Echte Förderung statt Femwashing? Daran erkennen Sie Gleichbehandlung
18 % verdienen Frauen in Deutschland durchschnittlich weniger als Männer. Die sogenannte Gender-Pay-Gap, die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen, sank im Jahr 2020 leicht von vormals 19 % auf 18 %. ©ink drop — Adobe Stock

Echte Förderung statt Femwashing? Daran erkennen Sie Gleichbehandlung

Viele Unternehmen sprechen von Equal Pay und Chancengleichheit. Doch in vielen Firmen wird noch nicht ernsthaft versucht, die Ungleichheit von Frauen und Männern zu minimieren. working@office fragte eine HR-Expertin, woran man Femwashing erkennt und welche Rahmenbedingungen es für echte Gleichstellung benötigt.

Der Begriff Greenwashing ist mittlerweile geläufig. Unternehmen nutzen bis heute politische Themen, um durch reines Marketing ein positives Image zu erzielen. Aktuell ist Feminismus einer dieser Trends, den Unternehmen gerne dazu nutzen, um vermeintliches Interesse zu heucheln, obwohl die Realität im Unternehmen eine ganz andere ist.

Ina Meyer ist HR-Direktorin bei Berlitz in Deutschland, bei dem Unternehmen für sprachliche und fachliche Weiterbildung sind 78 Prozent der Angestellten Frauen, davon 27 Prozent Frauen in Teilzeit. 72 Prozent der Führungspositionen sind mit Frauen besetzt. Wir haben Ina Meyer gefragt, wie eine Kultur für tatsächliche Gleichstellung aussieht.

w@o: Auf welche Weise erwecken Firmen den Anschein, als ob sie die Leistung von Frauen und Männern gleich entlohnen würden, ohne dies tatsächlich zu tun.

Ina Meyer: Firmen versuchen – übrigens genauso wie Personen – sich immer im besten Licht darzustellen. Das ist völlig natürlich. Wenn, wie seit einigen Jahren, das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz als Thema erkannt wird, mit dem ich mich als Firma oder Person besser positionieren kann, dann wird das getan. Ob das dann in der Realität immer so umgesetzt wird oder auch umgesetzt werden kann, ist eine völlig andere Frage. Deshalb entstand daraus der Begriff „Greenwashing“. Beim sogenannten „Femwashing“ greifen die gleichen Prinzipien, nur dass die Schlagwörter andere sind, nämlich „Gleichstellung“ und „Lohngerechtigkeit“.

w@o: Wie lässt sich diese Ungleichheit ändern?

Ina Meyer: Studien zufolge werden Frauen oft schlechter bezahlt als Männer. Oft kennen Beschäftigte die Grundlage für ihren Lohn nicht. Somit fällt auch die Einschätzung schwer, ob für die gleiche Arbeit der gleiche Lohn gezahlt wird. Allerdings gibt es hier einen guten, praktischen Ansatz, und zwar das „Entgelttransparenzgesetz“. Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten müssen auf Anfrage erläutern, nach welchen Kriterien sie wie bezahlen.

Wir bei Berlitz sind in diesem Punkt sehr transparent gegenüber unseren 650 festangestellten Beschäftigten. In der Weiterbildungsbranche arbeiten traditionell eher mehr Frauen als Männer, während es beispielsweise im Maschinenbau genau umgekehrt ist. Als einziger Weiterbildungsdienstleister in Deutschland haben wir einen Haustarifvertrag mit der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft abgeschlossen, der klare Richtlinien für die Bezahlung beinhaltet. Dazu kommt bei uns ein hoher leistungsbezogener Faktor. Der ist selbstredend unabhängig vom Geschlecht.

w@o: Was können Firmen tun, um die tatsächliche Gleichberechtigung sowie die gleiche Entlohnung von Frauen und Männern umzusetzen?

Ina Meyer: Jedes Unternehmen ist seines eigenen Glückes Schmied. Wer auf Frauen verzichtet, weil sie vielleicht schwanger werden oder „nur“ in Teilzeit arbeiten, schränkt die Auswahlmöglichkeit und Vielfalt an Talenten freiwillig ein. Und wer Frauen schlechter bezahlt als Männer, wird damit erreichen, dass sie zu einem anderen Unternehmen wechseln, wenn sich ihnen eine Chance bietet. 

 

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