Kreativität braucht heute jeder
Kreativität können Sie lernen, denn heute sind kreative Einfälle in nahezu jedem Beruf gefragt. © denisismagilov – Adobe Stock

Kreativität braucht heute jeder

Schöpferisches Denken ist längst nicht mehr Aufgabe einiger weniger „Kreativer“. Heute sind kreative Einfälle in nahezu jedem Beruf gefragt. Gut zu wissen: Kreativität können Sie lernen. Sie ist eine Frage der Übung, der Technik und der richtigen Voraussetzungen.

Von den über 100 Kreativitätstechniken, die seit den 50er-Jahren entwickelt und immer wieder variiert wurden, stellen wir Ihnen auf den folgenden Seiten drei vor: in direkt umsetzbaren Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Ziel dieser Techniken ist es, Sie in der Ideenfindung zu unterstützen – um einmal gezielt von vielfach durchdachten Lösungsansätzen abzuweichen und neues Wissen zu aktivieren. Sie werden feststellen, dass sich auf diese Weise ungeahnte Ergebnisse erzielen lassen.

Brainstorming: Schnell, einfach und vielseitig anwendbar

Jeder kennt die Kreativtechnik „Brainstorming“. Doch gerade ihr Ruf, eine „ganz einfache“ Technik zu sein, führt dazu, dass sie häufig nicht richtig angewendet wird. Dabei ist es immer noch die schnellste und effektivste Methode, um neue Ideen zu sammeln! Wenn Sie sich an den unten beschriebenen Ablauf halten, schaffen Sie sich automatisch Freiräume, um den Gruppenideen freien Lauf zu lassen.

Ablauf des klassischen Brainstormings: 4 Schritte

1. Methode vorstellen

Beginnen Sie die Sitzung, indem Sie das Prinzip dieser Technik erläutern:

  • Verdeutlichen Sie, dass es um spontane, assoziative Äußerungen und nicht um ausgefeilte Ideen geht. Um den Ideenfluss nicht zu behindern, wird die Bewertung der Einfälle zunächst bewusst ausgeklammert. Das Motto lautet: Quantität schafft Qualität.
  • Klären Sie die Teilnehmer über die (relativ knappen) Zeitvorgaben auf. So stellen Sie klar, dass bei dieser temporeichen Technik für lange Überlegungen oder ausschweifende Erklärungen kein Platz ist.

2. Das Problem formulieren

Eine wichtige Voraussetzung für passende Ideen ist die genaue Erfassung des Problemkerns. Planen Sie daher zu Beginn 15 bis 20 Minuten ein, um

  • das Problem vorzustellen,
  • in einer Fragerunde der Teilnehmer abzuklären, um welche Probleme es sich hier nicht dreht, und
  • das Problem gegebenenfalls neu zu formulieren und es für alle lesbar auf einem Flipchart /einer Tafel zu notieren oder auf einem Laptop mit Beamer.

Achten Sie jedoch auch darauf, dass das Problem nicht zerredet oder zu eng eingegrenzt wird. So stellen Sie sicher, dass nicht schon im Vorfeld die Zahl der Lösungsvarianten eingeschränkt wird.

3. Ideensuche – in 2 Phasen

Beginnen Sie Schritt 3 mit der Bitte um Spontanlösungen. Die Einfälle können laut in den Raum gerufen werden; das sorgt – anders als das Handheben – für Dynamik. Jeder Gedanke muss auf Flipchart oder Tafel festgehalten werden, denn Visualisierung regt den Ideenfluss an. In der Regel sind nach ein paar Minuten alle Lösungsideen gefunden, die „auf der Hand liegen“. Jetzt ist der Kopf frei für originelle Überlegungen, für fantasievolle Einfälle, die natürlich an die konventionellen Ideen anknüpfen können. Für diese entscheidende Phase, das eigentliche Brainstorming, werden gewöhnlich nicht mehr als 15 bis 20 Minuten veranschlagt; danach nimmt – das lehrt die Erfahrung – die Häufung von Einfällen stark ab.

