Mit der Zeit gehen
„Es erfordert Mut, etwas Neues zu wagen.“ – Svenja Hofert, Management- und Karriereberaterin

Mit der Zeit gehen

Change-Prozesse, neue Vorgesetzte, Umstrukturierungen: Damit wir auf Veränderungen im Job positiv reagieren können, müssen wir lernen, umzudenken. Das ist anspruchsvoll, aber machbar. Wie es geht, verrät eine Expertin.

Neues als Chance begreifen, das hört sich zunächst einmal gut an. Doch wenn die Veränderungen tatsächlich da sind, reagieren Gefühl und Verstand leider oft ganz anders. Das Gehirn findet auf einmal gute Gründe, warum doch alles beim Alten bleiben sollte, und in der Bauchgegend rumort es. Abwehr ist oft die erste Reaktion, bei vielen macht sich sogar Angst breit.

„Das ist verständlich, denn Gewohntes und Bewährtes gibt Sicherheit“, weiß Management- und Karriereberaterin Svenja Hofert. Doch damit schaden sich die Betroffenen selbst. Denn Change-Prozesse und die fortschreitende Digitalisierung verlangen den Arbeitnehmern von heute einiges an Anpassung ab. Alle müssen lernen, sich auf Neues einzustellen, wenn sie weiter in ihrem Job bestehen wollen. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum jeder an sich selbst arbeiten sollte: Wer es nicht tut, beraubt sich wertvoller persönlicher Entwicklungsmöglichkeiten. Mit jeder neuen Herausforderung wächst der gedanklich Flexible, wird stärker. Und das ist einfach ein gutes Gefühl.

Neues wagen

Svenja Hofert weiß, wie sich das Denken umstellen lässt. „Aber es erfordert Mut, etwas Neues zu wagen“, sagt sie. Denn jeder muss es selbst angehen und kann nicht erwarten, dass andere ihn dazu auffordern oder dabei unterstützen. Es ist übrigens keineswegs so, dass vor allem ältere Menschen sich schlechter auf Veränderungen einstellen können. Es kommt vielmehr auf die Persönlichkeit und das daraus resultierende (Arbeits-)Leben an. Wer 30 Jahre beim gleichen Arbeitgeber den gleichen Job macht, tut sich womöglich schwerer, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein. Doch auch das ist möglich. Es ist nur höchste Zeit für das folgende Zwei-Stufen-Programm mit schnell greifenden Sofortmaßnahmen und einer langfristigen Strategie.

Der erste Schritt sorgt für Spaß: Tun Sie einfach mal etwas, was Sie noch nie gemacht haben. Es muss nichts Spektakuläres wie Fallschirmspringen oder Bergsteigen sein. Vielmehr kommt es darauf an, dass Sie sich einer ungewohnten Situation stellen. Das kann beispielsweise ein Tanzkurs sein, wenn Sie noch nie einen Schritt aufs Parkett gesetzt haben. Aber: „Gehen Sie die Sache ohne konkrete Erwartungshaltung an“, rät Svenja Hofert. Ihr Leben wird sich nicht auf einen Schlag komplett ändern. Zunächst geht es nur darum, sich ein Stück weit aus der eigenen Komfortzone herauszubegeben. Die langfristige Strategie: Erstellen Sie einen Plan mit neuen Aktivitäten und setzen Sie ihn in den nächsten Monaten um. Dabei fangen Sie mit Tätigkeiten an, die Sie nur wenig Überwindung kosten. Erst nach und nach wagen Sie etwas komplett Neues.

Alte Muster ablegen

Weiter geht es mit Schritt zwei. Hier gilt es, veraltete Denkmuster aufzuspüren und zu deaktivieren. Das ist gar nicht so einfach, da diese tief in unserem Unterbewusstsein verborgen sind. Das Problem: Im Laufe des Lebens bilden sich viele solcher Muster heraus und sie haben oft länger Bestand, als es für uns gut ist.

Beispielsweise, wenn jemand glaubt, nicht gut lernen zu können, weil er in der Schule schlechte Noten hatte: Daraus resultiert nicht selten eine Versagensangst, die die Bereitschaft, sich später im Job weiterzubilden, deutlich einschränken kann. Das Gedankenmuster aus der Vergangenheit – „Ich kann mir nicht gut neues Wissen aneignen“ – führt in der Gegenwart dazu, dass Chancen nicht wahrgenommen werden. Ist das Muster erst einmal erkannt, kann es abgelegt werden.

Die Sofortmaßnahme: Suchen Sie in Ihrem Berufsalltag eine Situation, in der Sie ein veraltetes Denkmuster daran hindert, das zu tun, was Sie eigentlich wollen und für richtig halten. Einen Anhaltspunkt bieten alle Begebenheiten, die ein schlechtes Gefühl bei Ihnen auslösen, ohne dass Sie sich das sofort erklären können. Langfristig sollten Sie Ihr Kommunikationsverhalten und Ihre Entscheidungen immer wieder daraufhin überprüfen, ob ein überholtes Denkmuster zugrunde liegt. Wenn Sie es sich bewusst machen, können Sie sich leichter davon lösen.

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