Menschen stark machen
Seit sechs Jahren ein Team: Zweimal die Woche setzen sich Assistentin Franziska Rotthat und ihr Chef, Martin Becker, zu einem Jour fixe zusammen. „Spaß an der Arbeit”, das ist beiden wichtig.

Menschen stark machen

Als die Kauffrau für Büromanagement zur Assistentin des Geschäftsführers wird, ist sie gerade erst Zwanzig. Die Herausforderung motiviert sie: Gezielt bildet sie sich weiter, was bei der IWL gGmbH geradezu Programm ist – mit einem ganz besonderen Hintergrund.

Wie viel Zufriedenheit und sogar Glück ein Arbeitsplatz bedeuten kann, erlebt die junge Assistentin der Geschäftsleitung jeden Tag. Und zwar nicht nur an ihrem eigenen Schreibtisch im ersten Stock der Hauptverwaltung. Ihr Arbeitgeber, die IWL gGmbH, ermöglicht Menschen mit und ohne Behinderung am Berufsleben teilzunehmen, mit gegenseitiger Unterstützung. Wie sehr sich darüber vor allem die Menschen freuen, die mit einem Handicap durchs Leben gehen, sei es psychisch oder körperlich, das ist für Franziska seit mittlerweile zehn Jahren ein besonders schöner Aspekt ihres Berufslebens.

 

„Menschen mit einer Behinderung gehen gern zur Arbeit“, sagt sie. Selbstverständlich ist diese Teilhabe am Berufsleben leider noch nicht. Das Wort Inklusion hat zwar Hochkonjunktur, doch die Umsetzung ist längst noch nicht überall Realität. Dass es richtig gut funktionieren kann, wenn Menschen mit und ohne Handicap in Teams zusammenarbeiten, zeigen Organisationen wie die IWL Werkstätten für behinderte Menschen im bayerischen Landsberg am Lech. Insgesamt 700 Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten an den verschiedenen Standorten in Starnberg und München, in den Werkstätten, aber auch in anderen Unternehmen, dann im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung.

 

Die Produktionsbereiche sind seit der Gründung der Organisation vor mehr als 40 Jahren stetig gewachsen. Es gibt eine Schreinerei und zwei eigene Möbelsysteme, eine Werkstatt für Metallverarbeitung, einen Catering-Service, Garten- und Landschaftsbau, Hygiene und Elektromontagen. Ziel ist ein möglichst breites Aufgabenspektrum, das den Menschen mit ihren verschiedenen Fähigkeiten, aber eben auch Einschränkungen möglichst viele Optionen bietet, sich einzubringen.

 

Als Franziska Rotthat sich mit 17 Jahren und dem Abschluss einer Wirtschaftsschule hier um eine Ausbildung zur Bürokauffrau bewarb, war ihr das Besondere ihres zukünftigen Arbeitgebers „noch gar nicht so klar“. Doch schnell spürt sie: „Hier ist eine ganz besondere Stimmung. Die Freude an der Zusammenarbeit, an dem Miteinander, an den kleinen und großen Erfolgen der Menschen hier, die vermittelt sich einfach.“

Ein Jahr lernen für die Fachwirtin

Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement, die sie mit einer Einskommanull abschließt, wird Franziska Rotthat zunächst in die Buchhaltung übernommen. Ein Jahr später kommt die Riesen-Chance: Die Assistenzstelle der Geschäftsleitung wird frei. Die Kauffrau für Büromanagement wird gefragt, ob sie die Aufgabe übernehmen möchte, sie sagt Ja. Mit knapp Zwanzig ist das sicher mutig. Doch Herausforderungen und Unterstützung gehören hier, wo Menschen sehr individuell gefördert und eingesetzt werden, zum Programm.

In einer solchen Atmosphäre kann man etwas wagen – und sich selbst etwas zutrauen. Zunächst bei einem Interims-Chef, ab 2014 dann bei dem heutigen Geschäftsführer Martin Becker, arbeitet sie sich schrittweise in das klassische Aufgabenspektrum im Umfeld einer Geschäftsleitung ein. Was ihr noch fehlt an Qualifikationen – oder was sie gern einbringen möchte – eignet sie sich in Fortbildungen an. 2013 absolviert sie einen Lehrgang zur „Team-Assistentin“, 2017 kommt die „Management-Assistentin“ oben drauf, und 2018 noch mal was richtig Großes, „Fachwirtin für Büro- und Projektorganisation“. Das bedeutet ein Jahr lang zweimal die Woche zum Unterricht, jeden Mittwoch und jeden Samstag. Das halbe Wochenende weg, ständig ein Lernpensum zu erledigen, auf eine Prüfung hinarbeiten – leicht fiel das der Geschäftsführungsassistentin nicht immer. Denn den anspruchsvollen Joballtag gab es ja schließlich auch noch. „Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt die Fachwirtin, weil sie damit die Tiefe und Vielseitigkeit eines Assistenzberufs nun ganz und gar einbringen kann.

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