4. Ideen-Auswertung

Die Bewertung der Ideen kann sowohl direkt im Anschluss als auch – zeitlich losgelöst – nach ein bis zwei Tagen erfolgen, und sie kann auch von einer anderen, „unbefangenen“ Gruppe vorgenommen werden

Kurzinfo Brainstorming 
Zeit:ca. 45 Minuten
Teilnehmer:variabel, optimal: fünf bis acht, maximal zwölf
Hilfsmittel:Flipchart, Tafel oder Laptop mit Beamer
Problemstellungen:nicht zu komplex, beispielsweise:
 • Suche nach Lösungen, Ursachen
 • Suche nach Gestaltungs ideen
 • Suche nach Themen/Namen/
 Werbeslogans
Einstufung:leicht

Ein schriftliches Protokoll über die gemeinsam entwickelten Ideen, dass jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin im Anschluss an ein Brainstorming erhalten, erhöht die Motivation für künftige kreative Teamsitzungen. Informieren Sie die Gruppe außerdem über die Auswertung der Ideen und Auswirkungen für den Betrieb (wie beispielsweise Kosteneinsparungen, Umsatzsteigerung). Diese Art von Anerkennung, die im Übrigen immer kollektiv erfolgen sollte, wirkt im Hinblick auf weitere Kreativarbeit sehr motivierend!

Solo-Brainstorming: Ideen sammeln ohne Kreativteam

Brainstorming können Sie auch allein anwenden. So gehen Sie dabei vor:

  1. Legen Sie Ihr Handy (mit Stoppuhr-Funktion) bereit. Nehmen Sie Papier und Stift oder ein Diktiergerät zur Hand.
  2. Denken Sie über den Kern des Problems nach, und suchen Sie nach einer exakten Formulierung. Schreiben Sie diese Problemstellung auf ein Blatt Papier, und heben Sie sie hervor (durch Unterstreichen, Ein rahmen etc.).
  3. Stellen Sie die Stoppuhr auf 20 Minuten.
  4. Notieren Sie nun alle spontanen Assoziationen untereinander. Lassen Sie sich dabei von Ihren Notizen immer wieder zu neuen Ideen inspirieren! Falls das Nachlesen der bisherigen Ergebnisse Ihren spontanen Ideenfluss eher stört, nutzen Sie zur Aufzeichnung das Diktiergerät.
  5. Halten Sie sich an die Zeitvorgabe, und beenden Sie Ihr Brainstorming, wenn die Zeit abgelaufen ist. Ein individuelles Brainstorming verführt schnell dazu, weit über das Zeitlimit hinauszugehen in der Hoffnung, doch noch den einen oder anderen genialen Einfall zu bekommen. Legen Sie lieber eine Erholungspause ein, und starten Sie im Anschluss einen neuen Versuch.

Brainwriting mit der Kärtchentechnik: Unkompliziert auch für Ungeübte

Die Kärtchentechnik ist auch für Personen, die bisher nicht mit Kreativitätstechniken gearbeitet haben, einfach zu praktizieren. Sie ist eine der Varianten des Brainwritings: Angelehnt an die Regeln des Brainstormings, werden hier ebenfalls spontane Assoziationen gesammelt – allerdings, anders als beim Brainstorming, in schriftlicher Form.

So wenden Sie die Kärtchentechnik an – 4 Schritte

1. Methode vorstellen Zunächst stellen Sie der Gruppe die Methode vor und nennen die Regeln:

  • Deutlich und lesbar schreiben (am besten in Druckschrift)!
  • Quantität ist wichtiger als Qualität!
  • Es muss absolute Stille herrschen!
  • Kurz und prägnant formulieren!

2. Problemstellung formulieren

Gehen Sie erst dann zu Schritt 3 über, wenn die Problemstellung klar umrissen ist, alle offenen Fragen geklärt sind und die Problemstellung für alle sichtbar an der Pinn- oder Magnetwand visualisiert wurde.

3. Ideenfindung

Jetzt bringen die Teilnehmer ihre spontanen Ideen zu Papier, und zwar jeden Gedanken auf ein eigenes Kärtchen. Sie haben dazu etwa 15 Minuten Zeit. Dann werden die Kärtchen eingesammelt und an den Pinn- oder Magnet wänden befestigt.

4. Ordnen der Ideen, optional: Ausarbeiten der Ideen

Anschließend erstellt die Gruppe gemeinsam Kategorien und ordnet die gesammelten Ideen. In einem weiteren Schritt können Sie eine der gefundenen Ideen auswählen, zu Ihrer neuen Problemstellung machen und ausarbeiten (ab Schritt 2)

Varianten der Kärtchentechnik

Mit den Ideen anderer arbeiten

Um den positiven Effekt der Gruppendynamik, nämlich die gegenseitige Inspiration, wenigstens im Ansatz zu nutzen, kann der Moderator die Kärtchen auch einsammeln, sobald sie beschrieben sind. Die Visualisierung an den Pinn- oder Magnetwänden noch in der Phase der Ideensuche ermöglicht es den Teilnehmern, Gedanken der anderen aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Nachteil: Die Anonymität der Einfälle kann verloren gehen.

