Berufsbild: Selbstbestimmt gewinnt
Selbstbestimmt arbeiten bedeutet auch, Freiraum für Unvorhergesehenes zu haben.

Berufsbild: Selbstbestimmt gewinnt

In der neuen Arbeitswelt wandelt sich das Rollenbild der Assistenz. Längst wird nicht mehr nur auf Zuruf gearbeitet. Wer seinen Tagesablauf bestimmt, Aufgaben priorisiert und eigene Projekte vorantreibt, macht sich unverzichtbar. Und stärkt die eigene Zufriedenheit.

„Nur wenn ich meinen Tag selbst planen kann, habe ich den Freiraum, auf Unvorhergesehenes flexibel zu reagieren“, sagt Bianca Huber, Management Assistant bei der Drexlmaier Group. Ihr wurde schon zu Beginn ihrer Laufbahn viel Spielraum eingeräumt: Zunächst startete sie bei dem internationalen Automobilzulieferer als Teamassistenz. Da die Position zuvor lange nicht besetzt war, konnte sie ihren Bereich neu aufbauen und eigenverantwortlich strukturieren. So sei selbstbestimmtes Arbeiten für sie schnell zur Gewohnheit geworden.

Nach ihrer Weiterbildung zur Management-Assistentin stieg sie in ihre jetzige Position auf, ist Ansprechpartnerin für die Teamassistenzen und kann auf die Führungsebene vertrauen, die ihren selbstbestimmt-verlässlichen Arbeitsstil wertschätzt. In den letzten zwei Jahren habe sich das durch die Zunahme des mobilen Arbeitens mit digitalen Tools noch verstärkt: „Oft verläuft die Kommunikation mit meinem Chef über ein bis zwei Wochen vor allem digital“, erklärt Bianca Huber.

Planen, Priorisieren, Projekte verfolgen

Entscheidungen alleine treffen zu können und zu dürfen - mit dem Wissen, dass ihre Vorgesetzten hinter ihr stehen, so definiert Bianca Huber selbstbestimmtes Arbeiten. Zudem legt die Assistentin Wert darauf, ihren Tag und ihre Aufgaben selbst zu gestalten und zu priorisieren. Sie könne zwar auch mobil arbeiten, schätzt aber ihr kollegiales Umfeld sehr, so dass sie gerne im Büro bleibt. Selbstständig managte die Assistentin Projekte, z. B. die firmenweite Einführung eines neuen Tools oder die komplette Organisation eines Standortumzugs.

„Es ist mir wichtig, auch eigene Projekte zu übernehmen“, so Bianca Huber. Die Möglichkeit selbstbestimmten Arbeitens hänge nicht nur von ihr selbst, sondern auch der Führungsebene sowie der Kultur im Unternehmen ab. Das bestätigt die Autorin und Trainerin Enisa Romanic, die selbst lange als Assistenzkraft sowohl im Office als auch virtuell tätig war: „Wie selbstbestimmt ich arbeite, ist abhängig vom Verständnis der Position, vom Verhältnis zur Führungskraft und von den eigenen Qualifikationen. Wer keine passive Rolle einnehmen möchte, sollte sich selbstbewusst präsentieren, Themen proaktiv ansprechen, konstruktives Feedback geben können sowie seine sozialen und digitalen Fähigkeiten trainieren.“

Verändertes Rollenbild im Office 4.0

Das traditionelle Rollenbild der Assistenzen wandelt sich laut Enisa Romanic derzeit stark. Das lässt sich auch an den neuen Positionsbezeichnungen ablesen: Ob Businesspartnerschaft, Digitalberatung oder Informationsmanagement - es findet für die Assistenzkräfte ein Wandel in Richtung Wissensmanagement statt, so Romanic. Natürlich gibt es Vorgesetzte, die weiterhin ein eher traditionelles Rollenverständnis pflegen, doch immer mehr wachsen Führungskräfte aus der Generation der so genannten Millennials nach. Hier wird selbstbestimmtes Arbeiten der Assistenz vorausgesetzt. Flache Hierarchien und eine transparente Kommunikation sorgen dafür, dass Vorgesetzte und Assistenzkräfte auf Augenhöhe miteinander arbeiten.

In ihren Seminaren erlebt Enisa Romanic, dass die jüngere Generation der Assistenzkräfte bereits dieses Selbstverständnis und damit ein neues Selbstbewusstsein im Auftreten gegenüber Führungskräften mitbringt. In ihrem Buch „Geheimwaffe: Assistenz I - Kommunikation und Soft Skills“ zeigt Romanic, welche Fähigkeiten wichtiger werden: Neben digitalen und kommunikativen Kompetenzen ist vor allem auch die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen essentiell, um sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten. Zudem sei es notwendig, sich auf neue Führungskräfte und ihren Stil einlassen zu können. Das setzt voraus, verschiedene Führungsstile und Persönlichkeitstypen zu kennen, zu erkennen und die eigene Kommunikation „chefgerecht“ anzupassen. Hier empfiehlt Romanic, sich im Bereich Führung und Persönlichkeit weiterzubilden: „Denn trotz Siri, Alexa & Co. brauchen Führungskräfte in Zukunft vermehrt die sozialen Kompetenzen der Assistenzen - in der Beratung, in der Mediation und im sozialen Gefüge des Teams.“

Den vollständigen Artikel lesen Sie in working@office.