Mein Büro, dein Büro
Office-Beruf mal zwei – Angela Parker und Tochter Tanja Parker haben den gleichen Chef – und erzählen doch von unterschiedlichen Jobs. © Frederik Dulay

Mein Büro, dein Büro

Wenn man den eigenen Beruf guten Gewissens der eigenen Tochter empfiehlt, muss schon was dran sein an dem Berufsbild. Zum Beispiel gute Perspektiven, die beide Office-Workerinnen beim gleichen Arbeitgeber, dem Studierendenwerk Heidelberg, für sich umsetzen. Ein Doppelporträt der besonderen Art – und mit einem ganz besonderen Kompliment.

Die eine ist Frühaufsteherin und bezeichnet sich als „graue Eminenz“, die andere schläft morgens gern ein bisschen länger und spricht von sich als „Rampensau“: Wer hier wer ist, ist sicherlich nicht schwer zu erraten. Angela Parker, 57, „Assistenz Abteilungsleitung“, quittiert den etwas derben Begriff aus dem Show-Biz mit einem nachsichtigen Lächeln. Und Tanja Parker, 29, „Sachbearbeiterin Studentisches Wohnen“, ist mit ihrem Temperament ganz offenbar im Reinen. Mutter und Tochter, zwei, die sich gut verstehen – so gut, dass sie sich gegenseitig streckenweise sogar den beruflichen Weg ebnen konnten.

Ein Büro-Job ist Familientauglich

Zusammen kommen die beiden auf knapp 40 Jahre Berufserfahrung im Büro. Ein gutes Stück Office-Geschichte also, das in dieser Jubiläumsausgabe von working@office etwas über die Veränderungen in diesem Beruf erzählt, und über die Stärken dieses Berufsbildes. Für Angela Parker lag eine dieser Stärken Anfang der Neunziger Jahre zunächst vor allem darin, dass ein Büro-Job „normale“ Arbeitszeiten ermöglichte – anders als ihr eigentlicher Beruf als Hotelfachfrau. „Wir waren nach gut zwei Jahren Auslandseinsatz meines Mannes in den USA nach Deutschland zurückgekehrt, es stand also ohnehin ein Neubeginn an. Als mein Sohn 18 Monate alt war, entschloss ich mich, bei einer Zeitarbeitsfirma als Bürokraft anzufangen“, erzählt die gebürtige Oldenburgerin, „1993 wurde dann eine Festanstellung daraus, als Assistentin bei einem Maschinenbauunternehmen.“

Von da an blieb sie dem Office-Beruf treu und arbeitete in den folgenden Jahren als Assistenz auf unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen bei verschiedenen international ausgerichteten Unternehmen, meist in den Bereichen Maschinenbau oder der Logistik. Von Großraumbüro bis Vorzimmer war so ziemlich jede Konstellation dabei, meist in Verbindung mit einem männlichen Vorgesetzten, zwischendurch gab es auch mal eine Chefin. Als sie schließlich als Assistentin der Geschäftsleitung miterlebte, wie sehr der wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens auch die eigene berufliche Entfaltung beeinflussen kann, entschloss sie sich mit 55 Jahren noch einmal zu einem Wechsel. Und da kam dann Tochter Tanja ins Spiel.

Wunsch und Wirklichkeit

Tanja Parker wurde im März 1992 in Frankenthal, Rheinland- Pfalz geboren, Bruder Michael war zwei Jahre zuvor zur Welt gekommen. Nach der Mittleren Reife startete Tanja zunächst eine Ausbildung als Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung, doch damit fühlte sich das junge Mädchen nicht wohl. Weiterlernen hieß es deshalb erst einmal, an der berufsbildenden Schule Wirtschaft II Ludwigshafen, mit dem Schwerpunkt Sprachen und Bürokommunikation. Im Juni 2011 schloss sie mit der Fachhochschulreife ab.

