Neue Arbeitswelten: Wie Sie jetzt ankommen – und durchstarten
„Die Entwicklung erfordert einen anderen Typ Assistentin als früher.“ Linda Christin Düsedau, Senior Assistant bei Hapag-Lloyd © Thies Raetzke

Neue Arbeitswelten: Wie Sie jetzt ankommen – und durchstarten

Mitten im Veränderungsprozess schon nach der nächsten Herausforderung Ausschau halten: Das ist echte Zukunftsorientierung. Und eine wichtige Haltung für alle, die in ihrem Job gefragt bleiben wollen. Zwei Assistentinnen und eine Wissenschaftlerin erzählen über Next Work.

New Work, dieser ohnehin nicht wirklich neue Begriff, verheißt längst keine Abenteuer mehr: Immer mehr Firmen erproben neue Strukturen, Regeln, Tools und Techniken, um sich agiler, schneller und moderner aufzustellen. Die Pandemie hat den Wandel noch beschleunigt. Kommunikation über Distanzen hinweg wurde zur zwingenden Notwendigkeit, das Homeoffice ein selbstverständlicher Aspekt veränderter Arbeitsstrukturen. Vielerorts stellte sich dabei heraus, dass das Umdenken und Umorganisieren gar nicht so schwierig ist wie zuvor geglaubt. Doch wie wird es weitergehen nach dem Digitalisierungsschub der letzten Monate, wenn New Work allmählich zum New Normal geworden ist?

Aktuell laufe in vielen Unternehmen die Debatte über eine Rückkehr an den Arbeitsplatz, sagt die Wissenschaftlerin Dr. Anne-Sophie Tombeil vom Fraunhofer Institut: „Wir sind noch in einem Nebeneinander von alter und neuer Arbeitskultur. Man dachte, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien froh darüber, wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Doch manche haben sich zuhause agil aufgestellt und wollen nicht mehr zurück ins Büro. Persönliches Erscheinen wird folglich etwas Besonderes sein. Firmen werden den Schritt begründen müssen.“ Anne-Sophie Tombeil arbeitet am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart und leitet und moderiert Projekte, in denen es um digitale Transformation geht.

SMART SERVICE ALS ASSISTENZ-TOOL DER ZUKUNFT

Von daher weiß sie, dass viele Menschen Angst haben, durch Digitalisierung und selbstlernende Programme (KI) ihren Job einzubüßen. „Jahrelang hieß es, durch Künstliche Intelligenz würden ganze Berufsbilder verschwinden. Dabei wurden aber Zahlen einer frühen Studie fehlinterpretiert, was leider immer noch in vielen Köpfen ist“, erklärt sie. Auch entwickle sich KI etwas weniger dynamisch als es oft dargestellt werde. So wird KI ihrer Einschätzung nach zumindest in den nächsten fünf bis zehn Jahren nur begrenzte Routinetätigkeiten übernehmen, im Office beispielsweise Archivierung oder Abrechnungen. Doch gepaart mit Dienstleistung, einer der absoluten („aber leider immer noch unterschätzten“) Stärken von Assistentinnen, werde KI auch im Büro zum Smart Service der Zukunft.

SICHTBAR WERDEN AUCH IN DER ERSTEN REIHE

„Schon heute entfallen durch die Automatisierung von Prozessen Aufgaben oder werden einfacher“, beobachtet Birgitt Hückel, Executive Assistant bei Siemens Healthineers in Erlangen, die Entwicklung. Zum Beispiel, wenn die Unterschriftenmappe überflüssig wird, weil die Signatur des Chefs elektronisch erfolgt oder wenn der Vorgesetzte das Buchen von Flügen und Reisekostenabrechnungen per Smartphone selbst erledigt.

Birgitt Hückel sieht darin eher eine Chance als eine Gefahr für den Berufsstand – vorausgesetzt Assistentinnen nutzen und gestalten die gewonnene Zeit und Freiräume aktiv: „Es liegt in ihrer eigenen Verantwortung, sich nach neuen Aufgaben umzusehen.“ Ihr Chef, Head of Finance von zwei Geschäftseinheiten, gibt ihr dafür den nötigen Freiraum. Dazu gehöre Offenheit verbunden mit der Bereitschaft, sich in eine neue Materie richtig reinzuknien und sich zusätzliche Kompetenzen anzueignen. Das gelte auch für ältere Kolleginnen: „Wer meint, er könne die Entwicklung aussitzen und bis zur Rente weitermachen wie bisher, täuscht sich.“

Assistentinnen hingegen, die sich entsprechend weiterbilden, könnten viel mehr in die operative Arbeit einbezogen werden. Birgitt Hückel entschied sich deshalb im Alter von 49 Jahren, bei der IHK das Aufbaustudium zum Wirtschaftsfachwirt zu machen, der Abschluss Bachelor Professional of Business (CCI) ist einem Bachelor-Abschluss gleichgestellt. Den Lehrgang zog sie in nur neun Monaten statt zwei Jahren berufsbegleitend durch, investierte dafür Freizeit und Jahresurlaub. Und verbucht es als eine sehr bereichernde Erfahrung: „Die jüngeren Teilnehmer taten sich zwar leichter beim Lernen, dafür konnte ich auf meiner Berufserfahrung aufbauen. Über meinen Schatten zu springen, etwas Neues zu wagen, gab mir unglaublich viel Auftrieb. Und meine Tätigkeit ist dadurch viel abwechslungsreicher geworden.“

CHANGE MANAGEMENT GEHÖRT DAZU

Neben den klassischen Assistenzaufgaben gehört heute die Arbeit im Change Management dazu. Auf vier unterschiedlichen Ebenen im Konzern wirkt Hückel an der Implementierung von New Work mit. Erste Erfahrungen im Bereich Projektarbeit konnte sie schon in der Vergangenheit sammeln, als sie in ein Lean-Management-Projekt zum Thema „Workflow Bestellwesen“ berufen wurde. Gespräche mit einer Kollegin brachten sie zudem auf die Idee, sich in den Managementtechniken „Strukturierte Problemlösung“ sowie „Hoshin Kanri“ weiterzubilden. Außerdem empfahl diese Kollegin sie für ein exzellentes Frauennetzwerk, in dem Birgitt Hückel selbst ein Projekt starten will, sobald sie sich eingearbeitet hat.

Weiterbildung kostet Zeit und Geld. Mit einer Unterstützung des Unternehmens, etwa in Form eines Zuschusses, geht es etwas leichter. Sich dann nicht abspeisen („Das ist nicht im Budget eingeplant“), aufs nächste Jahr oder eine andere Maßnahme vertrösten lassen, sondern für seinen Wunsch einzustehen und etwas einzufordern, erfordert Mut, gute Argumente und Entschlossenheit. Und noch eine Erkenntnis hat Birgitt Hückel in ihrem persönlichen Entwicklungsprozess gewonnen: „Wer Teil von New Work und daraus resultierend Next Work werden und selbst mehr gestalten möchte, wird sichtbarer, was sehr positiv ist, denn die Assistenz ist oft nicht sichtbar und wird unterschätzt.“ Für Assistenzen, die bisher gewohnt waren, nur hinter und nicht neben dem Chef zu stehen, erst einmal ungewohntes Terrain.

 

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