Selbstsabotage, Tyrann, Persönlichkeit, Persönlichkeitsentwicklung
„Ein gestresstes Hirn ist kein guter Ratgeber, sondern ein Angstmacher.“ Dominik Borde, Beziehungs-Coach und Autor. © photoschmidt - Adobe Stock

Selbstsabotage - Entlarven Sie Ihren inneren Tyrannen

Nicht selten stehen wir uns selbst im Weg und verharren in Unzufriedenheit. Das gilt im Beruf genauso wie im Privaten. Was genau uns eigentlich ausbremst und wie man dieses selbstschädigende Verhalten ändern kann, erklären zwei Experten.

Missgünstige Kollegen, schwierige Kunden, fiese Vorgesetzte: Wenn im Job etwas schiefläuft, geben wir gern anderen die Schuld an unserem Scheitern. Diese Sichtweise macht ein „Weiter wie bisher“ einfach. Denn sie erfordert keine Einstellungs- und Verhaltensänderung. Sich den eigenen Anteil am häufigen Misslingen und fortwährender Unzufriedenheit im Job einzugestehen, ist dagegen schwer.

Warum ist das so? Ein innerer Tyrann hält uns davon ab, den Weg aus der Wiederholungsfalle zu finden, davon sind die Potenzialentwicklerin Pamela Obermaier und der Beziehungscoach Dominik Borde überzeugt. „Der innere Tyrann, das sind alle einschränkenden Denkmuster, Ängste, Regeln, Verhaltensweisen und Überzeugungen, die wir im Laufe unseres Lebens, aber vor allem in unserer Kindheit unbewusst übernommen beziehungsweise erlernt haben“, erklärt Dominik Borde. „Er ist nichts anderes als unser Ego, durch das wir die Welt wahrnehmen“, ergänzt Pamela Obermaier.

Den inneren Tyrannen entlarven

Das Problem: Diese Mechanismen laufen jenseits unserer bewussten Wahrnehmung ab. Sie bleiben daher unterm Radar und werden folglich auch nicht entdeckt. Der erste Schritt, um den inneren Tyrannen abzuschütteln, muss also sein, ihn zu erkennen. Das ist gar nicht so schwierig. Indikatoren dafür, dass er bei Job-Angelegenheiten die Herrschaft übernommen hat, lassen sich rasch finden. „Unser Ego meldet sich immer dann als innerer Tyrann, wenn wir uns nicht gut genug fühlen oder Angst haben, abgelehnt zu werden“, weiß Dominik Borde. Wer ständig befürchtet, das Falsche zu sagen und abgewiesen zu werden, bleibt lieber still und weist sich auf diese Weise selbst in die Schranken. „So versäumen wir Chancen und verpassen Gelegenheiten, für unsere Leistungen anerkannt zu werden“, sagt Dominik Borde.

Wichtige Hinweise gibt der Blick auf das eigene Mindset. „Überlegen Sie, wie Sie mit einer guten Freundin über Ihre Arbeit sprechen. Vielleicht ertappen Sie sich dabei, dass Sie sich immer wieder über die gleichen Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen beschweren“, sagt Pamela Obermaier. Es gilt auch zu fragen, warum bisher kein Versuch unternommen wurde, ein bestehendes Problem zu lösen. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich viele vermeintlich gute Argumente für das Verharren in einer belastenden Situation schnell als Ausreden. Kommt ein Jobwechsel beispielsweise wirklich nicht in Frage, weil eine dafür erforderliche Weiterbildung zu aufwändig wäre? Wohl eher nicht.

Träume nicht auf später verschieben

Zwei Gründe sind für das Festhalten an ungeliebten Lebensumständen ursächlich: Angst und Bequemlichkeit. Zum einen behindert die Angst das klare Denken. „Bewusstes Denken braucht Fokussiertheit und einen Zustand innerer Ruhe. Doch nur die wenigsten Menschen leben bewusst und sind somit innerlich ruhig und fokussiert. Ein gestresstes Hirn ist kein guter Ratgeber, sondern ein Angstmacher“, weiß Dominik Borde. Zum anderen verhindert die Bequemlichkeit, dass eine Veränderung angegangen wird. „Menschen, die leiden, wissen, wie sich das anfühlt. Etwas zu ändern bedeutet dagegen, sich aus der eigenen Komfortzone herauszubewegen und sich dem Unbekannten zu stellen“, erklärt Pamela Obermaier. Dabei muss man auch in Kauf nehmen, Fehler zu machen. Denn Fehler gehören nun einmal zu jedem Lernprozess dazu. Und auch, dass ein neuer Gedankengang, der das alte, negative Mindset ablösen soll, viele Male wiederholt werden muss, um eine neue gedankliche Routine zu etablieren.

Es ist ein Aufwand, der sich lohnt. Denn es gibt viel zu gewinnen. „Sie sollten sich nicht mit einer Situation zufriedengeben, die Sie auf Dauer unglücklich macht“, meint Pamela Obermaier. „Wir verbringen sehr viel Lebenszeit im Job. Verschieben Sie die Verwirklichung Ihrer Träume keinesfalls auf später, womöglich nach der Rente. Leben Sie im Hier und Jetzt! Jeder Tag kann und sollte erfüllend sein.“ Wird dies jedoch nicht erkannt und bleibt es beim Regiment des inneren Tyrannen, führt das zu dauerhafter Frustration. Oft wird versucht, die daraus resultierende innere Leere mit einem ausgeprägten Konsumverhalten zu kompensieren. Aber kein neues Handy, kein teurer Schmuck, kein exklusiver Urlaub und auch kein anderes Statussymbol können innere Zufriedenheit und echtes Glück ersetzen.

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