Menu

An alle, - die momentan Frust am Arbeitsplatz haben:

Petra

Mitglied seit
08.11.2006
Beiträge: 251
Hilfreich: 0

Möglichkeit des Sabbaticals:

Kurzbeschreibung
Werden Arbeitszeitguthaben lange genug aufgespart, können sie für einen Langzeiturlaub, ein sogenanntes Sabbatical, verwendet werden.

Was ist ein Sabbatical?
Die sprachliche Wurzel des Wortes „Sabbatical“ liegt im biblischen Sabbat (von hebräisch „schabbat“, ruhen) und stammt aus dem Alten Testament. Das Sabbatjahr beschreibt eine landwirtschaftliche Bewirtschaftungsform, bei welcher der Ackerbau nach sechs Jahren für eine Wachstumsperiode pausiert und der Boden brach liegt, um sich zu regenerieren. Auf die heutige Arbeitswelt übertragen, bedeutet dies, dass ein Arbeitnehmer nach einer bestimmten Zeitspanne seinen Arbeitsplatz verlassen, Urlaub machen, in der „Ruhephase“ Kraft sammeln und mit neuem Elan in sein Unternehmen zurückkehren kann.
Ein Sabbatical ist demnach ein vom Unternehmen gebilligter Langzeiturlaub - in der Regel zwischen drei und zwölf Monaten - an dessen Ende der Arbeitnehmer in das Unternehmen und im Idealfall an den alten Arbeitsplatz zurückkehrt.

Welche Vorteile haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer von einem Sabbatical?
Während des Sabbaticals bleibt es den Arbeitnehmern freigestellt, welche Wünsche und Ziele sie sich in der neugewonnen Freizeit verwirklichen. Ob diese nun in der Erfüllung des langersehnten Traums einer Weltreise, der Umsetzung anderer persönlicher Interessen oder in einer intensiven Familienphase liegen oder ob der Langzeiturlauber die Zeit nutzt, um fern vom Alltag seine Balance wiederzufinden, das eigene Leben zu überdenken, neue Zukunftsperspektiven zu entwickeln oder sich im Selbststudium oder durch Fortbildungen konkrete Zusatzqualifikationen anzueignen und sich weiterzubilden, bleibt dem temporären Aussteiger freigestellt.
Obwohl der Arbeitnehmer sehr frei entscheiden kann, wie er die Auszeit nutzt, wird trotzdem deutlich, dass das Sabbatical das Ideal einer Win-Win-Situation beschreibt, da es sowohl für das Unternehmen als auch für seine Angestellten Vorteile mit sich bringt: Der Mitarbeiter hat Gelegenheit, eigene Ziele zu verwirklichen und Zeit, privat wie beruflich neue Ziele anzuvisieren. Der Arbeitgeber profitiert von der (wieder)erstarkten Leistungsfähigkeit und Motivation, von neuen Ideen und von dem bewusst oder unbewusst gewachsenen Wissens- und Erfahrungshorizont des zudem ausgeruhten und ausgeglichenen Mitarbeiters.

Weiterbildung während des Sabbaticals
Neben der Verfolgung persönlicher Interessen wird das Sabbatical von Arbeitnehmern insbesondere auch dazu genutzt, persönliche und berufliche Qualifizierungsziele zu verwirklichen. Da es parallel zur täglichen Arbeit oft schwierig ist sowie Zeit und Lust fehlen, sich intensiv dem Studium von Fachbüchern zu widmen oder an mehrtägigen Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen, wird insbesondere die freie Zeit fast immer auch dazu genutzt, sich weiterzubilden ohne gleichzeitig Höchstleistungen im Unternehmen erbringen zu müssen.

Wie können Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Voraussetzungen schaffen, um die Möglichkeiten der Freistellung auf Zeit zu nutzen?
Grundsätzlich muss im Arbeitszeitsystem des Unternehmens die Möglichkeit bestehen, auf einem Zeitkonto Überstunden, Urlaub oder auch Teile des Gehalts anzusparen, um dieses Guthaben anschließend zu einem verabredeten Zeitpunkt in einen Langzeiturlaub umwandeln zu können: Hierbei sind verschiedene Varianten denkbar:

