Ein sehr authentisches Job-Gefühl
Elisabeth Haupt, Executive Assistant: „Ich nehme wahr, dass Unternehmen immer öfter Office-Leistungen outsourcen. Trotzdem sehe ich für das Modell Assistenz weiterhin eine große Notwendigkeit: Es braucht immer eine Person, die im Office-Umfeld smart mitdenkt.“ © Bernhard Haselbeck

Ein sehr authentisches Job-Gefühl

Eine sichere Angestelltenkarriere einfach an den Nagel hängen und den Sprung in die Selbstständigkeit wagen? Wenn dieser „Sprung“ gut vorbereitet ist, kann das richtig gut werden. Was noch wichtig ist, wenn das Leben plötzlich eine andere Richtung nehmen soll, erzählt die Assistentin hier.

Die Tante hat es schon immer gewusst: „Du wärst die perfekte Selbstständige“, bestärkte sie ihre Nichte, wenn das Gespräch auf deren berufliche Zukunft kam, „bei so viel intrinsischer Motivation!“ Tatsächlich fiel es der gebürtigen Brandenburgerin, Jahrgang 1978, immer schon leicht, sich Ziele zu setzen und dann alles zu geben, um sie zu erreichen. Gelohnt hat es sich jedenfalls, denn die berufliche Karriere, die die Abiturientin nach einem Jahr Leben und Arbeiten in London und New York startete, brachte sie schnell voran.

Nach der Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau begann sie als Teamassistentin beim Technologieunternehmen Canon. Nach einer Work & Travel-Zeit in Südafrika, einer berufsbegleitenden Ausbildung zur Event-Managerin und Fortbildungen zur Diplom-Managerin (beim Arbeitgeber Nestlé) und zur internationalen Projekt-Managerin gelangte sie schließlich bis in die Vorstandsetage beim Verbandsriesen ADAC. Da war sie Ende Dreißig und eine erfolgreiche Allrounderin in einem Top-Management-Umfeld.

 

Der Mut wuchs mit persönlichen Erfahrungen

Doch dann gingen ihr die Ziele aus, zumindest solche, die ihr neue Horizonte erschlossen hätten, meint Elisabeth Haupt rückblickend: „Ein weiterer Aufstieg, zum Beispiel in Richtung Aufsichtsrat, hätte wahrscheinlich nicht wirklich viel Neues mit sich gebracht.“ Dennoch war der Traum von der Selbstständigkeit noch nicht wirklich greifbar. „Mein Job machte mir ja Freude und ich war eigentlich überzeugt, irgendwann bei einem Konzern in den Ruhestand zu gehen.“

Aber da war eben auch noch etwas anderes neben dieser vermeintlichen Gewissheit, und es waren persönliche Erlebnisse, die aus dem vagen Gefühl einen Richtungswechsel formten. Ihre Reiseleidenschaft hatte sie schon oft nach Kapstadt, Südafrika, geführt und von einem dieser Trips, es war ein etwas längerer Aufenthalt, kam sie mit einem anderen Blick auf das Wesentliche zurück. „Ich hatte die Natur dort sehr intensiv wahrgenommen, es gab wichtige menschliche Begegnungen, und ich fühlte mich unglaublich frei.“ Auf dem Flug zurück kam erstmals der Gedanke „mach dein eigenes Ding“.

Als wenig später die Großmutter in hohem Alter starb – „ich habe ihre letzten Stunden begleitet und habe dabei viel reflektiert und nachgedacht“ – reifte schließlich der Entschluss, etwas zu ändern in ihrem Leben. „Ich hatte plötzlich den Mut dazu und dachte mir, ‚du hast doch nichts zu verlieren, es gibt immer eine Lösung‘“. Einige gute Freunde, die bereits selbstständig arbeiteten, weihte sie in ihre Pläne ein und bekam begeistertes Feedback: „Super! Du musst einfach nur machen …“

Vom "Konzernkind" zur Gründerin

Die Vorstandsassistentin „machte“ und startete planmäßig, überlegt und bestens vorbereitet in die Selbstständigkeit („Ich war auch als Angestellte immer schon der 150-Prozent-Typ“). Zunächst nebenberuflich mit kleineren Aufträgen, die sie an den Abenden und am Wochenende erledigen konnte, und mit einem Gründungs-Coaching bei der IHK Bayern. Ein Businessplan entstand: „Alle Fragen kamen auf den Tisch, zur Unternehmensrechtsform, zum Marktpotenzial, zur USP- und Zielgruppendefinition, zu möglichen Vertriebskanälen, Steuern und so weiter. Etwaige herausfordernde Themen wurden beleuchtet, Marktrisiken, Investitionsaufwand …“

Gemeinsam analysierte und kalkulierte man ideale Umsatzziele sowie den Stundensatz, der in der Selbstständigkeit erforderlich ist, um nicht etwa in die Falle Selbstausbeutung zu geraten. „Das alles war und ist bis heute überaus hilfreich.“ Im Dezember 2018 war es schließlich so weit, Elisabeth Haupt startete offiziell als „Virtuelle Persönliche Assistenz“, ein knappes Jahr vor dem Pandemie-Ausbruch.

Darüber ist die Gründerin rückblickend sehr froh: „Einfach deshalb, weil es noch echte Netzwerkmöglichkeiten gab, mit realen Begegnungen.“ Sie nutzte die Möglichkeiten reichlich, tauschte sich aus in Business-Zirkeln, in Wirtschafts- und Unternehmensverbänden, mit anderen Unternehmern und Selbstständigen. Mit Corona verlagerte sich das Netzwerken komplett ins Virtuelle, und auch ihr Business-Konzept litt unter den plötzlichen Kontaktbeschränkungen. Was zunächst als Office- und als Event-Management gestartet war – „fifty-fifty“ –, verschob sich nun mehr oder weniger ausschließlich in den Office-Bereich.

Das bedeutete natürlich auch für die selbstständige Assistentin viel Homeoffice und Video-Meetings. Doch ihre Befürchtung, mit Corona in ein Auftragsloch zu geraten, war zum Glück unbegründet. Schnell zeigte sich, wie gut man auch remote zusammenarbeiten kann, „mit großer Verlässlichkeit sogar“, und bis heute kennt Elisabeth Haupt die wenigsten ihrer Auftraggeber aus tatsächlichen Begegnungen. „Momentan läuft alles komplett remote. Ich kenne nur wenige meiner Klienten aus realen Begegnungen, aber über die intensive Zusammenarbeit hat man eben doch das Gefühl, man kennt sich und ist sich vertraut.“

 

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