Wie Corona den Assistenzberuf ändert
In den vergangenen Pandemie-Monaten waren es oft gerade die Assistenzkräfte, die mit ihrem Fähigkeiten-Mix den Laden am Laufen hielten.

Wie Corona den Assistenzberuf ändert

Statistisch gesehen war 2020 kein optimales Karrierejahr für Assistenzberufe: Es gab weniger Stellen, Kurzarbeit und die Verdienstmöglichkeiten haben gelitten. Deutlich gestiegen sind die Kompetenzen – und damit das Potenzial für einen Karriereschritt in die Zukunft.

Vorab eine etwas bittere Pille: „In der Corona-Zeit zwischen April 2020 und Dezember 2020 ist der Arbeitsmarkt im Assistenz-Bereich eingebrochen“, berichtet Sophie Descollaz-Dunkel, Geschäftsführerin des auf Assistenzdienstleistungen spezialisierten Personaldienstleisters PLU Tuning für den Chef. Das bestätigen auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Die Behörde hat von Januar bis November 2020 in ausgewählten Assistenzberufen im Schnitt 25,3 Prozent weniger offene Stellen registriert, in Branchen wie Tourismus sogar noch mehr.

Speziell die Empfangsrolle ist überflüssig geworden in der Zeit, in der weniger Besucher in den Büros und die Belegschaft im Homeoffice war, ergänzt Kathrin Schmitz, Senior Director bei Page Personnel: „In diesem Segment mussten wir einen Rückgang von fast 100 Prozent verzeichnen. Der gehobene Assistenzbereich hingegen ist weiterhin relevant: Die Personal-Assistant-Rolle hat für systemrelevante Stellen auf Geschäftsleistungsniveau immer noch eine große Bedeutung.“

MEHR AUFGABEN, WENIGER GELD

Erst gegen Ende des Jahres zog der Markt wieder an, sagt Sophie Descollaz-Dunkel. Allerdings: „Die wenigen Stellen, die in Q2 und Q3 offen ausgeschrieben waren, wurden auch in der Dotierung extrem eingeschränkt.“ Wie extrem? „Wo wir früher 80.000 Euro im Jahr für eine Vorstandsassistenz in München realisieren konnten, lag plötzlich die Grenze bei 60.000 Euro.“ PLU hat im Pandemie-Jahr zudem beobachtet, dass Stellen weniger spezifischer wurden. Statt Teamassistenz oder Geschäftsführungsassistenz kam die Anfrage: „Teamassistenz/Geschäftsführerassistenz“, also eine Mischung aus beidem. Das lief komplett konträr zu den Anfragen vor Corona, so die PLU-Geschäftsführerin.

Kein gutes Jahr also für Wechselwillige. Auch Office-Professionals in Festanstellung mussten teilweise kürzer treten. Vor allem im mittleren Level der Teamassistenz/Office Manager sei der Anteil von Kurzarbeit recht hoch gewesen wegen der geringeren Präsenz der Mitarbeiter in den Büros, meint Kathrin Schmitz von Page Personnel. Allerdings keineswegs überall, und 100 Prozent Kurzarbeit gab es für Assistenzkräfte offenbar eher selten.

Zwar betraf Kurzarbeit im Corona-Jahr 2020 Mitarbeiter in fast allen kaufmännischen Berufen. Doch „bei Assistenzfachkräften hing es sehr stark von den täglichen Aufgaben und der Branche ab, ob sie tatsächlich in Kurzarbeit gehen mussten“, erklärt Adrian Kandel, Vice President Temporary Services DACH bei der Robert Half Deutschland GmbH. Der Personalvermittler registriert hier schon wieder eine positive Tendenz: „Für 2021 sehen wir bereits über alle Branchen hinweg, dass Unternehmen planen, ihre Assistenzmitarbeiter wieder mit der regulären Arbeitszeit einzusetzen.“

PANDEMIE-EFFEKTE AUF DEN ASSISTENZBERUF

Tatsächlich lohnt sich zudem ein Blick vorbei an der reinen Job-Statistik, direkt in den Markt. Experten zufolge zeigen sich offenbar gerade bei Assistenzberufen recht interessante Pandemie-Effekte. Was die Assistenzkräfte bis Anfang 2020 in der Regel vor Ort erledigt haben, habe sich nun in den virtuellen Raum verlagert, sagt Adrian Kandel. Sie organisieren Meetings online und stimmen sich auch virtuell mit Vorgesetzten und Kollegen ab. „Sie sind oft diejenigen im Unternehmen, die sich mit Videotelefonie und -konferenzen am besten auskennen und die die Möglichkeiten, wie zum Beispiel Screen-Sharing, beherrschen.“ Kollaborations-Tools wie Teams, Trello, Asana, OneDrive oder OneNote haben plötzlich alle genutzt und mussten in der Zusammenarbeit koordiniert werden. Diese Aufgabe haben oft Assistenzen übernommen.

Und so waren es in den vergangenen Monaten oft gerade die Assistenzkräfte, die mit ihrem Fähigkeiten-Mix den Laden am Laufen hielten. Sophie Descollaz-Dunkel: „Assistenzen wurden oft als Facilitator eingesetzt.“ Sie haben ihren Kollegen und Kolleginnen erklärt, wie Videokonferenzen oder digitale Ablagen funktionieren. Sie mussten zum Teil neue Tools einführen und standen als First-Level-Support für IT-Rückfragen zur Verfügung. „Demnach mussten sie sich also selbst, falls noch nicht geschehen, erstmal in die neuen Tools einarbeiten“, so die PLU-Chefin.

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