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Immer mehr Chefs unterstützen beim Studium

Wer nach einigen Jahren Sekretariat oder Assistenz nochmal an die Uni möchte, hat schnell ein finanzielles Problem. In immer mehr Betrieben übernimmt nun der Chef die Kosten für das nebenberufliche Studium oder zeigt sich auf andere Weise erkenntlich. So können Wissensarbeiter studieren und arbeiten gleichzeitig, ohne große Geld-Einbußen. Zwei Beispiele zeigen, wie das funktionieren kann.

Immer mehr Chefs unterstützen beim Studium

Links: Joseph Omanga, der nach vielen Jahren im Pflegedienst nebenbruflich ein Studium der Gesundheitswissenschaften absolviert hat. Rechts: Björn Lamprecht, Geschäftsführer von Goldbeck, der Weiterbildung bei seinen Mitarbeitern unterstützt und wertschätzt.

Joseph Omanga hatte viele Jahre Arbeit in der Pflege auf dem Buckel. Gerne wollte er sich aber auf die Arbeit im Büro konzentrieren und beim Dienst an den Älteren in der Wohngemeinschaft für Senioren (WgfS) in Filderstadt kürzertreten. Dafür absolvierte der gebürtige Kongolese 2014 sein ne-benberufliches Studium der Gesundheitswissenschaften. Schnell war klar, dass er mit diesem Fach-wissen der Einrichtungsleitung assistieren oder das Haus irgendwann sogar leiten kann. Der 58-Jährige wurde unterstützt von seiner Chefin, Rosemarie Amos-Ziegler. Sie bezahlte ihm die Semi-nargebühren und das Büchergeld. „Wir profitieren enorm von gut ausgebildeten Mitarbeitern“, weiß Geschäftsführerin Amos-Ziegler. Deshalb sei der Invest in Weiterbildung immer auch ein Invest in die Firma. Mit lernbegierigem Personal schließt die WgfS einen Vertrag, in dem alle Kosten und die Dauer der Fortbildung genau aufgeführt werden. Anhand dessen und gesetzlicher Regelungen wird dann festgelegt, für welche Zeit er beim Seniorenheimbetreiber angestellt bleiben muss.
 
Festes Förderprogramm
„Wir haben bei unseren 200 Mitarbeitern in drei Einrichtungen ein festes Förderprogramm“, betont die Inhaberin von zwei Seniorenheimen. Jeder Mitarbeiter erhält zwei Mal im Jahr ein persönliches Weiterentwicklungsgespräch und hat Zugriff auf das interne und externe Seminarangebot. „Für einen Mittelständler wie uns ist es sehr wichtig, dass Potenzial der Mitarbeiter schon früh zu erkennen“, erklärt die Geschäftsführerin ihre Personalstrategie. Sie wolle ihre Leute von Anfang an begleiten, damit sie ihren Stärken entsprechend eingesetzt und geschult werden.
 
Angewiesen auf Weiterbildungswillige
In der Pflege ist gutes Personal Mangelware. Und weil der Gesetzgeber Fachkräftequoten vorschreibt, können Heimbetreiber nicht ausschließlich mit Ungelernten und Quereinsteigern arbeiten. Menschen wie Omanga sind deshalb bei Amos-Ziegler gerne gesehen. „Wir sind darauf angewiesen, dass sich Menschen weiterbilden wollen“, konstatiert die 56-Jährige, die 2012 den deutschen Bildungspreis erhielt. Bisher habe sie noch für jeden Weiterbildungswunsch eine Lösung gefunden. Die Unterstützung ist nicht immer eine rein finanzielle, gibt die Unternehmerin zu. Häufig helfe es ja auch schon, wenn der Dienstplan Rücksicht auf die Seminartage nehme oder es Sonderurlaub zum Lernen gibt.
 
Kampf gegen den Fachkräftemangel

Besseres Training und eine enge Verzahnung zwischen Firmen und Weiterbildungseinrichtungen sind ausschlaggebend für den Kampf gegen den Fachkräftemangel. Das erfasste der Global Skills Index 2015 des Personaldienstleistungsunternehmens Hays. Assistenten, Sachbearbeiter und andere Mitarbeiter flexibel weiterzuentwickeln sei eine Möglichkeit für Unternehmen, mangelnde Fachkräfte selbst zu entwickeln und sich damit für die Zukunft aufzustellen. „Hausgemachtes Talent ist langfristig gesehen die beste Chance, um die Produktivität zu erhöhen“, weiß Hays-Unternehmenssprecher Frank Schabel. Bildungsstandards zu erhöhen, ist für Firmen unabdingbar, wenn sie in Zukunft Erfolg haben wollen, konstatiert die Personal-Studie. „Wenn Mitarbeiter ihre Wissens- oder Kompetenzlücken selbst schließen wollen, wäre es ein Fehler, sie nicht darin zu unterstützen“, findet Schabel. Er rät Unternehmen, flexible und individuelle Lösungen zu finden, wie sie ihr Personal beim Wunsch nach einem Studium neben dem Beruf unterstützen können.
 
„Es ist wichtig, Menschen in ihrer Entwicklung zu fördern“
Mittelständler gehen mehr und mehr dazu über, Studiengebühren ihrer Belegschaft wenigstens teilweise zu übernehmen. So auch Goldbeck Solar. Der Photovoltaik-Anbieter gehört zum Bauunter-nehmen Goldbeck und bietet energetische Systemlösungen. Geschäftsführer Björn Lamprecht weiß, wie wichtig es ist, Menschen in ihrer Entwicklung zu fördern. „Bei uns wird jeder Mitarbeiter bei seinem Wunsch nach Weiterbildung unterstützt”, sagt er. Das gelte für Gesellen, die ihren Meisterabschluss anstreben, genauso wie für Sekretärinnen und Referenten, die ein Studium oder eine fachliche Weiterbildung anschließen. „Es gibt einen Rahmen, innerhalb dessen sich alle Mitarbeiter bewe-gen können“, erklärt Lamprecht. Dieser Rahmen sieht beispielsweise vor, ob und wie der Angestellte finanziell bei seiner Qualifikationsmaßnahme gefördert wird. Außerdem ob und wie lange ein Student nach seinem Abschluss bei Goldbeck Solar bleiben muss. Detailfragen werden außerdem individuell geregelt.

Je größer das Know-how, umso breiter das Angebot
„Weiterbildungsmaßnahmen sind bei uns gerne gesehen, wir ermutigen unser Personal sich weiter-zuentwickeln“, sagt der Chef von 80 Mitarbeitern. Schließlich sieht Lamprecht für sein Unternehmen eine Vielzahl von Vorteilen. Sein Dienstleistungsunternehmen kann mit steigendem Know-how eine größere Bandbreite an Services anbieten und damit die Kundenwünsche spezifischer erfüllen. Zusätzlich ist seine Mannschaft bei mehreren Qualifikationen flexibler einsetzbar. Außerdem sieht Lamprecht auch die Wirkung auf den Lernwilligen: „Wer bei seinen persönlichen Zielen unterstützt wird, fühlt sich mit dem Arbeitgeber verbunden und bleibt motiviert“, sagt Lamprecht, der sich über eine bemerkenswert niedrige Personalfluktuation freut. Etwa zehn Kollegen im Jahr nutzen innerhalb der Goldbeck-Gruppe die Unterstützung der Firma bei ihrer Weiterbildung. Neben der finanziellen Unterstützung gibt es bei Goldbeck Solar auch die Möglichkeit, sich für Seminartage freistellen oder für etwa ein Vollzeit-Studium beurlauben zu lassen.
 

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