Chef-Mythen im Wahrheits-Check
Ein Vorgesetzter entscheidet heute nicht mehr alles im Alleingang. © Santa Gustina

Chef-Mythen im Wahrheits-Check

Es gibt viele gängige Vorstellungen davon, wie ein idealer Vorgesetzter zu sein hat. Aber sind sie überhaupt (noch) zutreffend, und sollte sich eine Führungskraft nicht durch andere Skills auszeichnen? Eine Expertin klärt auf.

Führungskräften wird gerne alles Mögliche angedichtet – wie sie ticken, was sie auszeichnet und welche Eigenschaften für ihren Erfolg verantwortlich sind. Das sind doch alles Mythen aus längst vergangen Tagen – oder etwa nicht? Karrieretrainerin Uta Michels, Mitinhaberin des Coaching-Unternehmens Michels & Ruppert, hat die sieben gängigsten Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft.

NR. 1: ALS LEADER WIRD MAN GEBOREN

Wohl kaum ein Chef-Mythos hält sich so hartnäckig wie dieser: Zur Führungskraft müsse man geboren sein. Was bei diesem Glaubenssatz mitschwingt, ist die Annahme, dass sich Führungskompetenz nicht erlernen lässt. „Das ist schlicht falsch“, sagt Uta Michels. „Richtig ist zwar, dass es Menschen gibt, denen es aufgrund ihrer Persönlichkeit leichter fällt, eine Führungsposition auszufüllen. Aber auch sie benötigen das richtige Handwerkszeug, um gute Führungskräfte zu sein.“ Bei diesen „geborenen“ Führungskräften handelt es sich um Menschen, die schnell und intuitiv Entscheidungen treffen. Ihre „Ich weiß, was wir machen“-Einstellung ermöglicht es ihnen, bei plötzlich auftretenden Problemen rasch zu handeln.

Das ist im Businessumfeld oft von Vorteil. „Aber dieses Persönlichkeitsmerkmal allein genügt nicht. Führungskompetenz ist vielfältiger. So muss der schnelle Entscheider seine Anweisungen auch kommunizieren können, damit sich Mitarbeiter nicht überrollt fühlen“, erklärt Uta Michels. „Nur dann werden sie mit ihm an einem Strang ziehen.“ Und genau dieses Handwerkszeug lässt sich lernen – etwa mithilfe von Fachliteratur, Weiterbildungen und speziellen Führungs-Coachings. Ebenso bilden Erfahrungen eine gute Grundlage, um die eigenen Führungs-Skills ständig zu erweitern. Denn auch der Vorgesetzte wächst mit seinen (Führungs-)Aufgaben.

NR. 2: FÜHRUNG FUNKTIONIERT MIT HIERARCHIE

Die Antwort auf die Frage, ob Führung nur mit Hierarchie funktioniert, lautet Jein. Die Erklärung hierfür ist einfach. „In Deutschland sind die allermeisten Unternehmen hierarchisch organisiert“, erläutert Uta Michels. „Dieser Struktur entspricht das klassische Führungsmodell.“ Das heißt, dass es eine eindeutige Rangordnung gibt. Der Vorgesetzte erteilt den Mitarbeitern Anweisungen und definiert Ziele. Es gibt zwar einige Unternehmen, die eine Organisationsform ohne feste Hierarchien wählen. Dabei handelt es sich meist um kleine Firmen wie Start-ups oder um rollen-basierte Organisationsstrukturen. Die hierarchische Organisationsstruktur und mit ihr das klassische Führungsprinzip sind jedoch die Norm.

Das heißt aber nicht, dass ein Vorgesetzter alles allein entscheidet. Vielmehr sind im Unternehmen in aller Regel viele Funktionsinhaber, Führungskräfte wie Mitarbeiter, an einer wichtigen Entscheidung beteiligt. Wird beispielsweise für die Produktion ein neuer Zulieferer ausgewählt, werden die unterschiedlichsten Aspekte wie Kosten, Qualität, Zuverlässigkeit, Transportwege und anderes mehr berücksichtigt. Dementsprechend werden mehrere Fach- und Führungskräfte in den Entscheidungsprozess eingebunden. „Den einen Chef, der alles entscheidet, gibt es eigentlich nur noch in sehr kleinen, inhabergeführten Firmen“, sagt Uta Michels.

NR. 3: EIN VORGESETZTER MUSS SEINE MITARBEITER MOTIVIEREN

Eine Führungskraft hat viele Verpflichtungen, muss sich um vieles kümmern. Ist es da nicht nachrangig oder vielleicht sogar überflüssig, auch noch die Mitarbeiter zu einer besseren Leistung anzuspornen? „Nein, keineswegs. Die Motivation der Mitarbeiter ist vielmehr die Kernaufgabe eines Vorgesetzten“, betont Uta Michels. „Der Chef sagt, wo die Reise hingeht, nennt die übergeordneten Ziele.“ Details sind dafür nicht erforderlich, sehr wohl aber, die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter im Blick zu haben.

Diese sollten selbstverständlich eine Eigenmotivation mitbringen, etwas erreichen und leisten wollen. Aber der Vorgesetzte ist dafür zuständig, dass diese Motivation gestärkt wird und nicht, im ungünstigsten Fall, verloren geht. Deshalb muss der Chef seine Mitarbeiter kennen und wissen, was sie antreibt. Geld ist nicht vorrangig. Das Gehalt muss stimmen, keine Frage. Für die Top-Leistung der Mitarbeiter sind aber andere Faktoren ausschlaggebend. Das kann beispielsweise die Anerkennung und Würdigung der individuellen oder Teamleistung und eines herausragenden Arbeitsergebnisses sein.

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