So hat Ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement Hand und Fuß
Seit dem 1. Januar 2008 unterstützt der Staat die Förderung der Gesundheit der Mitarbeitenden steuerlich. 600 Euro kann ein Unternehmen mittlerweile pro Beschäftigten und pro Jahr lohnsteuerfrei für Maßnahmen der Gesundheitsförderung investieren. ©Andrey Popov - Adobe Stock

So hat Ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement Hand und Fuß

Mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement lässt sich mehr erreichen, als viele wissen. Arbeitgeber verringern damit nicht nur ihren Krankenstand, sondern stärken zudem ihre Attraktivität auf dem Stellenmarkt. Wichtig sind allerdings Maßnahmen mit Hand und Fuß.

Ohne gut ausgebildete, motivierte und leistungsfähige Beschäftigte kein langfristiger Erfolg, das wissen Personalverantwortliche ebenso wie aufgeschlossene Führungskräfte. Sich um das seelische und körperliche Wohl der Beschäftigten zu kümmern, sollte also selbstverständlich sein, allemal in der Pandemie. Denn das mobile Arbeiten hat bei vielen Beschäftigten Spuren hinterlassen, auch bei Office-Professionals, die ihre Teams nach Kräften unterstützen. Das Gefühl, isoliert zu sein, die erschwerte Kommunikation und die nicht seltene Dreierbelastung aus Job, Familienleben und Homeschooling sind oft eine große Belastung. Hinzu kommt manchmal noch die Angst um den Fortbestand der Firma.

Konsequenzen für Körper und Seele

Oliver Walle, Unternehmensberater aus Neunkirchen („Health 4 Business“), folgt den Statistiken der Krankenkasse: „Ein deutlicher Anstieg von gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Rückenschmerzen und Depressionen in 2020 kann mit großer Wahrscheinlichkeit als Folge psychischer Herausforderungen betrachtet werden. Und auch die eigentlich nur provisorisch gedachte Büroausstattung für Zuhause hat ihren Anteil an dieser Entwicklung.“

Seit Jahren befasst er sich professionell mit dem Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement, als Dozent lehrt er an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und an der BSA-Akademie in Saarbrücken. Seine Prognose für die nächsten Monate: Selbst wenn jetzt etliche Beschäftigte wieder an den betrieblichen Arbeitsplatz zurückkehren oder zumindest tageweise dorthin zurückkehren wollen, sei nicht absehbar, wie sich das Arbeiten im Winter gestalten wird. „Die Situation bleibt von Unsicherheit geprägt. Wird es weiterhin eine Homeoffice-Tätigkeit geben und wenn ja, welche rechtliche Einordnung wird diese haben?“

Wachsende Digitalmüdigkeit

An Aufgaben in der Betrieblichen Gesundheitsförderung fehlt es also zurzeit nicht. „Vor allem psychosoziale Maßnahmen zu Selbstorganisation und Resilienz werden nachgefragt“, berichtet Katja Graf, Sportwissenschaftlerin und Unternehmensberaterin („Mehrwert Gesundheit“) mit Sitz in Berlin. Zum Glück fehlt es nicht an passenden Angeboten. Etliche große Unternehmen, Dienstleister im Gesundheitsbereich sowie der Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement, zu dessen Vorstand Oliver Walle gehört, haben sich intensiv mit der Frage beschäftigt, „wie wir Mitarbeitende zuhause digital erreichen“. Denn allgemein spürbar wird eine wachsende Digitalmüdigkeit.

Wer ohnehin den ganzen Tag am PC arbeitet, hat wenig Lust, auch noch online an einem Gesundheitskurs teilzunehmen, es sei denn, das Angebot ist besonders ansprechend, technisch perfekt und wirklich bedarfsorientiert. „Viele Anbietende haben im vergangenen Jahr dazugelernt und neue Inhalte und Formate wie hilfreiche Videos und Apps entwickelt“, erzählt Walle. Katja Graf sieht das Digitale manchmal sogar als Chance. Zum Beispiel bei Angeboten zum Thema Ernährung und Adipositas: „Durch ein gutes digitales Format können wir auch übergewichtige Mitarbeitende erreichen, die an einem Präsenzkurs aus Scham vor den Kolleginnen und Kollegen nicht teilgenommen hätten.“

Warum am falschen Ende gespart wird

Ein Problem könnte allerdings sein, dass Unternehmen angesichts der Wirtschaftslage dazu tendieren, an gesundheitsfördernden Maßnahmen zu sparen. Obwohl gerade in schwierigen Zeiten Unterstützung besonders gefragt wäre, besteht diese Gefahr, vielleicht auch, weil Betriebliche Gesundheitsförderung bzw. Betriebliches Gesundheitsmanagement nach wie vor nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, bedauert Katja Graf. Ein weiterer Knackpunkt ist das falsche Verständnis von BGM. Nach wie vor wird Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) häufig mit Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) gleichgesetzt. Dabei bedeutet BGM mehr als einzelne Maßnahmen wie Obstkorb und Wassersprudler fürs Team.

„BGM ist immer ein ganzheitliches Konzept. Ein BGM-Zyklus wird gemanagt wie ein Projekt“, so die Gesundheitsexpertin. So ein Zyklus bezieht neben Arbeitssicherheit (Stichwort: die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsanalyse), Arbeitsmedizin, Arbeitsverhältnisse und Prävention Aspekte wie Organisation, Arbeitsprozesse, Führung und Unternehmenskultur mit ein. Letztlich geht es bei BGM nicht nur um die Resilienz, also starke innere Widerstandskräfte der Mitarbeitenden, sondern auch um die Resilienz des Geschäftsmodells eines Unternehmens.

Diese Erkenntnis sei bei den Unternehmen, vor allem im Bereich Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) noch kaum angekommen. Katja Graf: „BGM ist nichts, was eine einzelne Arbeitskraft wie etwa eine Assistentin in einer Stunde pro Woche nebenbei leisten kann.“ Wertvolle Unterstützung können sich Betriebe hierzu bei den Krankenkassen holen.  

 

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