Erfolgreiche Solo-Sitzung

Zwar ist auch die Kärtchentechnik nicht zur individuellen Anwendung erdacht worden, dennoch können Sie sie als Einzelperson nutzen. Besonders wenn Sie nicht nur Ideen finden, sondern diese anschließend auch gleich ordnen möchten, eignet sich die Technik hervorragend. Beachten Sie dabei:

  •  Wenn der Ideenfluss nachlässt, nutzen Sie Ihre bereits beschriebenen Kärtchen, um sich inspirieren zu lassen.
  • Halten Sie sich jedoch an die Zeitvorgabe von 15 Minuten. Hören Sie dann konsequent auf. Legen Sie lieber eine Pause ein, und starten Sie dann einen neuen Versuch.

Kurzinfo Kärtchentechnik 
Zeit:ca. 45 Minuten
Teilnehmer:vier bis zehn
Hilfsmittel: • ein bis drei Pinn- oder Magnetwände
 • 100 Kärtchen, Format 10 x 20 cm
 • genügend Nadeln bzw. Magnete
 • gleichfarbige Filzstifte für alle Teilnehmer
Problemstellungen:nicht zu komplex, beispielsweise:
 • Organisation von Veranstaltungen
 • Suche nach neuen Dienstleistungs-
 angeboten oder Produkten
 • Maßnahmen zur Verkaufsförderung
Einstufung:leicht

Brainstorming oder Brainwriting? Vor- und Nachteile der Techniken

Machen Sie Ihre Entscheidung, ob Sie Brainstorming (Wortbeiträge) oder Brainwriting (schriftliche Ideensuche) einsetzen, immer auch vom Charakter und der Zusammensetzung der Kreativgruppe abhängig. Vorteile der Kärtchentechnik (wie aller Brainwriting-Methoden) gegenüber dem Brainstorming:

  • Die Hemmschwelle, eigene Einfälle zu äußern, wird durch die schriftliche Form stark herabgesetzt. Das kommt besonders den eher introvertierten Gruppemitgliedern zugute, deren aktive Mitarbeit auf diese Weise gesichert wird.
  • Vorzeitige Kritik und Bewertung der Ideen werden von vornherein ausgeschlossen. Wenn Sie etwa genau wissen, dass einige Teilnehmer mit ihren spontanen Meinungsäußerungen schlecht „hinterm Berg“ halten können, dann sollten Sie sich für diese Methode entscheiden, da sie für Störungen solcher Art weniger anfällig ist.
  • Der schriftliche Weg ermöglicht ein ruhigeres, konzentrierteres Nachdenken. Er fördert den individuellen Denkprozess, bei dem das Niedergeschriebene zu weiteren Überlegungen anregt.
  • Die Fixierung der Ideen auf Kärtchen erleichtert das spätere Ordnen und Zusammenfassen. Bewertungs- und Entscheidungsprozesse werden formal vorbereitet.

Nachteil der Kärtchentechnik: Mit der Gruppendynamik verzichtet diese Kreativitätstechnik bei der Ideensuche auch auf die gegenseitige Anregung der Teilnehmer. Das kann dazu führen, dass der Ideenfindungsprozess als weniger dynamisch und inspirierend empfunden wird.

Die Reizbild-Methode: Mit Bildern kreatives Potenzial generieren

Die Reizbild-Methode funktioniert nach dem Prinzip der schöpferischen Konfrontation. Die Gruppenteilnehmer analysieren zunächst einmal Bilder, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden und eigentlich nichts mit dem Problemfeld zu tun haben. Danach versuchen sie, die gefundenen Kriterien auf die Problemstellung zu übertragen. Das Besondere: Im Unterschied zu Wörtern vermitteln Bilder komplexere Inhalte auf anschauliche Weise. Sie geben daher viele und nachhaltige Anregungen.

So wenden Sie die Reizbildmethode an – 6 Schritte

1. Die Methode erläutern

Erklären Sie den Teilnehmern Ihrer Runde, worum es bei der Reizbild-Methode geht.