An ihren eigentlichen Träumen für ihre berufliche Zukunft gingen diese soliden Ausbildungen jedoch alle ein ganzes Stück weit vorbei, denn Tanja wollte – tanzen. Das hatte sie als Kind begonnen, mit Leidenschaft und mit Erfolg. Sie nahm an Meisterschaften teil, an vielen Workshops, gehörte schließlich zur Showtanz-Truppe im Karneval. „Ich bin ein Auftrittskind“, sagt sie, und ein klein wenig Bedauern ist nicht zu überhören, wenn sie von ihrer Liebe zur Bühne erzählt. Denn ein Beruf wurde aus dieser Liebe nicht, 2011 begann Tanja Parker mit einer Ausbildung zur Bürokauffrau beim Studierendenwerk Heidelberg, wo sie während ihrer Zeit an der Berufsbildenden Schule BBS II bereits ein Praktikum absolviert hatte.

Seit 2014 arbeitet sie nun im Sachgebiet Studentisches Wohnen und kümmert sich in der Hauptsache um die Vermietung von Wohnheimen mit rund 800 Bettplätzen. Dazu gehört neben der Klärung aller Fragen um die Vermietung auch viel Konfliktmanagement. Schließlich geht es für die jungen Leute, die sich beim Studierendenwerk um eine Unterkunft bewerben, um nichts weniger als ein Dach über den Kopf – und Heidelberg ist eine beliebte Universitätsstadt mit deutlich mehr Studierenden als Studentenwohnungen.

„Mein Job ist es, den Leuten eine Bleibe zu suchen“, sagt Tanja Parker, „und in dieser Rolle bin ich oft viel mehr als ‚nur‘ Sachbearbeiterin. Da bin ich auch mal Therapeutin, Mutter oder Detektivin“ – je nachdem, mit welchen Menschen und welcher Herausforderung sie es zu tun hat. „Gewisse Studiengänge kann man den Leuten regelrecht ansehen!“, lacht sie.

Ein Chef, zwei Berufsprofile

Tanjas Vorgesetzter ist Carsten Sokoll, Leiter der Abteilung Facility Management beim Studierendenwerk Heidelberg. Dass sich die gebürtige Pfälzerin in ihrer Abteilung seit mittlerweile zehn Jahren so wohl fühlt, hat auch mit ihm zu tun, „die Chemie stimmt einfach“. Wie entscheidend wichtig das Zwischenmenschliche für die Jobzufriedenheit ist, hatte Angela Parker in ihrer langen beruflichen Office-Karriere hinlänglich erfahren. Deshalb horchte sich auf, als ihre Tochter von einer freien Stelle im Facility Management erzählte: „Meine Tochter wusste damals, dass ich eine neue Stelle suchte, und schwärmte mir von ihrem Abteilungsleiter vor, sodass ich mich bewarb. Tanja lag mit ihrer Einschätzung genau richtig, wie die Vorstellungsgespräche zeigten. Herr Sokoll und ich arbeiten sehr gut miteinander.“

Seit 2019 haben nun beide den gleichen Chef. Tanja Parker ist Sachbearbeiterin in der Abteilung von Diplom-Ingenieur Carsten Sokoll, ihre Mutter Angela Parker ist Assistentin des Abteilungsleiters Facility Management. Neben den üblichen Assistenzaufgaben ist sie Ansprechpartnerin für die Auszubildenden, die die Abteilung durchlaufen, im September hat sie dafür extra ihren Ausbilderschein gemacht. Außerdem kümmert sie sich um das Thema Weiterbildung für die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Abteilung und organisiert beispielsweise Inhouse-Seminare.

Sie werde auch bei der Beurteilung von Bewerbungen für die Abteilung hinzugezogen, erzählt die 57-Jährige, und seit ein paar Monaten schreibt sie in Kooperation mit ihrem Chef einen Newsletter für die Abteilung, die auf verschiedene Standorte verteilt ist. „Der Newsletter soll dazu dienen, den Zusammenhalt in der Abteilung zu stärken und zu informieren.“

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