Mit Menschlichkeit nach oben klettern
Hell und modern gestaltete Großraumbüros, die Fototapeten stammen von den Mitarbeitern.

Mit Menschlichkeit nach oben klettern

Die Erkenntnis ist nicht neu: Der Mensch ist das größte Kapital eines Unternehmens. Wer diese Botschaft ernst nimmt und richtig umsetzt, wird oft mit Unternehmenserfolg belohnt. Das Beispiel eines IT-Unternehmens zeigt das.

Wenn sich in Zeiten des Fachkräftemangels 70 Spezialisten auf eine freie Stelle bewerben und fast wöchentlich Initiativbewerbungen hereinflattern, dann hat man als Unternehmen wohl vieles richtig gemacht. Easysoft, 1994 von drei Freunden gegründet, ist heute ein erfolgreiches IT-Unternehmen mit knapp 90 Mitarbeitern. Doch das schwäbische Unternehmen, das HR-Softwarelösungen für den Bildungsbereich entwickelt, war nicht immer so erfolgreich, 2008 stand es kurz vor der Insolvenz. Warum sich das Unternehmen Employer Branding als Erfolgsfaktor auf die Fahne geschrieben hat und wie es damit das Ruder herumreißen konnte, berichtet uns Andreas Nau, einer der drei Geschäftsführer. 

Eine Kletterwand im Büro

Wenn man das Foyer des 2016 erbauten Firmensitzes betritt, fällt der Blick zuerst auf eine 16 Meter hohe Kletterwand. „Wer eine Abwechslung vom Denken braucht, darf sich hier gerne austoben“, erläutert Andreas Nau die ungewöhnliche Ausstattung. Im ersten Stock bieten Slackline und ein Tischkicker Möglichkeiten für eine aktive Pause, oder aber man geht einfach mal eine Runde Joggen, so wie der Firmenchef es häufig tut. Bei schlechtem Wetter steht ein Laufband im Fitnessraum zur Verfügung. „Kreativität geschieht nicht unter Druck, sondern im Freiraum“, meint der Firmengründer. Deshalb ist es den Mitarbeitern von Easysoft freigestellt, wo und wann sie arbeiten und wie lange sie Pausen machen. „Natürlich braucht man da Vertrauen, aber das wurde noch nie missbraucht“, sagt Andreas Nau. 

Mitarbeitermotivation als Rettungsanker

Nach der drohenden Insolvenz wusste Nau, dass sich etwas ändern musste. Er erkannte, dass der Erfolg des Unternehmens maßgeblich von der Mitarbeitermotivation abhängt. Das ergab beispielsweise auch eine Studie von ManpowerGroup Deutschland aus dem Jahr 2018, nach der jeder zweite befragte Mitarbeiter seinen Job wechseln möchte, weil er mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden ist.

Laut der Gallup-Studie 2019 befindet sich die Motivationskurve deutscher Mitarbeiter im Sturzflug. Fast sechs Millionen Arbeitnehmer haben laut der Erhebung keine Bindung zum Unternehmen. 69 Prozent der Befragten beschränken sich auf Dienst nach Vorschrift, während der Großteil bereits innerlich gekündigt hat. In Zeiten des großen Arbeitsplatzangebots in der IT steigt so die Gefahr, dass die Kündigung auch wirklich ausgesprochen wird. Umso wichtiger ist es also, die besten Mitarbeiter zu finden und vor allem zu halten. Dies geschieht vor allem durch eine gesunde Unternehmenskultur.

Fünf Werte als Leitplanken 

Gemeinsam mit seinen Geschäftsführungskollegen Wilfried Hahn und Friedhelm Seiler entwickelte Andreas Nau Unternehmenswerte, an denen seitdem sämtliche unternehmerische Entscheidungen konsequent ausgerichtet werden: Bestleistung, Menschlichkeit, Gesunderhaltung, Wachstum und Entwicklung. 

Unter Bestleistung verstehen die Chefs nicht nur, jeden Tag einen Weltrekord zu laufen, sondern einfach heute sein Bestes zu geben. Die Mitarbeiter erhalten dazu die bestmöglichen Rahmenbedingungen: Vertrauensarbeitszeit, die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten und sich regelmäßig in sogenannten „Easy-Soft-Zeiten“ weiterzubilden und an Prozessen zu arbeiten, ohne vom Tagesgeschäft gestört zu werden. In regelmäßigen Scrum-Meetings werden Ziele besprochen und gemeinsam Strategien entwickelt, um diese auch zu erreichen. Daneben sind sportliche Pausen nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich erwünscht – ob an der Kletterwand oder im Fitnessraum.

Für die Mitmenschlichkeit, unter der Nau vor allem die Hilfsbereitschaft und den Zusammenhalt als Team versteht, sorgen Teamevents, organisiert vom Feel-Good-Manager des Unternehmens. Auch der regelmäßige Mittagstisch jeden Donnerstag in dem lichtdurchfluteten und großzügigen Gemeinschaftsraum im obersten Stockwerk präsentiert diese Werte: An diesem Tag schwingt Susanne Nau, Ehefrau des Geschäftsführers, die Kochlöffel und zaubert einen leckeren Mittagstisch für das komplette Team. Das Essen ist kostenlos, jeder Mitarbeiter darf aber einen Beitrag spenden – der Erlös geht jede Woche an gemeinnützige Spendenprojekte. 

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