen umzustellen und den Rechnungsbearbeitungsprozess zu vereinfachen.

Mittels einer Reisekostensoftware lassen sich die Abrechnungen digital umsetzen. Je nach Softwarelösung können die einzureichenden Belege gescannt oder per Foto-App in die Software hochgeladen werden. Einzelne Lösungen bieten auch den Import digital eingegangener Belege an. Die Bearbeitung kann komplett online erfolgen. Die internen Prozesse gilt es mit dem Softwareanbieter in eine Verfahrensbeschreibung aufzunehmen, die dazu dient, einem Betriebsprüfer die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften darzulegen. Abhängig von dem eigenen Prozess und der internen Revisionsanweisungen kann der Versand von Papierbelegen völlig abgeschafft oder zumindest um ein erhebliches Maß reduziert werden.

Wenn alle Schritte vom Reiseantrag bis zur Abrechnung umgesetzt wurden, spricht man von einem digitalen End-to-End-Prozess für Geschäftsreisen. Dies lässt sich sowohl mit einzelnen Komponenten (OBE und Reisekostensoftware) oder integrierten Lösungen (Travel & Expense) in Unternehmen etablieren.

Datenschutz immer wieder neu verhandeln

Eine Analyse der geplanten Reisestrecken ist notwendig, um mögliche „Hot Spots“ der Pandemie zu umgehen. Bundesländer schließen Einwohner aus Pandemiegebieten von der Einreise in ihr Bundesland aus. Doch wie wird das alles kontrolliert? Was ist, wenn die Firma in einem Hot Spot liegt, der Wohnort jedoch nicht, oder umgekehrt?

Grundsätzlich sind beide Orte einzubeziehen. Das Reisemanagement / Travelmanagement braucht also den Wohnort der Reisenden, eine Angabe, die aus Datenschutzgründen nur selten bei der Buchung zur Verfügung steht. Die Zweckmäßigkeit und das Erfordernis können gegenüber dem Datenschutzbeauftragten anhand der Fürsorgepflichten belegt werden.

Es ist also zu klären, ob das Profil der Reisenden um Wohnort/e und den Vermerk, ob es sich um eine Person der Risikogruppe laut RKI handelt, ergänzt werden darf. Für Risikogruppen gelten erweiterte Schutzmaßnahmen. Teilweise untersagen Unternehmen Mitgliedern dieser Gruppe das Reisen gänzlich. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt ist aktuell wichtiger denn je. Vor der Pandemie ging es vor allem um Gesundheitsuntersuchungen für bestimmte Reisegebiete, inzwischen sind Gespräche zumindest mit allen Reisenden der Risikogruppe zielführend. Viele Unternehmen haben eine „Corona Task Force“ eingerichtet. Diese Gruppe ermittelt fortlaufend aktuelle Maßnahmen und Handlungsanweisungen.

Das alles fällt in den Bereich Travel Risk Management. Hierbei geht es um Fürsorge und besonders um Prävention. Das können buchende Assistenzen oder Reisestellen nicht alleine bewältigen. Die Sichtung der verschiedenen Portale kostet erheblichen Aufwand. Auf einheitliche Regeln und umfassendes Informationsportal wartet das Travel Management dringend.

Kosten spielen bei der Reiseplanung keine Rolle mehr – oder?

Das Reisemanagement hatte vor Corona meist das Ziel, Kosten zu senken. Preisgrenzen und Qualitätsregeln (Reiseklasse, Hotelkategorie, Mietwagenklassen) bestimmten den Alltag der Buchenden und Reisenden.

Während Corona ist dies, teils wegen Mangel an Alternativen oder auch wegen Ängsten der Reisenden, aufgehoben. Der Mensch und seine Gesundheit rücken in den Mittelpunkt der Entscheidungen.

  • Wie wird sich das nach der Pandemie entwickeln?
  • Wird im Unternehmen dauerhaft mehr auf die Hygiene und Gesundheit und das persönliche Befinden geachtet werden, oder werden wir zeitnah zurückkehren zum „Travel as usual“?

Wenn die Ängste von Reisenden aufgenommen werden, kann das zu Mehrkosten bei den Reisen führen. Es gibt Reisende, die nach Öffnung der Grenzen unerschrocken sofort wieder unterwegs sein wollen. 

Sie sehen einen hohen Betreuungsbedarf der Kunden, Akquise-Termine sind ihnen wichtig, um die Wirtschaft wieder anzutreiben. Diese gilt es eher vor sich selbst zu schützen. Viele Unternehmen sind deshalb auch nach den ersten Lockerungen seit Mitte Juni weiterhin sehr zurückhaltend mit der Freigabe von Reisen.

