Warum uns Vergleiche mit anderen oft schaden
„Vergleiche helfen dabei uns anzupassen, doch sie schaden uns, wenn wir uns zu sehr auf andere konzentrieren.“ Maja Günther, Diplom-Soziologin, Coach und Autorin. © melita - AdobeStock

Warum uns Vergleiche mit anderen oft schaden

Uns mit anderen zu vergleichen, ist ein natürlicher Prozess. Dennoch läuft er oft unbewusst ab und kann negative Gefühle auslösen. Reflexion, Selbstvertrauen und ein transparentes Miteinander helfen dabei, ungünstige Muster zu erkennen und zu verändern. Inklusive Coaching-Übungen.

Die Theorie des sozialen Vergleichs besagt, dass sich Menschen mit anderen vergleichen, um sich selbst, eine Situation oder Umgebung einschätzen zu können. Dabei kann es um Leistungen, Werte, Gefühle, Meinungen oder Probleme gehen. Es wird zwischen abwärts und aufwärts gerichteten Vergleichen unterschieden. Das heißt, dass wir uns mit Personen vergleichen können, die wir im Gegensatz zu uns selbst positiver oder negativer wahrnehmen.

Kinder lernen, indem sie ihre Umwelt beobachten und nachahmen. Der Vergleich ist also ein automatischer Prozess, der im Menschen angelegt ist. „Eine realistische Einschätzung unserer Fähigkeiten sichert das Überleben“, erklärt die Diplom-Soziologin Maja Günther. „Vergleiche helfen dabei, uns in einem sozialen Setting anzupassen. Aber sie können uns und unserem Selbstwertgefühl schaden, wenn wir uns zu sehr auf andere konzentrieren.“ In ihrem Buch „Vergleiche dich nicht, sei du selbst“ beschreibt die Autorin, wie wir mit eigenen Vergleichen und den Vergleichen anderer aufwachsen und in welchen Lebensbereichen sie uns immer wieder begegnen: von der Familie über die Schule und das soziale Miteinander in Job und Freizeit bis zur Werbung, den Medien und natürlich in großem Maße auf Social Media.

Vergleiche im beruflichen Umfeld

Vergleiche sind ein Instrument, das uns bei der Arbeit zum Beispiel unterstützt, uns in einem neuen Team einzugliedern, in der Unternehmenskultur zurechtzufinden oder Grenzen, Kommunikations- und Verhaltensregeln auszuloten. Aus ihrer Arbeit mit Unternehmen kennt Maja Günther jedoch auch die negativen Vergleiche, die im täglichen Miteinander der Arbeitswelt aufkommen. Diese entstehen, wenn in Teams zu wenig Transparenz herrscht, wer welche Kompetenzen, Vorlieben und Stärken besitzt oder wenn Verantwortungsbereiche ungeklärt bleiben.

„Es ist ganz wichtig, dass Mitarbeitende eines Teams in Projekten genau voneinander wissen, wer welche Aufgaben und Fähigkeiten hat. Um das zu klären, sollten sich Führungskräfte und Mitarbeitende extra Zeit nehmen“, empfiehlt die Beraterin. Auch sollten die Führungskräfte ihre Mitarbeitenden nie untereinander vergleichen.

Aus den Gesprächen ihrer Einzelcoachings berichtet Maja Günther, dass es in persönlichen Vergleichssituationen im Beruf weniger um die Themen Gehalt, Qualifikationen oder die Inhalte der Arbeit gehe. Vielmehr werden andere Eigenschaften, Befindlichkeiten oder Arbeitsweisen geneidet, zum Beispiel eine gute Kritikfähigkeit, eine hohe Belastbarkeit oder eine gelungene Work-Life-Balance. „Warum schafft es die Kollegin gelassen zu bleiben, wenn ich in Stress gerate und nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht? Warum haben die Kolleginnen und Kollegen viel mehr Spaß bei der Arbeit? Warum kriegen die anderen Kinder und Job unter einen Hut und sehen dabei aus wie aus dem Ei gepellt? Das sind klassische Vergleiche im Arbeitsumfeld.“

Selbstvertrauen statt Selbstoptimierung

Studien haben gezeigt, dass uns Vergleiche mit anderen anspornen können, höhere Leistungen zu erzielen, zum Beispiel bei Sportwettkämpfen. Ungünstige Vergleiche führen jedoch dazu, dass wir unsicher werden und unser Selbstwertgefühl schwächen, da wir andere aufwerten, uns selbst jedoch gleichzeitig abwerten. Zudem entspricht der Blick, den wir auf andere haben, einer Schlüsselloch-Perspektive, die nicht unbedingt die Wahrheit widerspiegelt.

„Durch einen Vergleich verlieren wir uns selbst aus dem Blick und lenken die Aufmerksamkeit von den eigenen Qualitäten ab“, sagt Maja Günther. Wer sich ständig vergleiche und annehme, dass andere alles besser können, es leichter haben oder mehr strahlen, mache sich klein und sabotiere das eigene Selbstvertrauen. Um aus negativen Vergleichsspiralen auszusteigen, empfiehlt sie, die oft automatisch ablaufenden Vergleichsmuster zu reflektieren und zu schauen, wo im Alltag immer wieder Vergleiche stattfinden.

 

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