Strategie

Neue Jobtitel, neue Chancen: So verändert sich Ihre Rolle in der Assistenz

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Executive Assistant, Chief of Staff, Office Lead – viele Jobtitel im Assistenzberuf klingen strategisch. Doch was steckt tatsächlich dahinter? Zwei Expertinnen berichten aus der Praxis über aktuelle Entwicklungen, wachsende Verantwortung und die Zukunft moderner Assistenzen.
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Im April wurde die Global Skills Matrix 2026 (GSM) von der internationalen Organisation World Administrators Alliance (WAA) veröffentlicht: Demnach berichten 59 Prozent der befragten Office Professionals, dass ihr Verantwortungsbereich seit 2021 gewachsen ist – ohne dass Stellenbeschreibung, Eingruppierung oder Vergütung angepasst wurden.

Gleichzeitig geben über die Hälfte an, dass es in ihrem Unternehmen keinen klar definierten Karrierepfad für Assistenzkräfte gibt. Hinzu kommt, dass die Aufgaben vieler Assistenzen häufig nicht mit ihrem offiziellen Titel übereinstimmen: 43 Prozent sind der Meinung, dass ihre Stellenbezeichnung ihre Verantwortung nicht angemessen widerspiegelt.

Strategie im internationalen Fokus

Auch die Aufgaben haben sich laut GSM 2026 verändert. 60 Prozent der Befragten übernehmen regelmäßig Aufgaben im Projektmanagement, während 38 Prozent Governance-Reportings unterstützen oder Unterlagen für Sitzungen auf Vorstandsebene vorbereiten.

Die Assistenz entwickelt sich damit zunehmend von einer administrativen Unterstützung hin zu einer Rolle mit koordinierenden, steuernden und entscheidungsvorbereitenden Aufgaben.

Dass sich das Berufsbild derzeit grundlegend wandelt, zeigt ein weiterer Wert: Nur 13 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass das Kompetenzmodell GSM 2021 ihre aktuelle Rolle noch angemessen beschreibt.

6 Kompetenzen strategischer Assistenzen

  1. Kontextverständnis: Wer strategisch arbeitet, muss das Umfeld verstehen, in dem die Führungskraft agiert – inklusive politischer Sensibilitäten, relevanter Stakeholder und möglicher Konsequenzen von Entscheidungen.
  2. Priorisierungsfähigkeit: Unterscheiden, was dringend, wichtig oder aufschiebbar ist.
  3. Urteilsvermögen: Situationen einschätzen, eigenständig entscheiden und erkennen, wann Rücksprache erforderlich ist.
  4. Kommunikationsstärke: Strategische Assistenz ist Schnittstellenarbeit. Dafür braucht es Fingerspitzengefühl, Klarheit und die Fähigkeit, auf unterschiedlichen Hierarchieebenen sicher zu kommunizieren.
  5. Präsentations- und Recherchekompetenz: Inhalte aufbereiten, vorstellen und fundierte Informationen bereitstellen.
  6. Digitale Kompetenz und KI-Verständnis: Moderne Tools und KI-Anwendungen gelten als Produktivitätshebel.

Entwicklung in Deutschland

Laut Personalberaterin Verena Schiffer entwickelt sich der Assistenzberuf auch in Deutschland spürbar: Einerseits bestehen weiterhin klassische Positionen, die organisatorisch und administrativ geprägt sind und vor allem das operative Tagesgeschäft unterstützen. Andererseits entstehen Rollen, die strategischer ausgerichtet und näher an Führung, Entscheidungsprozessen, Kommunikation und Projektsteuerung angesiedelt sind.

Die frühere Top-Assistenz und heutige Trainerin und Autorin Diana Brandl stimmt zu: „Wir erleben gerade die stärkste Transformation des Assistenzberufs seit zwei Jahrzehnten.“ Ihrer Beobachtung nach fallen klassische Teamassistenzen ohne Projekt- oder Schnittstellenanteil und reine Sekretariatsrollen nach und nach weg, außerdem solche Positionen, die auf Termin- und Reisemanagement und Administration basieren.

Professionalisierung des Assistenzberufs

Diana Brandl erklärt die derzeitige Entwicklung anhand von drei Punkten: Erstens steigt die Komplexität in Unternehmen. Führungskräfte brauchen deshalb Unterstützung bei Priorisierung, Kommunikation und Ausrichtung (Alignment).