Die Vielzahl der Reisenden ist jedoch eher verunsichert. Sie haben Angst vor Ansteckung, einem erneuten Lockdown oder davor, an einem kurzfristig festgestellten Corona-Hot-Spot in Quarantäne gezwungen zu werden. Ängste führen zu besonderen Wünschen von Reisenden, auf die es Antworten im Unternehmen zu finden gilt, damit die Reiseorganisatoren und Travel Manager im Unternehmen einheitlich reagieren und antworten.

Wie Unternehmen entscheiden können 

Es ist wichtig, die Situation im jeweiligen Unternehmen richtig einzuschätzen und die Kommunikation rund um die Themen zur Pandemie passend zu kommunizieren.

Ob Italien aktuell die Nutzung des Handgepäckfaches untersagt (bei allen Flügen, die in Italien landen oder starten) um das Gedränge dort zu verhindern, oder ob Griechenland einen separaten Einreiseantrag einführt – Reisende müssen entsprechend informiert werden.

Das kann eine Aufgabe für das Reisebüro sein, wenn Buchungen dort umgesetzt werden. Jedes Unternehmen, das ohne Reisebüro und mit eigenem Travelmanagement arbeitet, hat hier entsprechend viele Informationen zu sammeln und an die Reisenden weiterzugeben, um aufzuzeigen, dass sich das Unternehmen Gedanken macht und Vorsorge betreibt.

Was können wir aus der Corona-Pandemie lernen?

Travel Risk ist ein Thema, das spätestens durch die Pandemie in allen Unternehmen angekommen sein sollte. Informationen, Präventionsmaßnahmen und Entscheidungen für entsprechende Prozesse während eines Notfalls gilt es zu fixieren. Wenn der Fall dann eintritt, weiß jeder, was es zu tun gilt.

Ein Großteil der Unternehmen hat entschieden, bis auf weiteres bei einer strikten Einschränkung von Reisen zu bleiben, zum Schutz der Reisenden und der Mitarbeiter. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, sind einige Reisen jedoch notwendig und diese werden auch durchgeführt. Doch die Anzahl der Reisen insgesamt sehen die meisten Verantwortlichen deutlich reduziert. Die Prognosen sprechen von mindestens zwei bis drei Jahren, bis die Reisevolumen von 2019 erreicht werden.

Unternehmen können die Chance nutzen, die zur Finanzkrise 2009 vielfach versäumt wurde. Gehen Sie in Kontakt mit den Entscheidern, die Reisen in dieser besonderen Zeit bewerten und genehmigen müssen. Klären Sie in den Interviews, welche Reisen zukünftig wieder unabdingbar sind. Ermitteln Sie, welche Reisen virtuell gut ersetzt werden konnten.

Erstellen Sie eine Matrix, unter welchen Gesichtspunkten Reisen in der Zukunft unbedingt notwendig sind und wo Reisen vielleicht auch dauerhaft einer Genehmigung unterliegen werden, weil sie zu den möglicherweise abdingbaren Reisen gehören. Lassen Sie Regeln festlegen, wie sogenannte „Rudelreisen“ auf eine kleinere Anzahl von Reisenden reduziert werden kann, indem einzelne Mitarbeiter bedarfsweise virtuell zugeschaltet werden.

Integrieren Sie die Vorgaben oder Vorschläge in die Reiserichtlinie und legen Sie mögliche Genehmigungsprozesse oder Buchungsprozesse fest. Erfragen Sie bei jeder Reise, ob es sich um einen reinen firmeninternen Reisegrund handelt oder ob externe Personen teilnehmen. Sichten Sie die Reisegründe auch rückblickend, um für die Zukunft klare Vorgaben mit der Unternehmensleitung zu fixieren.

Einkaufsverhandlungen 2020/2021

Gerade jetzt ist der Wechsel zu einem neuen Anbieter mit großen Unabwägbarkeiten verbunden. Wer wird am Markt bestehen und wer möglicherweise verschwinden oder durch Wettbewerber übernommen werden? Zumindest die Preisverhandlungen werden eine Herausforderung, ohne feste Zusagen über Volumen. Beide Seiten werden sich dann absichern, beispielsweise mit Staffeln zu entsprechenden Volumenentwicklungen. Es ist daher fraglich, ob große Ausschreibungen vor einem absehbaren Ende der aktuellen Reiseeinschränkungen und einer klaren Tendenz, wie sich die Reisevolumen entwickeln, zielführend sind oder, wo sie nicht unbedingt notwendig sind, besser verschoben werden.