2. Das Problem definieren

Stellen Sie das Problem vor, und finden Sie gemeinsam mit den Teilnehmern eine möglichst exakte Formulierung dafür. Zeit: etwa zehn Minuten

3. Die Bilder zeigen

Nun können Sie mit der Anwendung der Reizbild-Methode beginnen. Dazu teilen Sie entweder vorbereitete Mappen mit Bildern aus, befestigen größere Gemälde oder Poster an einer Magnettafel oder visualisieren die Bilder per Beamer. Wichtig ist, dass alle Teilnehmer das jeweilige Bild deutlich vor Augen haben.

Bei der Wahl der Bilder sollten Sie berücksichtigt haben, dass

  • für die Lösung technischer Probleme eher Motive gegenständlicher Natur hilfreich sind (wie Gießkanne, Kamera, Kugelschreiber),
  • bei nicht technischen Problemen sinnhafte Bildinhalte (Motive mit Menschen, Naturdarstellungen) gute Reizqualitäten haben.

4. Die Bilder beschreiben

Fordern Sie die Kreativrunde auf, das erste Bild genau zu betrachten und es auf sich wirken zu lassen. Dann sollen die Teilnehmer das Abgebildete beschreiben.

Dabei helfen Fragestellungen wie:

  • Was zeigt das Bild?
  • Wie ist das Abgebildete dargestellt?
  • Bei Gegenständlichem: Welches sind seine Funktionen/besonderen Merkmale?
  • Bei sinnhaften Bildern: Welches ist die Hauptaussage? Welche Wirkung erzielt sie beim Betrachter?
  • Welche einzelnen Bestandteile beeindrucken besonders?
  • Wie wirken Farben und Formen?
  • Woran erinnert das Dargestellte?
  • Welche Gefühle weckt es?
  • Welche Fantasien löst es aus?

Notieren Sie alle Äußerungen nacheinander an der Tafel/auf dem Flipchart. Beenden Sie die Analyse des ersten Bilds, wenn alle spontanen Gedanken erfasst sind, und gehen Sie dann zur Interpretation des nächsten Bildes über. Diesen Vorgang wiederholen Sie, bis alle vorbereiteten Abbildungen besprochen wurden. Zeit: 20 bis 30 Minuten.

Kurzinfo  Reizbild-Methode 
Zeit:ca. 90 Minuten
Teilnehmer:variabel; optimal: sechs bis acht
Hilfsmittel: • Flipchart/Magnettafel mit Zubehör
 • Laptop/Beamer zum Zeigen der Bilder
 • drei bis sechs Bilder
 • gleichfarbige Filzstifte für alle Teilnehmer
Problemstellungen:beispielsweise
 • Planung von Veranstaltungen
 • Suche nach neuen Nutzergruppen/Kunden-
 kreisen
 • Regelung von Konflikten
Einstufung:mittlere Schwierigkeit

5. Nach Verknüpfungen suchen

Jetzt heißt es, Verknüpfungen zwischen dem eben Beschriebenen und dem bekannten Problemfeld herzustellen. Wiederholen Sie an dieser Stelle die Problemstellung, die es zu lösen gilt. Lenken Sie das Augenmerk der Sitzungsteilnehmer dann auf die Beschreibungsinhalte des ersten Bildes: Sie sollen nun als Anregungen für die Entwicklung von Lösungsideen dienen. Fragen Sie beispielsweise:

  • Was haben die beschriebenen Funktionen des dargestellten Gegenstands mit unserem Problem zu tun?
  • Welche Merkmale der abgebildeten Natur können unserer Problemlösung dienen?

Fordern Sie die Runde auf, das Ideenfeld möglichst weit zu stecken. Gedanken wie „Das ist weit hergeholt“ dürfen die Ideenfindung nicht blockieren, sondern sollten im Gegenteil als Ansporn gelten! Erst wenn der Ideenfluss stockt, gehen Sie zur nächsten notierten Bildbeschreibung über. Diesen Vorgang wiederholen Sie so oft, bis zwischen jeder Bildbeschreibung und der Problemstellung Zusammen hängeerarbeitet und somit Anreize zur Lösung des Problems – ob sinnvoll oder nicht – geschaffen wurden. Zeit: 20 bis 30 Minuten.

6. Die Ergebnisse diskutieren, Lösungsansätze auswählen

Abschließend diskutieren Sie mit den Teilnehmern die Ergebnisse und entscheiden gemeinsam darüber, welche Ideen sich als Lösungsansätze eignen. Zeit: 10 bis 15 Minuten.