Zwei Assistentinnen am Schreibtisch. Übergabe bei Jobsharing.

Warum Jobsharing Karrieren stärken kann

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Welche Vorteile bringt Jobsharing? Wo liegen die Stolpersteine? Und was sollten Organisationen unbedingt wissen, bevor sie starten? Ein Praxisbeispiel – aus der Perspektive der Assistenzen, der Führungskraft und des Teams.
Inhaltsverzeichnis

Jobsharing ist längst kein Nischenmodell mehr. Das Format erhält in Führungspositionen immer mehr Aufmerksamkeit: zuletzt im Vorstand beim deutschen Schreibwarenhersteller Edding, wo sich zwei Personen die Rolle des Chief Digital Officers teilten. Dennoch wird sein Potenzial im Assistenzbereich bisher unterschätzt.

Jobsharing beschreibt ein Arbeitsmodell, bei dem sich zwei (oder mehr) Personen eine Vollzeitstelle teilen. Im Assistenzkontext bedeutet das: Zwei Assistenzen übernehmen gemeinsam die Verantwortung für eine Rolle, ein Executive Office oder ein Team mit klarer Aufgabenverteilung, abgestimmten Prozessen und hoher Kommunikationsqualität.

Gesamtprofil mit geteilter Verantwortung

Giannina Kaestel und Julia Wagner-Andres leben das Modell bei BASF Agricultural Solutions mit großer Leidenschaft. Beide haben bewusst entschieden, mehr Verantwortung zu übernehmen, statt ein Teilzeitmodell als Einschränkung zu sehen. Sie ergänzen sich fachlich wie menschlich, daraus entsteht ein Gesamtprofil, das eine einzelne Person allein kaum abbilden könnte. Ihre besondere Konstellation wurde nicht „zufällig“ geboren, sie ist das Ergebnis eines klaren Gestaltungswillens.

„Wir wollten Teilzeit und verantwortungsvolle Aufgaben miteinander vereinen und das auf Augenhöhe, strukturiert, professionell und bereichernd für alle Beteiligten“, sagt Giannina Kaestel. „Für uns bedeutet ein Tandem vor allem eins: Wir müssen Dinge nicht alleine tragen. Wir können uns auffangen, ergänzen, entlasten und miteinander wachsen und können trotzdem einen wertvollen Beitrag für das Unternehmen leisten“, ergänzt Julia Wagner-Andres.

Stabile Struktur für die Führungskraft

BASF Agricultural Solutions setzt ein strategisches Signal und zeigt: Wir denken modern, fördern Vereinbarkeit, nutzen Stärken bewusst und investieren in nachhaltige Arbeitsmodelle. Gerade im Assistenzbereich, der oft unter hoher Last arbeitet, ist das ein starkes Zeichen.

Gemeinsam unterstützen Julia und Giannina Jürgen Huff, Senior Vice President, R&D & Regulatory Agricultural Solutions. Die geteilte Assistenzrolle eröffne viele Vorteile: Zwei Menschen bringen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Stärken ein und daraus entsteht eine hohe Qualität in der Zusammenarbeit. Die Verfügbarkeit bei Spitzen oder Urlaub steige, die Übergaben seien sehr verlässlich, auch durch intensive Nutzung der sich stets weiterentwickelnden IT-Tools, und die Ergebnisse seien konstant auf einem sehr hohen Niveau.

„Für mich als Führungskraft bedeutet das: Ich kann mich auf eine stabile Struktur verlassen, die flexibel genug ist, um auch in Spitzenzeiten oder bei kurzfristigen Anforderungen schnell zu reagieren“, sagt Jürgen Huff. Gleichzeitig stärke das Modell die Eigenverantwortung und Motivation der Kolleginnen, weil sie ihre Rolle bewusst gemeinsam gestalten.

