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Karrierefrust Teilzeit

Dass Teilzeit für viele Frauen oft die einzige Möglichkeit ist, Beruf und Familie zu vereinbaren, ist kein Geheimnis. Die verminderte Arbeitszeit stellt allerdings nicht nur ein Karrierehemmnis dar, sie führt oft auch zu persönlichen Frustrationserlebnissen und einem Gefühl der Benachteiligung und geringerer Wertschätzung. Das zeigt eine Umfrage, die die AoN - AGENTUR ohne NAMEN, Veranstalter des Messe-Kongresses women&work, in Zusammenarbeit mit der Cologne Business School (CBS) erstellt hat.

Ziel der Umfrage war es zu erfragen, welchen Herausforderungen Frauen in ihrer Karrierelaufbahn gegenüber stehen. Eine parallel durchgeführte Umfrage bei Unternehmen diente dazu herauszufinden, ob Frauen die angebotenen Karrierechancen nutzen und wenn dem nicht so ist, aus welchen subjektiven Empfindungen heraus diese Wahrnehmung entsteht.

 

 

Die Ausgangslage

Insgesamt wurden 142 Frauen und 22 Unternehmen bundesweit befragt. Von den 142 befragten Frauen haben 67 % der Frauen einen akademischen Abschluss, 70 % haben sich seit Ausbildungs- bzw. Studienende kontinuierlich weitergebildet. 68 % der befragten Frauen arbeiten Vollzeit, 32 % sind in Teilzeit tätig. 74 % der befragten Frauen sind im Angestelltenverhältnis beschäftigt, 15 % haben eine Führungsposition mit und 7 % eine Führungsposition ohne Personalverantwortung inne. Je 3 % der befragten Frauen arbeiten im mittleren Management bzw. im Top-Management.

Auf die Frage nach den Aufstiegsmöglichkeiten aus einem Teilzeitarbeitsverhältnis heraus gaben nur 27 % der in Teilzeit arbeitenden Frauen an, Aufstiegsmöglichkeiten zu haben, 73 % verneinten diese Option.

 

Die Hälfte fühlt sich benachteiligt

50 Prozent der Frauen, die sich in Teilzeitbeschäftigung befinden, fühlen sich im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen benachteiligt und bei unternehmerischen Entscheidungen ausgeschlossen. Als Begründung geben sie an, dass interne Stellen meist schon an ihre männlichen Kollegen vergeben sind oder die Frauen Tätigkeiten ausüben, die keine herausragenden Qualifikationen erfordern und daher auch nicht „beförderungswürdig“ sind. Das Gefühl der persönlichen Unterforderung schwingt hier bei alle Frauen deutlich mit - ebenso wie die Tatsache, dass Teilzeitarbeit bei einer beruflichen Neuorientierung innerhalb oder außerhalb des Unternehmens von allen Frauen als ein Hindernis empfunden wird. Als zusätzliches Manko sehen die in Teilzeit arbeitenden Frauen, dass sich die Arbeitszeit und das Gehalt aufgrund der Teilzeittätigkeit zwar verringert haben, der Umfang der Aufgaben jedoch gleich geblieben ist.

 

 

Karrierefrust Teilzeit

84 Prozent der Teilzeitbeschäftigten gaben zusätzlich an, dass ihnen keine Maßnahmen zur beruflichen Weiterentwicklung angeboten wurden. Vergleicht man diese Angaben mit denen der Vollzeitbeschäftigten, werden die Unterschiede deutlich: Nur 27 % der Vollzeitbeschäftigten fühlen sich bei einer Beförderung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen benachteiligt. Auch steigt hier der Prozentsatz bezüglich der angebotenen Karrieremaßnahmen für Frauen. Im Gegensatz zu den Teilzeitkräften, die mit nur 16 % angegeben haben, dass ihnen Maßnahmen angeboten wurden, gaben dies 32 % der Vollzeitbeschäftigten an. Frauen in einem Vollzeitarbeitsverhältnis schätzen auch ihre Beförderungschancen höher ein als Frauen in einem Teilzeitarbeitsverhältnis.

 

 

Klare Unterschiede zu Vollzeitbeschäftigten

Frauen, die in einer Teilzeitbeschäftigung tätig sind, fühlen sich weniger gefördert und in ihren Leistungen weniger anerkannt. Auch hier werden Unterschiede zu den Vollzeitbeschäftigten deutlich: Nur 9 % der Teilzeitkräfte aber immerhin 37 % der Vollzeitkräfte fühlen sich von ihren Vorgesetzten sehr gefordert. Diese Differenz zeigt sich auch bei der Anerkennung ihrer Leistungen. Sehr anerkannt fühlten sich 16 % der befragten Frauen in Teilzeit und 37 % der Befragten in Vollzeit.

Mit Teilzeit ins Top-Management? Fehlanzeige!

 

Dass eine Teilzeitbeschäftigung den Weg nach oben erschwert, bestätigt auch die parallel durchgeführte Unternehmensbefragung. 68 Prozent der Unternehmen gaben an, Frauen in einem Teilzeitarbeitsverhältnis eine Position im Mittelmanagement zu ermöglichen. Für 73 % der befragten Unternehmen ist ein Aufstieg in das Top-Management in einem Teilzeitarbeitsverhältnis allerdings nicht möglich. Die Gewichtung der Teilzeit-Aufstiegsmöglichkeiten - vom mittleren Management und Top-Management – verhält sich damit annähernd komplementär zueinander.

 

Faktoren, die die Karriere behindern

Um herauszufinden, welche Faktoren ein Karrierehindernis für den Aufstieg in Top-Positionen darstellen könnten, wurde anhand einer Multiple-Choice-Frage ermittelt, welche Charakteristika aus Unternehmenssicht für eine Position im Top-Management von Bedeutung sind. Durchsetzungsfähigkeit, Flexibilität, hervorragende Leistungen, Belastbarkeit und eine Beschäftigung in Vollzeit sind die aus Unternehmenssicht fünf wichtigsten Kriterien.

 

 

 

Top 5 Faktoren, die aus Unternehmenssicht für eine Top-Position von Bedeutung sind:

 

Charakteristika einer Führungskraft im Top-Management
Wertung
 Durchsetzungsfähigkeit 82 %
 Flexibilität 73 %
 Hervorragende Leistung
 73 %
 Belastbarkeit 59 %
 Top-Positionen werden lieber an Vollzeitarbeitskräfte vergeben
 32 %

 

 

 

 

Flexibilität und hervorragende Leistungen stehen in der Wichtigkeit an zweiter Stelle. Während Frauen selten in ihrer Leistung enttäuschen, so können gerade Frauen, die in Teilzeit arbeiten und parallel Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, weder den Faktor "Flexibilität" noch den der Vollzeitbeschäftigung erfüllen. Zwei offensichtlich elementare Hindernisse aus Unternehmenssicht für den Weg nach oben.

 

Fazit

"Die Benachteiligung von Frauen, die in einem Teilzeitverhältnis arbeiten, ist dem Umstand geschuldet, dass Unternehmen keine den Lebensphasen angepassten Karrieremodelle anbieten", sagte Melanie Vogel, Geschäftsführerin der AoN und Initiatorin der women&work. „Nur 36 Prozent der befragten Unternehmen haben eine lebensphasenorientierte Personalpolitik integriert und damit für Frauen - und Männer - Voraussetzungen dafür geschaffen, dass familienintensive Lebensphasen sich nicht nachteilig auf die eigene Karriere auswirken."

 

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