Office Stars
Unsere Office Stars berichten von ihren erfolgreichsten Karrieretipps
Beruflicher Erfolg schreibt sich für jeden Menschen anders: Für den einen bedeutet Erfolg selbstbestimmtes Arbeiten oder Personalverantwortung für den anderen Wertschätzung durch Kolleg*innen oder den bzw. die Vorgesetzte. Andere wiederum empfinden sich als erfolgreich, weil sie besonders viele Zusatzqualifikationen haben oder für ein besonders renommiertes Unternehmen arbeiten.
Ihnen allen gemein ist die Leidenschaft fürs Organisieren, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, immer einen Schritt mehr zu gehen als nötig. Außergewöhnliche Frauen im Office-Management und deren Erfolgsrezepte, Interessen und Ansichten lernen Sie bei uns kennen.
„Die Ziele gehen mir nicht aus“– Role Model Imke Mehnert

Seit 29 Jahren ist die Stahlproduktion ihr Berufsalltag, bei der Salzgitter Flachstahl GmbH arbeitet sie als Assistentin des Betriebsdirektors. Den Assistenzberuf erlebt sie in dieser traditionsreichen Branche als zukunftsorientiert – und wirkt daran selbst kräftig mit.
Bramme, Coil, kaltgewalzt und oberflächenveredelt: Imke Mehnert kennt sich aus. Die Fachbegriffe aus der Stahlproduktion sind ihr längst geläufig. Auch alle zwölf Produktionsanlagen ihrer Abteilung, dem Bereich Kaltflach, kennt die Direktionsassistentin selbstverständlich, und es klingt fast so etwas wie Familienstolz mit, wenn sie vom letzten Neuzugang auf dem Werksgelände berichtet: „Im Oktober 2022 haben wir eine neue Produktionsanlage fertiggestellt, die Feuerverzinkung 3, und ein zusätzliches Betriebsgebäude ist damals auch entstanden“.
Die Stahlproduktion hat tatsächlich eine familiäre Bedeutung für die in Peine geborene Niedersächsin: „Ich bin ein Hüttenkind“, erzählt sie, „schon mein Vater hat für den Salzgitter-Konzern gearbeitet, und mein Onkel auch.“ Seit knapp 30 Jahren gehört sie selbst dazu. Ihre Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation hat sie 1997 bei einer Tochter des Salzgitter Konzerns absolviert, 2000 fing sie nach erfolgreich bestandener Prüfung dort zunächst als Springkraft an.
„Es gab einen Pool für alle, die noch keinen festen Platz in einer Abteilung hatten. Auf diese Weise konnte ich verschiedene Sekretariate kennenlernen und habe dabei festgestellt, wie viel Spaß mir der Beruf macht.“ Nach drei Monaten kam die Personalabteilung mit einem konkreten Stellenangebot auf sie zu, „Sekretariat/Sachbearbeitung bei meinem vorigen Chef Dr. Benedikt Ritterbach. Wir haben neun Jahre lang sehr gut zusammengearbeitet, 2009 wechselte er als Geschäftsführer zur Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH.“
Imke Mehnert arbeitet seitdem als Assistentin mit ihrer heutigen Führungskraft Dr. Michael Brühl „sehr vertrauensvoll und auf Augenhöhe“ zusammen.
„Hier ist ganz schön Action“
Zu ihrem 25. Dienstjubiläum gab es von der Firma ein Präsent und einen Tag Sonderurlaub, Imke Mehnert hat den Anlass mit einem kleinen Mittagsimbiss gefeiert. „Mein Chef hat eine Rede gehalten, das hat mich sehr berührt“, diese Wertschätzung sei bezeichnend für die Arbeitsatmosphäre im Team, sagt die Assistentin. Der Ingenieur und promovierte Werkstoffexperte ist am Standort Salzgitter als Betriebsdirektor für den Bereich Kaltflach verantwortlich.
„Unsere Stahlprodukte werden im Automobilbau, für Haushaltsgeräte, für Bauteile und weitere Produkte verwendet, bei denen es auf Präzision und eine qualitative Oberflächengüte ankommt“, erklärt Imke Mehnert. „Mit rund 1090 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen arbeiten wir hier in der Technik, hier ist ganz schön Action. Wir produzieren 24/7.“ Zugleich werden innovative Werkstoffkonzepte entwickelt.
Wissen im Team teilen
Die Büros vom Betriebsdirektor und seinem fünfköpfigen Management-Team befinden sich in dem neuen Betriebsgebäude der Feuerverzinkung 3, auch Imke Mehnert teilt sich hier das Office mit einer Kollegin. Ab und zu arbeitet sie im Homeoffice, „da erledige ich dann zum Beispiel Aufgaben, für die ich mehr Ruhe brauche“. Doch auch im Firmenbüro kann sie mal die Tür schließen, wenn es die Konzentration erfordert – „mein Chef lässt mir freie Hand bei meiner Arbeitsorganisation, Micromanagement gibt es bei uns nicht.“
Wie in den meisten Direktionsbüros geht auch im Team um Michael Brühl vor allem um Terminmanagement und um klassisches Backoffice, „Besprechungen organisieren, Daten und Zahlen zusammentragen, Recherche-Aufgaben erledigen, Präsentationen erstellen und das Dienstreisemanagement für die gesamte Abteilung. Das läuft alles über meinen Tisch.“
Um die hundert Reisen waren es sicher im letzten Jahr, meint die 45-Jährige, „ich mache das richtig gern und habe nach so vielen Jahren natürlich viel Erfahrung darin.“ Vor allem den digitalen Wandel begleitet sie mit Begeisterung, „alles, was damit zu tun hat, liegt mir einfach.“ Sie kümmert sich in ihrem gesamten Verantwortungsbereich um den notwendigen Wissenstransfer, bietet Workshops an: „Da geht es dann nicht nur um die üblichen Klick-Seminare, sondern ich vermittele auch das Know-how, wie man sich im Alltag organisiert. Wann nutze ich welche Tools, wie geht digitale Kollaboration“ – für Imke Mehnert ist das eine Entwicklung, die sie ohne Berührungsängste in die Arbeitsabläufe integriert.
