So verschaffen Sie sich Respekt!
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So verschaffen Sie sich Respekt!

Die gläserne Decke bleibt für Frauen in der Arbeitswelt existent. Für Office-Professionals möglicherweise noch mehr als für andere, weil die Wertschöpfung des Berufes noch nicht transparent genug ist. working@office sprach mit Lutz Herkenrath, Schauspieler und Trainer, über Durchsetzungsstrategien und erfolgreiches Auftreten.

w@o: Woher weißt Du als männlicher Schauspieler, was bei Frauen im Berufsleben falsch läuft?

Lutz Herkenrath: Schauspieler lernen von Berufs wegen viel über positive Aggression und ich gebe seit mehr als 15 Jahren Seminare in Unternehmen zum Thema Durchsetzungsstärke und das tatsächlich zum größten Teil für Frauen.

w@o: Woran liegt es, dass Frauen im Beruf ihre positiven Aggressionen anders einsetzen als Männer?

Lutz Herkenrath: Frauen scheuen sich eher, diese Kraft offen einzusetzen, und das liegt unter anderem an Erwartungen an dieses Geschlecht aus der Erziehung und der Gesellschaft heraus. Natürlich ist die Welt nicht immer so schwarz-weiß, aber grundsätzlich ist diese Sichtweise der Gesellschaft, die sich auch auf die intrinsische Motivation und Haltung jeder Einzelnen niederschlägt, relativ eindeutig.

 

w@o: In wie vielen Generationen haben wir diesen Zustand denn überwunden?

Lutz Herkenrath: Ich sehe schon, dass viele junge Frauen sehr viel selbstbewusster sind und bereit sind, wo nötig, eine Grenze zu setzen. Wenn wir als Gesellschaft dazu bereit sind, unsere Sichtweise zu verändern, dann vielleicht vier Generationen und das wäre in jedem Fall zu lange. Wir können es uns nicht leisten, dass wir die Hälfte der Bevölkerung exzellent ausbilden und dann am Ende in den Entscheidungsprozessen nicht angemessen beteiligen.

 

w@o: Was rätst Du Frauen, die ihre Durchsetzungsfähigkeit stärken wollen? Womit startet ein Coaching hierzu?

Lutz Herkenrath: Da geht es immer um das Bild von Frauen zum Nettsein. Wir überprüfen gemeinsam, wo kommt diese Verpflichtung her, wem bin ich in dieser Angelegenheit verpflichtet. Oft steht dahinter die Sorge, dass die anderen mich nicht mehr mögen, wenn ich widerspreche. Und da liegt das größte Missverständnis, denn ich muss im Beruf nicht geliebt oder gemocht werden, sondern ich brauche Respekt. Das verwechseln einige Menschen und wenn man das vermischt, dann verrutschen die Kriterien. Ich fordere meine Teilnehmer und Teilnehmerinnen in Übungen immer auf, einem anderen Seminarteilnehmer eine Grenze zu setzen. Frauen haben einfach Angst, als zickig zu gelten, darum geht es aber gar nicht beim Grenzen setzen. Praktischer Tipp für Assistenzkräfte, wenn das mein Gegenüber sagt: „Wenn Zickigkeit bedeutet, dass ich meine Interessen vertrete, dann bin ich sehr gerne für Sie zickig.“ Das braucht natürlich auch Schlagfertigkeit und die darf ich im Vorwege üben.  

 

w@o: Assistenzkräfte delegieren oft im Namen des Vorgesetzten, das heißt grundsätzlich müssen sie schon ein gewisses Maß an Durchsetzung für ihren Job borgen. In dem Fall ist die Autorität geliehen und das funktioniert manchmal nicht. Was rätst Du in diesem Fall?

Lutz Herkenrath: Wenn das nicht funktioniert, dann deshalb, weil der Chef oder die Chefin der Assistenz nicht die Rückendeckung dafür gibt, die sie benötigt. In dem Fall müsste die Assistenz aber der Führungskraft genau diese Aufgabe zurückgeben, weil sie vom Vorgesetzten nicht die Kompetenz dafür erhält. Dann ist es die Aufgabe der Assistenz sich diese aktiv einzufordern. Hinzu kommt, dass viele Frauen oft nicht in Hierarchien denken. Sie denken eher, dass wir alle am gleichen Strang ziehen, dass wir alle das Beste für die Firma wollen. Männer denken zuerst: Wo stehe ich in der Hierarchie und wo steht mein Gegenüber. 

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