Klassischer Beruf, kreativer Kopf
„Ich habe immer einen Plan B und einen Plan C. Das kann anstrengend sein, aber das kriege ich aus mir nicht mehr raus.“ Torsten März, Personal Assistant von Nathalie Bausch, CEO/COO bei DWS Luxembourg S. A. © Martin Leissl

Klassischer Beruf, kreativer Kopf

Jede Woche pendelt der persönliche Assistent vier Stunden zu seinem Arbeitsplatz – nach Luxemburg, wo die weltweite Vermögensverwaltung DWS mit der DWS Investment S. A. ein internationales Office hat. Was ihn in seinem anspruchsvollen Job antreibt, erzählt er hier.

Zur Finanzwelt hat er schon lange einen guten Draht, spätestens, seit Norbert Walter sein Chef wurde. Der ehemalige Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, der die eher nüchterne Geldpolitik oft genug durchaus unkonventionell kommentierte, machte den gelernten Fremdsprachensekretär 2001 zu seinem persönlichen Assistenten. Neun Jahre für Professor Walter, der im Jahr 2012 überraschend verstarb, und achtzehn Jahre insgesamt hat Torsten März, 48, für die Deutsche-Bank-Gruppe gearbeitet und mit wechselnden Führungskräften ein Team gebildet.   

Vertrautheit und Respekt

Seit April 2019 arbeitet er nun als Personal Assistant für Nathalie Bausch. Wenn er von ihr spricht, hört man eine große Vertrautheit und zugleich einen ehrlichen Respekt heraus. „Sie war die erste Vorständin von Deutsche Bank Luxembourg, bevor sie bei DWS Luxembourg CEO/COO und Head of Human Resources DWS EMEA (ex. UK & Germany) wurde“, erzählt er (mit EMEA ist der Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika gemeint, Anm. der Redaktion).  

Die Image-Pflege für seine Chefin kommt aus dem Herzen: „Während ich bei anderen Chefs immer etwas Zeit brauchte, haben wir uns sofort verstanden. Wir sind einfach vom selben Stern.“ Es braucht in der Regel nicht mehr viele Worte zwischen den beiden, wenn der Tag mal wieder super hektisch verläuft, geplante Termine durch dringende andere ersetzt werden müssen.  

Schokolade für die Seele

„Manchmal fällt morgens sprichwörtlich nur ein Dominostein und der gesamte Tag muss innerhalb von kurzer Zeit völlig umgestellt werden. Viele ‚Kleinigkeiten‘ werden plötzlich groß, und währenddessen hört ja das Telefon nicht auf zu klingeln, die E-Mails kommen weiter rein und plötzlich geht eine Videokonferenzanlage nicht mehr. Meine Chefin verlässt sich auf mich, dass alles reibungslos läuft“, und zwischendurch gibt es schnell mal eine Tasse Kaffee und etwas Schokolade für die Seele.  

Torsten März sieht sich nicht nur als Personal Assistant, er sieht sich auch als Kollege, Vertrauter, Freund, Zuhörer, Lösungsfinder. Ist Nathalie Bausch geschäftlich unterwegs, hat er das Smartphone immer griffbereit, „es braucht nur einmal zu klingeln, schon bin ich dran“. Dann werden in zwei Minuten E-Mails besprochen, der Tag geplant und Aufgaben verteilt. Schnelles Reagieren ist gefragt, und natürlich eine verlässliche Struktur im Office. „Ich habe immer einen Plan B und einen Plan C“, das findet er zwar selber anstrengend, „aber das kriege ich aus mir nicht mehr raus.“   

 

Wichtiger Ideengeber

Natürlich sei das manchmal stressig, zumal er noch drei weiteren Vorständen hilft, wenn Not am Mann ist. Und dennoch, genau das mag er an seinem Job, erklärt der gelernte Fremdsprachensekretär, „die ganze Organisation, aus dem Hintergrund steuern, die Fäden in der Hand halten, alles im Blick haben“. Nathalie Bausch weiß das zu schätzen, aber da ist noch mehr. Auch ihr Respekt vor der Arbeitsleistung von Torsten März hat einen weiteren Aspekt:

„In der Zusammenarbeit mit meinem Assistenten ist mir Vertrauen und Verlässlichkeit das Wichtigste. Im Rahmen meiner verschiedenen Funktionen bekommt Herr März hier selbstverständlich sehr viele Informationen mit, die er stets mit Diskretion handhabt. Wir haben außerdem eine sehr offene Kommunikation und sprechen auch regelmäßig über unsere gegenseitige Erwartungshaltung. Für mich ist es außerdem sehr wichtig, ein diverses Team zu haben. Damit meine ich nicht nur männliche und weibliche Kollegen und Kolleginnen oder unterschiedliche Altersgruppen, was eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Was ich als sehr inspirierend empfinde, sind unterschiedliche Denkweisen. Es hilft mir oft, unsere Aufgaben aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und so zu guten Lösungen zu kommen.“  

Für den Assistenten ist es die zweite Chefin in seiner rund 25-jährigen beruflichen Laufbahn. Die erste war eine bekannte Anwältin, von 2013 bis 2016 weltweite Compliance-Verantwortliche bei der Deutschen Bank, auch sie eine wunderbare Persönlichkeit – etwas, was für Torsten März mittlerweile fast schon zum Wunschprofil eines Traumjobs gehört. Denn das verschafft in der Regel auch ihm den Freiraum, den er für seine eigene berufliche Entfaltung braucht, mit viel Kreativität, Selbstständigkeit und dem gewissen Etwas.  

Für unkonventionelle Lösungen und die eine oder andere kleine Verrücktheit ist der gebürtige Lampertheimer immer zu haben. So entwarf er während seiner Zeit bei dem Chef-Volkswirt der Deutschen Bank beispielsweise den Newsletter „Ein Fall für Walter“ und war für 74 Ausgaben verantwortlich, ein Gewinnspiel für die Homepage des Finanz-Stars stammte ebenfalls aus seinem Ideenschatz – „ich konnte mich dort kreativ richtig ausleben, das war genau richtig für mich.“