Netzwerk-Strategien: Weil es ohne nicht mehr geht
Viele Frauen assoziieren Networking immer noch mit dem Bilden undurchsichtiger Seilschaften und angestrengtem Smalltalk. Dabei öffnet der Austausch neue Perspektiven. - © Santa Gustina

Netzwerk-Strategien: Weil es ohne nicht mehr geht

Ob Frauen jemals an den Männern vorbeiziehen, ist ungewiss. Sicher aber ist: Networking steigert den eigenen Erfolg und fördert das große Ganze. Wer das erkannt hat, setzt nicht länger auf Klischees, sondern auf Kooperation.

„Wer heute noch denkt, dass man sich als Einzelkämpferin oder Einzelkämpfer nach oben durchboxen kann, wird bald auf verlorenen Posten stehen, vor allem in der neuen Arbeitswelt“, sagt Tijen Onaran. Die Start-up-Beraterin hat sich als erfolgreiche Netzwerkerin im digitalen Bereich national wie international einen Namen gemacht. Mindestens ebenso sehr wie gute Leistungen zählt es, nach außen sichtbar zu werden, den Austausch zu suchen und Kontakte zu pflegen, zumal für Assistentinnen.

„Chefassistentinnen wird es immer geben, aber ob Team- und Projektassistentinnen, das ist die Frage“, so Gabriele Cerwinka aus Wien. Oberstes Gebot in Zeiten der Digitalisierung sei heutzutage Job Enrichment. Die Devise lautet deshalb: Raus aus der Komfortzone und nach zusätzlichen Einsatzfeldern suchen. Wer sich gut vernetzt und gemeinsam mit anderen Ideen für Projekte entwickelt, die sowohl einem selbst wie der Firma nutzen, ist klar im Vorteil.

Männerclubs haben eine lange Geschichte

Doch für manche Menschen hat Netzwerken nach wie vor kein gutes Image. Sie assoziieren undurchsichtige Seilschaften damit, angestrengten Smalltalk auf Veranstaltungen, und Karrieristen, die nur auf ihren Vorteil bedacht sind. Linda Becker, Entrepreneur, Unternehmensberaterin und systemischer Coach aus München bedauert diese Sichtweise. Netzwerken mache Spaß, findet sie: „Es ist doch um ein Vielfaches einfacher und inspirierender, sich weiterzuentwickeln, wenn man sich Menschen sucht, deren Stärken die eigenen ergänzen, als ständig auf vermeintliche Schwächen zu schielen und zu versuchen, sie zu überspielen.“

Männer scheinen damit weniger bis keine Probleme zu haben. In der Firmenmannschaft Fußball spielen, nach der Arbeit mit Kollegen ein Bier trinken gehen und im Idealfall lebenslang von ihren Bündnissen profitieren – ganz normal. Als ehemalige Headhunterin hat Linda Becker miterlebt, wie solche Männerbündnisse eifersüchtig verteidigt werden. So blieb einer Top-Managerin, der der Aufstieg in die Führungsetage gelang, der Zutritt zum Club der männlichen Kollegen versperrt. Auch das hat vermutlich historische Gründe.

Männerclubs gab es schon vor der industriellen Revolution. Frauen zogen erst viele Jahre später nach. Karrierebewusste Männer sind oft konsequenter bei der Sache als Frauen. Sie überlegen sich, wo sie in ein, zwei Jahren beruflich stehen wollen. Kontakte sind für sie Steigbügel zum Erfolg. „Netzwerktreffen lassen sie deshalb selten sausen. Sie wissen, wie wichtig sie für die Karriere und das eigene Vorankommen sind. Frauen hingegen denken oft sehr effizient und entscheiden sich für das Meeting XY, statt zum Netzwerk-Treffen zu gehen, das aber genauso wichtig ist“, merkt Linda Becker kritisch an.

Ein Ziel setzen und loslegen

Stimmt die Chemie mit einer anderen Teilnehmerin nicht, ist das für manche Frauen durchaus ein Argument, einem Treffen fernzubleiben. „Männer sehen das deutlich sportlicher und nutzorientiert. Sie nehmen nicht alles wörtlich, was gesprochen wird, und gehen einfach davon aus, dass schon jemand anderes zum Austausch dabei sein wird“, so Gabriele Cerwinka. Ihrer Erfahrung nach haben Frauen oft auch zu hohe Erwartungen. Es muss schon ein besonderer Rahmen sein, mit Einladung und Tagesordnung, sonst kommen sie nicht, während Männern auch ein informelles Beisammensein, wie das gemeinsame Bier unter Kollegen, in einer Kneipe genügt.

Der kleine, aber feine Unterschied: Am Tresen sitzt dann auch der eine oder andere Chef, denn Männerbündnisse reichen über die Hierarchien. Und da wird es fürs Fortkommen erst interessant, während Frauen auch beim Netzwerken Wert auf Gleichheit, Symmetrie und gegenseitige Sympathie legen und damit die Tendenz haben, unter sich zu bleiben. Das mag das eine oder andere Mal hilfreich sein, wenn man sich seinen Ärger oder Kummer (der böse Chef, die schlimmen Kollegen …) von der Seele reden möchte. Doch ob einen ein Lamentierclub auf Dauer weiterbringt?

„Überlegen Sie sich, wohin Sie das Netzwerk führen soll, stoßen Sie einen konstruktiven Austausch an, bei dem etwas entsteht. Und wenn Sie dabei auf der Stelle treten, machen Sie im Zweifel eher einen Cut“, rät Linda Becker.

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