So navigieren Sie sicher und gelassen durch Belastungsphasen – mit Selbsttest
„Der Umgang mit Stress ist eine Fähigkeit, die wir lernen können.“ Jacob Drachenberg, Stresscoach und Psychologe © James Thew – AdobeStock

So navigieren Sie sicher und gelassen durch Belastungsphasen – mit Selbsttest

Wann die eigene Belastungsgrenze erreicht ist, ist nicht immer einfach zu erkennen. Zwei Experten erklären, wie eine Bestandsaufnahme gelingt und was gegen Stresssymptome hilft. Mit Checkliste, Tipps und Adressen.

Bevor Jacob Drachenberg Coach und Experte für gesunde Stressbewältigung wurde, erlitt er selbst einen stressbedingten Burnout mit depressiver Episode. Er war 23 Jahre alt, studierte Psychologie, spielte Wasserball als Leistungssportler und arbeitete nebenbei bei einem internationalen Investor. „Stress war mein Lebenselixier. Ich hatte das Gefühl, alles erreichen zu können, und lange gab mir der Erfolg recht“, schreibt er in seinem kürzlich erschienenen Buch „Stress dich richtig“.

Im Interview erzählt er, sein Burnout habe sich damals relativ schnell angebahnt. Er sei zu jung gewesen, um Frühwarnzeichen adäquat deuten zu können und habe mit Druck, noch mehr Anstrengung und Selbstabwertung reagiert. „Plötzlich ging gar nichts mehr: Ich konnte mich weder konzentrieren noch Sport machen. Ich stand im Supermarkt und wusste nicht mehr, wie Einkaufen funktioniert. Ich war ausgebrannt und depressiv. Zudem habe ich relativ schnell 21 Kilogramm Übergewicht aufgebaut.“

Was ist ein Burnout?

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist chronischer Stress eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Anfang 2022 wurde der neue Diagnosekatalog ICD 11 veröffentlicht, in dem Burnout erstmalig als Syndrom in Folge von arbeitsbezogenem Stress definiert wird. Zu den Kriterien zählen Energielosigkeit und Erschöpfung, eine zunehmende geistige Distanzierung und negative, vielleicht zynische Haltung der Arbeit gegenüber und ein verringertes berufliches Leistungsvermögen.

Dr. Dietmar Ohm, Psychotherapeut in eigener Praxis, Dozent und mehrfacher Buchautor erklärt die Abgrenzung zur Diagnose Depression: „Burnout bezieht sich allein auf die Arbeitswelt. Depressionen sind meistens multifaktoriell bedingt, haben einen langen Vorlauf und hängen oft mit der eigenen Entwicklung und Sozialisation, privaten Problematiken sowie depressiogenen Verarbeitungs- und Denkmustern zusammen.“

Auch beim Thema Burnout sei es wichtig zu beachten, dass Stresseinflüsse nicht nur von außen kommen, gibt Dietmar Ohm zu bedenken. Er unterstützt seine Patientinnen und Patienten in der kognitiven Verhaltenstherapie vor allem dabei, ihre stressauslösenden Denkmuster erst einmal kennenzulernen. Diese Muster laufen oft unbewusst und automatisch ab.

Ein stark stressauslösendes Denkmuster wäre zum Beispiel: Ich muss die Erwartungen der anderen immer erfüllen. „Das ist anstrengend genug“, sagt Dr. Ohm. „Doch es wird dadurch verschlimmert, dass ich die Erwartungen der anderen oft nicht kenne, sondern diese nur in meiner Fantasie bestehen. Vielleicht weiß ich gar nicht, was meine Chefin oder mein Chef von mir erwartet?“ So setzen wir uns durch zu hohe Leistungsanforderungen ganz schnell selbst unter Druck.

Die inneren Stressanteile

Auch Jacob Drachenberg kennt stressauslösende Denkmuster aus eigener Erfahrung. „Ich hatte damals einen Glaubenssatz: Wenn ich ein Ziel erreichen will, muss ich mich anstrengen und wenn ich mein Ziel noch nicht erreicht habe, habe ich mich nicht genug angestrengt.“

Heute entwickelt er seine Coachings, Kurse und Ausbildungen entlang des Dreisatzes Wahrnehmung – Bewertung – Entscheidung. In der Entwicklung von Stresskompetenz gehe es erst einmal um den persönlichen Fokus. Gerade in Stress- und Erschöpfungsphasen ist die selektive Wahrnehmung eher auf Mangel, Gefahr und Fehler gerichtet. Hier helfe es, sich zu fragen: Wofür bin ich dankbar? Was läuft gerade gut?

 

 

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