So hat der Arbeitnehmer auf der einen Seite die Möglichkeit, in einigen Jahren auf einem Langzeitkonto sukzessive Urlaubstage und Überstunden anzusparen, welche in Form von Zeitwertpapieren (der Geldwert der angesparten Zeit wird in einem Fond deponiert) angelegt und verzinst werden und im Sabbatzeitraum als Freizeit wieder entnommen werden können. Nach beispielsweise fünfjährigem Ansparen kann das auf dem Langzeitkonto kontinuierlich angewachsene Guthaben dann zu einem viermonatigen Sabbatical wieder entnommen werden. Die Entlohnung ist somit aufgrund des de facto stattfindenden Freizeitausgleichs durch Überstundenabbau automatisch gesichert.
Eine andere, mitunter schneller zum Ziel führende Möglichkeit, einen bezahlten Langzeiturlaub anzusparen, liegt in einem zeitlich begrenzten Lohnverzicht: Der Arbeitnehmer verzichtet z. B. pro anvisierten Sabbatmonat auf ein Zwölftel eines Jahresgehalts und kann, sobald ein ausreichendes Gehaltsguthaben angespart worden ist, sein Sabbatical antreten. Wenn ein Arbeitnehmer also beispielsweise ein viermonatiges Sabbatical nehmen möchte, müsste er vier Jahre lang auf ein Zwölftel (entspricht in der Summe vier Zwölfteln) oder ein Jahr lang auf ein Drittel (entspricht in der Summe auch vier Zwölfteln) seines Jahresgehalts verzichten. Siemens verfährt im Rahmen seiner seit 1997 bestehenden Regelung zur Förderung von Sabbaticals nach der folgenden Berechnung: Wer z. B. für sechs Monate aussteigen möchte, reduziert sein Gehalt für die dem Sabbatical vorhergehenden drei Jahre auf 83 Prozent des ursprünglichen Bruttoverdienstes, wer einen einmonatigen zusätzlichen Urlaub wünscht, auf rund 91 Prozent.

Einsatz von Sabbaticals in unternehmerischen Krisenzeiten
In jüngster Zeit zeigen einige Unternehmen, dass sich das Konzept des Sabbaticals auch gut zur Überwindung von rezessiven Phasen nutzen lässt. Ähnlich dem Gedanken eines Arbeitszeitkontos, bei dem in Hochphasen angesammelte Zeitguthaben in weniger arbeitsintensiven Zeiten abgefeiert werden können und der Arbeitnehmer somit dem Betrieb fernbleibt, können auch zeitlich begrenzte Auszeiten von Mitarbeitern, die ein Sabbatical nehmen, dazu genutzt werden, Überkapazitäten abzubauen und konjunkturelle oder saisonale Schwankungen zu überbrücken.
Hinter dieser Vorgehensweise steht in erster Linie die Notwendigkeit von Seiten des Unternehmens, in Zeiten des Abschwungs (Personal-)Kosten zu reduzieren. Was früher nur durch Entlassungen funktionierte, gelingt in Zeiten, in welchen sich in der Arbeitswelt mehr und mehr flexible Unternehmenskulturen und Arbeitszeitregelungen durchsetzen, auch mit weniger drastischen Maßnahmen. Mitarbeiter, die sich an einer solchen konjunkturell bedingten Auszeit beteiligen möchten, gehen für eine bestimmte Zeit nicht zur Arbeit und bekommen trotzdem einen Teil (meist zwischen 50 und 20 Prozent) ihres bisherigen monatlichen Bruttogehaltes überwiesen. Im Anschluss an die im Vorfeld vertraglich festgelegte mehrmonatige Abwesenheit kehrt der Arbeitnehmer, wenn möglich, an seinen alten Arbeitsplatz, zumindest aber in seine alte Abteilung zurück. Dieses Beschäftigungsmodell wird z. B. bei Siemens unter der Bezeichnung „Time-Out“ oder bei Accenture unter den Namen „Flex-Leave“ bereits erfolgreich praktiziert. Der Unterschied zu der oben beschriebenen und bisher praktizierten Ausgestaltung von Sabbaticals liegt darin, dass, anders als sonst, nicht nur der Arbeitnehmer im Vorfeld seiner Auszeit Überstunden ansparen oder auf Teile seines Gehaltes verzichten muss, sondern dass nun auch der Arbeitgeber sich an der Finanzierung des Sabbaticals dahingehend beteiligt, dass er trotz Abwesenheit des Mitarbeiters Teile des Lohns sowie die anteiligen Sozialversicherungsbeiträge weiterbezahlt. Nichtsdestotrotz profitiert ein Unternehmen aber auch von derartigen Beschäftigungsmodellen, da so einerseits in konjunkturellen Flauten Kosten eingespart werden können, auf der anderen Seite aber, wenn das Marktumfeld wieder anzieht, auf gut ausgebildete und bereits eingearbeitete Mitarbeiter zurückgegriffen werden kann und kostenintensive Neurekrutierungen vermieden werden können. Zudem hat der Arbeitgeber natürlich wie beim „traditionellen“ Sabbatical auch nach wie vor den Vorteil, dass die Mitarbeiter, gut erholt und/oder weiterqualifiziert an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Meine Meinung dazu:
Hoffentlich machen hiervon schon sehr bald Arbeitnehmer und Arbeitgeber gebrauch. - Dann könnten wir uns viele Arbeitslose sparen!