Digitales als Chance begreifen
Das hat ihr vor drei Jahren sogar einen Preis eingebracht. „Unser Werksgelände ist 12 Quadratkilometer groß, auf dem Gelände bewegen sich Autos, Fahrräder, LKW und Schienenverkehr.“ Ortsunkundige bekamen lange Zeit einen großformatigen Werksplan an die Hand, um ans gewünschte Ziel zu kommen, „der lag dann vielleicht auf dem Beifahrersitz, und der LKW-Fahrer musste Plan und Strecke gleichzeitig im Blick behalten.“
Als der Vorstand 2023 einen Wettbewerb unter dem Motto „Change Award“ ausrief, überlegte sich Imke Mehnert eine Optimierung. Sie reichte in der Kategorie „Sicherheit in der Community“ einen Vorschlag für ein digitales Navigationssystem auf dem Werksgelände ein und gewann damit den ersten Preis.
Eine ziemlich aufregende Angelegenheit war das, erzählt die Assistentin, „es gab einen Pitch, in der Jury saß u. a. ein Vorstandsmitglied, und ich hatte ein paar Minuten Zeit, meine Idee zu präsentieren.“ Die Freude über den Erfolg ist ihr anzuhören: „Die IT arbeitet an der Umsetzung, wir sind auf der Zielgeraden“, bald wird ein Navigationssystem auf der Grundlage ihrer Idee über das weitläufige Werksgelände fuhren, „smart, sicher, digital“.
Auch im vergangenen Jahr hat sie mit zwei weiteren Kolleginnen eine Idee eingereicht und ist damit unter die Top 5 gekommen. „Hier geht es um Reverse-Mentoring“, erklärt die 45-Jährige, „um Wissensvermittlung und Verbesserung der generationsübergreifenden Zusammenarbeit“, ein hochaktuelles Personalentwicklungsinstrument im Rahmen von New Work.
Ein Netzwerk, das mitwächst
Auch in dem von Imke Mehnert mitgegründeten firmeninternen Assistenznetzwerk geht es vorrangig um Wissenstransfer, und um eine zeitgemäße Wahrnehmung des Assistenzberufs. Das „Pro-Office Assistenznetzwerk“, so heißt es seit 2014, steht für Wissenstransfer und Upskilling, so schafft es Mehrwerte für die Arbeit als Assistenz und für das Unternehmen. Dafür treffen sich die rund 128 Kolleginnen aller Gesellschaften regelmäßig, präsent und virtuell.
„Wir haben einen eigenen Teams-Raum mit fachlichen Kanälen, ein Kollaborations-Hub im Sharepoint ist in Arbeit“, erklärt Kernteam-Mitglied Mehnert. „2024 hatten wir einen ersten Assistenztag für alle Assistenzkräfte aus Salzgitter, Peine und Ilsenburg veranstaltet. 2025 wurden weitere Kolleginnen der Standorte Duisburg und Mülheim zu Pro-Office eingeladen.“ Seit letztem Jahr gibt es im Netzwerk eine Arbeitsgruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Digitalisierung voranzutreiben, „mit einem ‚New Digital Work Day‘ zum Beispiel.“ Von der Personalvorständin und Arbeitsdirektorin der Salzgitter AG, Birgit Dietze, gibt es grünes Licht und Unterstützung für die selbstorganisierte Weiterbildung im Rahmen des Netzwerks.
Lernen ist Bewegung
Auf dem Laufenden bleiben sei das A&O in ihrem Beruf, sagt die erfahrene Assistentin, „für mich ist LinkedIn dafür eine ideale Plattform.“ Auf Business Events wie der Assistants‘ World oder dem Microsoft Virtual Assistant Day frischt sie regelmäßig Wissen und Kontakte auf. „Ich war schon immer offen für Neues und fürs Lernen“, das ermöglicht ihr wohl auch einen pragmatischen Umgang mit der KI. Der Assistenzberuf werde sich weiter verändern, „wiederholende Aufgaben verschwinden immer mehr, das schafft Raum für neue Aufgabenfelder. Es ist alles ständig in Bewegung.“
Bewegung – für die 45-jährige Imke Mehnert könnte dieser Begriff so etwas wie ein Lebensmotto sein. Radfahren, Zumba, Pilates, und so oft es geht raus in die Natur, das ist ihr Entspannungsprogramm. Nicht nur beruflich, auch privat liebt sie es, den eigenen Horizont ständig zu erweitern, „mein Mann und ich reisen gern“, 29 Länder auf drei Kontinenten habe sie schon gesehen, „die Ziele gehen mir so schnell nicht aus.“ Das gilt auch für ihre Karriere bei ihrem Arbeitgeber: „Kein Tag ist wie der andere, Langeweile kenne ich nicht. Und ich habe mich immer weiterentwickeln können. Ich bin gespannt auf die kommenden Chancen im Konzern.“