Zweitens automatisiert KI viele Routinetätigkeiten, wodurch Assistenzen mehr Raum für Analyse, Projektsteuerung und Entscheidungsreife bekommen.

Und drittens professionalisiert sich der Beruf, z. B. durch Frameworks wie die Global Skills Matrix, die strategische Kompetenzen sichtbar und messbar machen.

Auf die Wirkung kommt es an

„Es gibt im Assistenzberuf kein ‚One size fits all‘“, betont Verena Schiffer. Die Ausgestaltung einer Rolle hänge von zahlreichen Faktoren ab: z. B. von Branche, Standort, Unternehmensgröße und Internationalität. Doch es geht auch um den Verantwortungsrahmen, die Erwartungshaltung und Arbeitsweise der Führungskraft sowie um das Profil der Assistenz.

Die GSM 2026 unterstützt diesen Perspektivwechsel: Moderne Assistenzrollen lassen sich nicht allein über Aufgaben beschreiben, sondern über Verantwortung, Urteilsvermögen, Komplexität und Entscheidungsnähe. „Künftig wird die Assistenz weniger daran gemessen werden, welche Aufgaben sie erledigt, sondern welche Wirkung sie in der Organisation entfaltet“, prognostiziert Verena Schiffer.

Gehalts-Benchmarks: Orientierung statt Blaupause

Verena Schiffer ist spezialisierte Personalberaterin für Executive Assistants und Office Professionals. Sie begleitet seit über 20 Jahren Unternehmen bei der Besetzung anspruchsvoller Assistenzrollen. Die Expertin plädiert in Gehaltsfragen für Differenzierung, denn die Spannbreite sei enorm.

Für den Münchner Markt sieht Verena Schiffer seniorige Executive Assistants und Vorstandsassistenzen je nach Scope etwa bei 70.000 bis 95.000 Euro. Chief-of-Staff-Rollen starten häufig ab etwa 80.000 Euro und können bei entsprechender Verantwortung auch sechsstellig liegen.

Entscheidend sind Faktoren wie Unternehmensgröße, Branche, Region, Internationalität, Nähe zur Geschäftsführung, Komplexität des Umfelds, Steuerungs- und Entscheidungsanteil, erforderliche Sprach- und Digitalkompetenzen und das allgemeine Gehaltsgefüge im Unternehmen.

Zur Orientierung empfiehlt die Expertin den Abgleich mehrerer Quellen, etwa Stepstone, Robert Half, SalaryExpert oder branchenspezifischer Gehaltsreports wie dem der working@office (Ausgabe 05/2026).

Besonders wertvoll ist auch der Austausch in professionellen Netzwerken unter Assistenzen selbst. Und nicht zuletzt können erfahrene Personalberatungen hier sehr gut unterstützen.

Strategische Rollen im Vergleich

Diana Brandl ist Trainerin, zertifizierter Stärkencoach und Beraterin für Executive Support sowie Fachautorin, LinkedIn Learning Dozentin und Host des Podcasts „Executive Office Insights“. Sie beobachtet folgende vier Rollen, die sich vor allem in ihrem strategischen Anteil, ihren Schnittstellen und ihrer Verantwortungstiefe unterscheiden.

  • Senior Executive Assistants in der modernen Ausprägung (oder Executive Business Partner) arbeiten eng an der Führungskraft, steuern Prioritäten und Kommunikation. Aufgaben: Priorisierung, Stakeholder-Management, Kommunikation, Meeting-Design, Projektsteuerung.
  • Chief of Staffs denken unternehmensweit, übersetzen Strategie in Umsetzung und sorgen für die Ausrichtung von Führung und Team auf die gleichen Ziele (Alignment). Aufgaben: Strategieumsetzung, Organisationsentwicklung, Leadership Alignment, Governance.
  • Office Leads (vor allem in der Start-up-Welt) gestalten die Unternehmenskultur, die Kommunikation innerhalb der Organisation sowie Arbeitsumgebung und Zusammenarbeit. Aufgaben: Kultur, interne Kommunikation, Workplace Experience, People & Operations.
  • Business Manager verantworten die Steuerung und Weiterentwicklung des operativen Geschäfts. Sie überwachen Kennzahlen (KPIs), erstellen Reportings und sorgen dafür, dass Geschäftsprozesse effizient funktionieren. Aufgaben: KPIs, Reporting, Budget, Project Management Office (PMO), Prozessoptimierung.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in working@office.