Es gibt die Tendenzen und Empfehlungen u. a. von der GBTA (Global Business Travel Association), die Raten für 2020 auf 2021 zu übertragen und keine Verhandlungen zu führen. Auf der anderen Seite geht man davon aus, dass in einigen Segmenten, wo eine Verknappung nicht möglich ist, Preisdumping stattfinden könnte. Im Bereich Flug und Mietwagen werden die Angebote verknappt: Fahrzeuge wurden aus der Flotte genommen, Flugzeuge in der Wüste geparkt und der Flugplan wurde extrem reduziert. Ein voller Zug oder ein volles Flugzeug sind Situationen, die im Moment kein Reisender möchte. Die meisten wünschen sich mehr Platz und Abstand. Wenn Flugzeuge aber unter 60% Auslastung fliegen, dann ist das nicht rentabel, die Preise müssten steigen. Der Markt geht davon aus, dass die Preise möglicherweise steigen, wenn Anbieter Insolvenz anmelden sollten und sich das Angebot nicht direkt der Nachfrage anpasst. Außerdem haben die Anbieter höhere Aufwände für Hygiene und Sicherheit.

Hotels können Zimmer nicht einfach schließen. Für sie gilt es, die Zimmer zum bestmöglichen Preis zu verkaufen. Doch die Margen, zumindest in Deutschland mit den im Vergleich zu anderen mitteleuropäischen Ländern recht niedrigen Zimmerpreisen, sind eher gering. Verhandlungen werden davon abhängig sein, um welche Destinationen es sich handelt. Bei einem großen Angebot werden die Preise möglicherweise deutlich sinken. An Orten mit wenig Angebot muss man auch darauf achten, dass die wenigen Partner weiter am Markt bleiben, sonst könnte es mit der Hotelübernachtung im nächsten Jahr schwierig werden. Die Folge: Eine Verknappung im Angebot führt dann wiederum zum Preisanstieg. Ein Teufelskreis und mittendrin das Travel Management, das zumeist noch keine belastbaren Plandaten zur Verfügung hat, um gezielte Verhandlungen zu führen.

Je nach Unternehmenssituation und Reisedestinationen kann eine Preisverhandlung zielführend sein oder es sind Gespräche zu führen, um weitere Leistungen in den bestehenden Preis zu integrieren. Es bleibt abzuwarten, ob die geltende Mehrwertsteuersenkung über den Zeitraum bis 31.12.2020 bzw. für Mahlzeiten (Frühstück, Tagungspauschalen) bis 30.6.2021 verlängert wird, aktuell ist laut Fachleuten eher nicht davon auszugehen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Anzahl der Anbieter (z. B. Mietwagenanbieter und Geschäftsreisebüros) nicht deutlich reduziert. Denn dies würde Anbieterwechsel zwingend notwendig machen in einer Zeit, wo die Preise dann entsprechend voraussichtlich eher steigen.

Typische Fragen und Antworten zur Reiseplanung in Corona-Zeiten

Frage: Wie steht es mit der Reinigung der Poolfahrzeuge und Mietwagen? Ich möchte lieber mit dem eigenen Pkw fahren.

Mögliche Antworten: Fahrzeuge sind nach jeder Nutzung bzw. vor jeder Nutzung zu desinfizieren. Einige Unternehmen geben Reisenden Informationsblätter mit, wie ein Fahrzeug zu desinfizieren ist, damit diese das selbst übernehmen. Oder die Poolfahrzeuge werden nur einmal pro Tag vermietet und abends vom Personal desinfiziert. Das bedeutet geringere Nutzungszeiten und Mehrkosten. Mietwagenfirmen geben entsprechende Hygienezusagen.


Frage: Darf ich Business Class fliegen, damit ich mehr Abstand im Flugzeug erhalte?

Mögliche Antworten: Nehmen Sie Angst mit Hilfe von Informationen zu den Filteranlagen in Flugzeugen, die laut IATA (International Air Transport Association) dem Standard in OP-Sälen entsprechen. Die Ansteckung während des Fluges soll daher gering sein, die Engpässe liegen an Stellen wie der Sicherheitskontrolle, Boarding und Gepäckfachnutzung und Hygieneräumen. Einige Airlines überlegen, den Mittelsitz zu einem Sonderpreis mitbuchen zu können. Die neuen Tarifstrukturen der Airlines lassen hier flexiblere Preisgestaltungen zu, es ist möglich, dass solche Angebote in den Markt kommen. Und dann gilt es zu entscheiden, ob das Unternehmen diese Mehrkosten tragen will.


Frage: Das Frühstück im Hotel erscheint mir als Engpass, zeitlich und wegen der Ansteckungsgefahr. Darf ich mein Hotelfrühstück verfallen lassen und dafür Kaffee und Brötchen kaufen und abrechnen? Oder darf ich den angebotenen Zimmerservice abrechnen?