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

Katrin

Mitglied seit
27.08.2015
Beiträge: 105
Hilfreich: 0

Davon träume ich schon lange, aber in meiner Firma ist das leider nicht möglich. Habe für nächstes Jahr mal vorsichtig angefragt, 4 Wochen unbezahlt zu erhalten um für mich eine Auszeit zu nehmen (Sprachreise in Lissabon - ein Traum von mir). Ich stoss aber auf Ablehnung und nun wechselt auch noch der Chefsessel und da wird sich nichts ändern. Schön wäre, wenn es bei uns so ein Arbeitszeitkonto geben würde, aber hier sind Überstunden dein Problem. Ansparen kann man diese nicht - also habe ich mir zum Motto gemacht, keine zu machen.
Ansonsten eine supergute Idee - der Traum aller sehr guten Personalchefs, aber nicht immer und überall durchführbar.
Katrin

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

chica

Mitglied seit
13.08.2001
Beiträge: 23
Hilfreich: 0

Hallo Petra,

Danke für Deine ausführlichen Schilderungen zum Sabbatical. Ähnliche Informationen liegen auch mir vor.

Vor kurzem habe ich ein Buch über mehr Zeit und Balance zwischen Berufs- und Privatleben gelesen. - Den Namen erwähne ich absichtlich nicht, damit sich NIEMAND hier im Forum darüber aufregt, es könnte ja Werbung sein. - Darin wurde erwähnt, dass immer mehr Arbeitgeber auf den Zug Sabbatical aufspringen. Nur frage ich mich, wo sind diese Firmen? Denn es arbeitet nicht jeder bei einem großen, namhaften Konzern.

Auch ich würde mir, genau wie Du, sehr wünschen, dass hoffentlich bald viele Arbeitgeber ihrem Personal Sabbatical gewähren. Dies könnte in der Tat weniger Arbeitslose zur Folge haben. Ich bin überzeugt, dass Arbeitgeber von ausgeruhten, ausgeglichenen Mitarbeitern mehr profitieren, als wenn sie ihr Personal durch Überstunden und Druck ausüben verschleißen.

Ich frage mich, wird sich Sabbatical überhaupt durchsetzen; insbesondere in kleinen und mittelständischen Betrieben oder kommen nur Mitarbeiter, die in großen, namhaften Betrieben arbeiten in den Genuß des Sabbaticals?

Mir scheint aber, dass viele Arbeitgeber davon überhaupt nichts hören und wissen wollen. Viele Arbeitgeber meinen, sie motivieren ihr Personal aber nur durch Überstunden en masse, Druck ausüben, Mobbing und absoluten Verzicht auf das Privatleben. Selbst viele Kollegen neiden anderen Kollegen ihr Privatleben und ihren Urlaub.
Dies sind meine persönlichen Beobachtungen und es scheint mir überall das Gleiche zu sein. Egal bei welchem Betrieb man anfängt, scheint mir, kommt man grundsätzlich immer vom Regen in die Traufe.

Arbeitet jemand von Euch in einem Betrieb, der Sabbatical anbietet?

Chica

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

Petra

Mitglied seit
08.11.2006
Beiträge: 251
Hilfreich: 0

Hallo Chica,

gerne würde ich mehr über Dich und Dein Buch erfahren. - Ich finde mit Schleichwerbung hat das absolut nicht´s zu tun. Es gibt doch immer irgendwelche Leute, die dem Anderen keinen Vorteil gönnen. - Lassen wir sie doch einfach reden. - Oder?

Wenn wir unsere Erfahrungen untereinander nicht mehr austauschen können, sind wir gestorben!

Also lass´uns miteinader reden und schreiben und dann sind wir mitten im LEBEN!

LG
Petra

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

chica

Mitglied seit
13.08.2001
Beiträge: 23
Hilfreich: 0

no text

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

chica

Mitglied seit
13.08.2001
Beiträge: 23
Hilfreich: 0

Ich wünschte, so ein Modell, wie bei Euch, würde bei vielen Arbeitgebern großen Zuspruch finden. Gerade was Weiterbildung angeht, könnte man diese ohne Hektik angehen. Für die persönliche Entwicklung des Mitarbeiters wäre dieses Modell auch nicht schlecht. Und last but not least: Die Mitarbeiter sind ausgeglichen, was nur von Nutzen sein kann für das Unternehmen.

Chica

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.
Hinweis: Sie müssen sich einloggen um antworten zu können. Noch kein Login? Hier registrieren.