Wie Sie auch mit anstrengenden Kolleginnen und Kollegen souverän umgehen
Im Job geht es oft um Sachfragen. Damit diese geklärt werden können, muss die Beziehung auf einer soliden Basis ruhen – hier ist gegenseitiger Respekt gefragt.

Wie Sie auch mit anstrengenden Kolleginnen und Kollegen souverän umgehen

Es gibt wohl keine berufliche Laufbahn ohne Begegnungen mit anstrengenden Kolleginnen und Kollegen. Bitte nicht verzweifeln: Ein souveräner Umgang mit ihnen lässt sich durchaus trainieren. Zwei Experten erklären, wie – und was man dabei über sich selber lernt.

Es gibt Menschen, die lösen durch ihr Verhalten regelmäßig emotionale Beben aus. Allein ihre Anwesenheit im Büro ist anstrengend. Die Zusammenarbeit mit solchen Kollegen scheint unmöglich zu sein. Dennoch müssen wir mit ihnen klarkommen. Wie kann das funktionieren? „Zuerst müssen Sie sich von der Vorstellung lösen, dass Sie den Anderen ändern werden. Das ist schlicht nicht möglich. Machen Sie sich bewusst, dass Sie nur Ihre eigene Einstellung und Ihr eigenes Verhalten beeinflussen können“, erklärt Andrea Lienhart, Businesscoach, Supervisorin und Sachbuchautorin.

Auch Martin Wehrle, Karriereberater und Sachbuchautor, rät zu dieser Taktik: „Wenn Sie Ihr Denken und Handeln ändern, bringen Sie etwas in Bewegung. Sehen Sie schwierige Kollegen als eine Herausforderung, die es zu bewältigen gilt.“

PERSÖNLICHES ODER STRUKTURELLES PROBLEM?

Doch warum nehmen wir einige Kollegen überhaupt als besonders strapaziös wahr? „Das hat etwas mit der eigenen Persönlichkeit, den eigenen Werten und Erwartungen zu  tun“, erläutert Martin Wehrle. Oft gehen einem besonders die Menschen auf die Nerven, die völlig anders ticken als man selbst. Andrea Lienhart spricht von Antitypen.

Ein Beispiel: Da gibt es den Kollegen, der total chaotisch arbeitet, während das eigene Vorgehen stets strukturiert ist. „Die Antitypen lösen Stress aus, weil sie uns unsere Grenzen aufzeigen. Sie machen deutlich, dass wir andere nicht steuern und kontrollieren können“, erklärt Andrea Lienhart. Manchmal sind es aber auch gerade die Bedürfnisse und Verhaltensweisen, die man sich selbst nicht zugesteht, die wütend auf andere machen.

Fast in jedem Team gibt es beispielsweise einen Kollegen, der sich immer die interessantesten Aufgaben herauspickt und sich dann für die Ergebnisse feiern lässt. Währenddessen erledigen andere die langweiligen, aufwändigen Routinearbeiten, ohne Lob des Vorgesetzten. Entsprechend negativ wird dieser Kollege von den anderen Teammitgliedern wahrgenommen. Nachahmenswert ist so ein egoistisches Verhalten sicher nicht. Doch der Ärger über den Kollegen kann ein Hinweis auf den eigenen Wunsch nach mehr Anerkennung sein, nach einem Bedürfnis also, das womöglich allzu häufig dem sozialen Frieden im Team unterordnet wird.

Nicht selten haben Konflikte, die auf die Persönlichkeit eines Kollegen zurückgeführt werden, ihre Ursache aber auch in einem strukturellen Problem. Wenn beispielsweise zwei Kollegen immer wieder in Streit darüber geraten, wer welche Aufgaben zu erledigen hat, kann das einfach daran liegen, dass die Kompetenzbereiche nicht deutlich genug voneinander abgegrenzt sind. Das gilt es zu erkennen. In diesem Fall sollten die strukturellen Probleme gelöst werden.

WIE GESPRÄCHE WIRKEN

Grundsätzlich gilt es beim Umgang mit schwierigen Kollegen zu beachten: Im Job geht es zwar um Sachfragen. Damit diese aber geklärt werden können, muss zuerst die Beziehung auf einer soliden Basis ruhen. Das heißt keineswegs, dass alle sich sympathisch sein müssen. Vielmehr ist gegenseitiger Respekt gefragt. Dabei genügt es nicht, diesen wortreich zu bekunden. „Unser Gegenüber spürt sehr wohl, wer es wirklich ernst meint. Wir haben sehr feine Antennen dafür, ob wir akzeptiert werden, so wie wir sind“, sagt Andrea Lienhart.

Funktioniert das Miteinander auf der Beziehungsebene, müssen die Konflikte angesprochen werden. Und zwar möglichst früh, also am besten, bevor sie eskalieren und vielleicht nur noch mit externer Hilfe gelöst werden können. „Viele schrecken vor einem klärenden Gespräch zurück, weil es unangenehm ist und niemand weiß, wie es verlaufen und wie es ausgehen wird“, erklärt Andrea Lienhart. Das ist zwar richtig, doch es gibt viel zu gewinnen: Aus einem schwierigen Menschen kann ein kooperativer Kollege werden.

Damit das gelingt, empfiehlt Andrea Lienhart, drei Aspekte zu beachten. Der erste Punkt ist die Konzentration auf die Tatsachen. Wer schwierige Situationen anspricht und nur Fakten aufzählt, hält den Dialog am Laufen. Die meisten Menschen neigen jedoch dazu, schon in eine Beschreibung Interpretationen und Bewertungen einfließen zu lassen. Reine Fakten dagegen, wie beispielsweise die Aussage „Sie haben den Quartalsbericht nicht wie vereinbart am 31. abgegeben“, muss der Gesprächspartner anerkennen und kann zu ihnen Stellung nehmen.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist es, sich auf die Lösung zu fokussieren. Vorwürfe bringen Sie und Ihre Kollegen nicht weiter. Nehmen Sie sich ein Beispiel am Navi im Auto: Es berechnet einfach eine neue Route, wenn Sie sich verfahren haben. So kommt das Ziel wieder in Sicht. Der dritte Tipp: Richten Sie den Blick auch auf Stärken. Denn auch der schwierigste Kollege hat bestimmt eine Eigenschaft oder positive Verhaltensweise, die Sie an ihm schätzen. Perfektionisten beispielsweise sind eine ideale Urlaubsvertretung, da sie garantiert alle anfallenden Aufgaben sorgfältig erledigen. 

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