Mythen-Check: Lässt sich Kreativität erlernen?
Kreativität lässt sich erlernen – wie, das zeigen wir Ihnen. © treenabeena — Adobe Stock

Mythen-Check: Lässt sich Kreativität erlernen?

Kreativität lässt sich nicht erlernen – oder etwa doch? Ein Experte hat 6 gängige Klischees über Ideenreichtum unter die Lupe genommen. Und er gibt Tipps für mehr Kreativität auch im Office-Alltag.

Viele Menschen sind jeden Tag kreativ und bemerken es gar nicht, sagt Dr. Hesamedin Ostad, Buchautor und Consultant für Creativity Engineering und Produktentwicklung. Denn beim Thema Kreativität denken die meisten Menschen eher an Kunst und Kultur, an Malerei, Musik oder Fotografie zum Beispiel. Tatsächlich ist Kreativität jedoch viel umfassender und findet durchaus auch im ganz „normalen“ (Job-)Alltag statt.

Wer sich dessen bewusst ist und sich mit dem Thema einmal etwas genauer auseinandersetzt, entdeckt plötzlich überall Raum für kreative Ideen. Wir müssen uns dessen nur bewusstwerden, sagt Dr. Hesamedin Ostad. Nicht selten hindern uns jedoch Klischees daran. Damit das nicht länger der Fall ist, hat er die gängigsten Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft und räumt mit falschen Vorstellungen auf.

Mythos Nr.1: Kreativität ist angeboren

Hinter dieser Vermutung steht die Vorstellung, dass manchen Menschen Kreativität schon in die Wiege gelegt worden ist. Kreativität, so die häufige Meinung, ließe sich nicht lernen. „Diese Annahme ist falsch. Kreativität liegt nicht in den Genen. Sie ist eine Fertigkeit, die sich jeder aneignen kann“, erklärt Dr. Hesamedin Ostad. Wer seine Kreativität fördern will, sollte in einem ersten Schritt seine Wahrnehmung schärfen. Es gilt, die Umwelt bewusster wahrzunehmen. Manchmal geschieht das ganz automatisch. Ist ein Thema für das eigene Leben aktuell, stehen alle Aspekte, die damit zu tun haben, plötzlich im Fokus der Aufmerksamkeit. Soll etwa das Wohnzimmer neu eingerichtet werden, ist der Möblierungsstil von Freunden ganz interessant. Wir nehmen die Reize, die es in der Umgebung schon immer gab, nun bewusst wahr.

Mythos Nr. 2: Kreativität schafft völlig neues

Dieser Mythos beruht auf einem populären Missverständnis. Etwas völlig Neues wird auch von kreativen Menschen nur selten erfunden. Vielmehr wird in der Regel etwas Bestehendes verbessert, und dabei geht es oft auch nur um Nuancen. Aber auch Detailveränderungen können durchaus große Effekte haben. Wird etwa bei einem Auto die äußere Form geringfügig variiert, kann sich das auf die Aerodynamik auswirken und den Sprit- bzw. Stromverbrauch bemerkenswert senken. Hinter dem Mythos steht die Annahme, dass für Kreativität nur ein Merkmal ausschlaggebend ist. Dr. Hesamedin Ostad erklärt jedoch: „Eine kreative Idee setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, sie ist zum einen neu und zum anderen zweckdienlich.“ Erst die Kombination aus Neuem und Zweckdienlichkeit erfülle eine kreative Idee mit Leben.

Mythos Nr. 3: Experten sind nicht kreativ

Viele Menschen glauben, dass Kreativität nur in bestimmten Berufen und Branchen gefragt ist, zum Beispiel in der PR- und Werbebranche. Eher abwegig ist für einige die Vorstellung, dass auch in Bereichen wie zum Beispiel Controlling, Buchhaltung und Ähnlichem Kreativität durchaus Sinn macht. „Dabei passiert genau das jeden Tag. Etwas Neues und Zweckdienliches zu entwickeln, ist für jedes Arbeitsgebiet und für jedes Lebensumfeld möglich“, erläutert Dr. Hesamedin Ostad.

Wahr ist aber auch: Zu viel Detailwissen führt zur Befangenheit. Es bildet eine Barriere und verstellt so den Blick auf unkonventionelle Lösungen. Das Denken „Out of the Box“ ist für Experten schwierig, aber keinesfalls unmöglich. Kreativitätstools und Input von fachfernen Kollegen können hier helfen. Die Schwäche der Experten ist aber gleichzeitig auch eine Stärke. Ihr Detailwissen ermöglicht es ihnen, bei der zweiten Komponente der Kreativität, der Zweckdienlichkeit, zu punkten. Mit ihrer Erfahrung können sie schnell beurteilen, ob eine originelle Idee umsetzbar ist. Denn nur dann ist eine kreative Idee wirklich gut.