Mögliche Antworten: Mit Vertragshotels kann man verhandeln und Lösungen finden, zum Beispiel, den Zimmerservice im Preis zu inkludieren. Das Frühstück wird dann vor das Zimmer gestellt und der Reisende holt es selbst hinein. Ob ein Zusatzfrühstück erstattet wird, gilt es zu entscheiden. In der vorliegenden Sondersituation könnte man dies freigeben, wenn die Ersatzfunktion des Frühstücks außer Haus sauber dokumentiert wird.


Frage: Laut Reiserichtlinie sollen wir Bahn und öPNV nutzen. Das ist mir zu unsicher, ich möchte lieber mit dem eigenen Auto fahren, da ist die Ansteckungsgefahr am geringsten. Darf ich die Kilometer abrechnen, obwohl die Reiserichtlinie das untersagt und die Erstattung auf die Kosten der Bahn begrenzt?

Mögliche Antworten: In der Hauptphase der Pandemie möglicherweise ja, danach wird im Sinne der Umwelt hoffentlich bald wieder die Bahn vorgegeben. Die Bahn reinigt die Züge in engen Abständen auch während der Fahrt. Allerdings sind teils an den Gleisen die Aufenthaltsbereiche abgesperrt und das Bahnfahren, Warten oder Umsteigen wird dadurch unbequemer. Der Spagat zwischen Hygiene und Komfort ist möglicherweise schwer zu vermitteln. Die Bordrestaurants bzw. Bistros haben teils mit reduziertem Angebot wieder geöffnet. Wenn das Auto genutzt wird, ist es wichtig, auf die Lenkzeiten und das Arbeitszeitenschutzgesetz zu achten. Bei Reisen mit dem eigenen Pkw mit einer aktiven Arbeits- und Lenkzeit von zehn Stunden weisen viele Unternehmen eine Übernachtung an. Ob Reisende das wollen oder vielleicht doch lieber mit dem Zug reisen, gilt es zu klären. Im Unternehmen ist festzulegen, ob der Reisende die Wahl hat.


Frage: Ich gehöre zu einer Risikogruppe, welche Sonderregelungen gelten für mich?

Mögliche Antworten: Zunächst ist es wichtig, im Unternehmen zu klären, an wen die Mitarbeiter der sogenannten Risikogruppen laut RKI sich wenden sollen, um Details zu klären. Der Betriebsarzt unterliegt der Schweigepflicht. Niemand muss erklären, warum er einer Risikogruppe angehört, ob wegen Vorerkrankungen, Lebensalter oder aus eanderen Gründen. Diese Information gehört in ein Reisendenprofil, sodass die relevanten Stellen dies erkennen können.

Ob generelles Reiseverbot gelten soll oder ob Ausnahmen möglich sind, muss jedes Unternehmen für sich klären. Welchen Unfrieden es auslösen kann, wenn Risikopersonen Business Class fliegen dürfen, andere aber nicht, ist vorstellbar. Hier gilt es, mit Augenmaß zu regeln.


Frage: Bei Langstreckenreisen sollen wir Umsteigeverbindungen nutzen, um Geld zu sparen. Das will ich wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr beim zusätzlichen Boarding nicht.

Mögliche Antworten: Grundsätzlich kann empfohlen werden, auf Umsteigeverbindungen, wo immer möglich, zumindest bis zum Ende der Pandemie zu verzichten. Alternativ differenziert man nach den Ländern, in denen der Umstieg stattfindet. Allerdings sagt das noch nichts über die Nationalitäten an Bord des Flugzeugs aus. Diese Entscheidung ist mit deutlichen Mehrausgaben verbunden, sollte aber im Sinne der Sicherheit und Gesundheit der Reisenden mit Augenmaß getroffen werden.


Frage: Wie steht es mit einer Gefahrenzulage, wenn ich unbedingt reisen muss? Was passiert, wenn an meinem Reiseziel Corona erneut ausbricht, während ich vor Ort bin? Wer hält mich während der Reise informiert, und wie sicher kann ich sein, dass ich nach Hause reisen darf? Was ist, wenn ich inklusive meiner Familie in Quarantäne muss – wer zahlt den Verdienstausfall meiner Familie?

Mögliche Antworten: Bei solchen Themen liegt die Entscheidung nicht im Travelmanagement. Gefragt ist hier der Personalbereich, gemeinsam mit Betriebsärzten, Juristen und möglicherweise einem Corona-TaskForce-Team. Für das Travel Management ist es wichtig, die Informationen aufzubereiten, damit Reisende diese erhalten können. Es ist möglich, dass bei dem Thema Quarantäne das Infektionsschutzgesetz greift, dies können Juristen bewerten.


Hier gibt es Infos zu vielen Fragen

Der VDR bietet auf der Corona-Website viele nützliche Links zum RKI und dem Auswärtigen Amt: www.vdr-service.de/corona.

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