Das spricht für Jobsharing

  • Höhere Verfügbarkeit und Kontinuität
  • Mehr Kompetenzbreite, da unterschiedliche Stärken, Erfahrungen und Perspektiven zusammenkommen
  • Geringeres Risiko, da Themen gegenseitig aufgefangen werden
  • Weniger Überlastung, mehr Nachhaltigkeit
  • Mehr Energie und Motivation
  • Dauerhafte Verlässlichkeit, da keine Engpässe
  • Talentbindung und Talentgewinnung

Wichtig

Jobsharing ist kein Selbstläufer. Es braucht klare Rollen, definierte Prozesse, gemeinsame Tools und regelmäßige Alignment-Meetings. Die Auswahl der Tandempartner ist entscheidend. Komplementäre Stärken sind ein Vorteil, aber Werte, Arbeitskultur und Kommunikationsstil müssen passen.

Es läuft einfach!

Das gesamte Team reagierte von Anfang an neugierig, auch wenn die Konstellation eher ungewöhnlich ist. Doch durch die transparente Arbeitsweise spielte es sich sehr schnell ein. Heute hören beide Assistenzen oft: „Ihr seid immer erreichbar. Es gibt keine Brüche oder Informationsverluste. Man merkt gar nicht, wer wann da ist, es läuft einfach.“ Das Modell wurde mit großer Offenheit aufgenommen, weil das Team schnell verstanden hat: Das Tandem ist ein Vorteil, kein Stolperstein.

Allerdings gibt es auch im Jobsharing Herausforderungen, z. B. Ad-hoc-Themen, die spontan den Tag umwerfen. Sie fordern und sind zugleich immer wieder Bereiche, die bewusst Aufmerksamkeit brauchen. Giannina Kaestel und Julia Wagner-Andres betonen: „Unsere gemeinsamen Überschneidungszeiten sind in solchen Phasen sehr hilfreich, weil wir in stressigen Zeiten richtig viel wegschaffen können und Aufgaben viel schneller und entspannter erledigt bekommen. Wir sind dankbar, dass wir diesen Weg im Tandem gemeinsam gehen können.“

Eine Chance für zwei oder mehr: Jobsharing
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Diese 10 Spielregeln führen zum Erfolg

Prüfen Sie, ob Job-Sharing in Ihrem Unternehmen Anklang finden könnte, und lassen Sie sich von dem Erfolgsmodell der BASF inspirieren.

  1. Strukturierter Abwesenheitsagent über Arbeitszeiten und Erreichbarkeit
  2. Hinterlegte Arbeitszeiten im internen Chat-Programm
  3. E-Mail-Signatur mit Arbeitszeiten und Erreichbarkeit versehen
  4. Kein gemeinsames Postfach, aber immer beide im CC-Feld
  5. Alle Anfragen werden an beide Assistenzen gerichtet
  6. Gruppenchats in MS Teams für wiederkehrende Ansprechparter
  7. OneNote als zentrale Arbeitsplattform und strukturiertes System
  8. One Voice Policy: Nach außen eine gemeinsame Haltung vertreten
  9. Tägliche Synchronisation per Call, Chat oder im Büro
  10. Kein Raum für Ego: Erfolg wird immer als Tandem-Erfolg definiert

Stärken verdoppeln, Zukunft gestalten

Jürgen Huff resümiert: „Ein Tandem ist kein Risiko, es ist eine Chance. Eine Chance, Arbeit neu zu denken, Grenzen zuteilen, Stärken zu verdoppeln und eine stabile Work-Life-Balance zu ermöglichen. Es lohnt sich, klassische Konstellationen zu hinterfragen. Mein Rat: einfach ausprobieren. Die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt.“

Jobsharing in der Assistenz ist eine echte Zukunftschance. Es ermöglicht Flexibilität, stärkt Teams, erhöht die Verfügbarkeit und bringt neue Kompetenzvielfalt ins Executive Office. Gleichzeitig braucht es Struktur, Klarheit und die Bereitschaft, Zusammenarbeit bewusst zu gestalten. Wenn Unternehmen diese Grundlagen schaffen, kann Jobsharing zu einem Modell werden, das sowohl Assistenzen als auch Führungskräfte nachhaltig stärkt.