Menu

Globalisierung

SabineJ

Mitglied seit
14.07.2005
Beiträge: 54
Hilfreich: 0

Irgendwie holt die Globalisierung alle ein. Heutzutage muss jeder in jeder Berufsbranche alles und noch viel mehr wissen. Gut, die Welt hat sich verändert, besonders wohl in den letzten 10 Jahren, jetzt natürlich auch wegen der EU. Es bringt aber auch Nachteile mit sich: Wenn ich mir so die Stellenangebote in der Zeitung durchlese, bekommt man heutzutage nicht mal einen Posten als Sekretärin oder Assistentin ohne ein Hochschulstudium, Diplom oder weiß der Geier was sonst noch so an akademischen Graden. Dabei kenne ich Sekretärinnen von 50 Jahren an aufwärts, die noch in das alte typische Berufsbild fallen, die aber in fachlicher Kompetenz einer Sekretärin oder Assistentin mit Studium durchaus das Wasser reichen können. Wird dies nicht gefordert, muss man zumindest drei Fremdsprachen können und diverse Fortbildungen in allen möglichen Fachrichtungen haben, ach ja, und dann natürlich die Berufserfahrung nicht zu vergessen, die sollte natürlich auch mindestens 5 – 10 Jahre betragen und man sollte nicht älter als 35 Jahre alt sein. So oder ähnlich habe ich schon oft Stellenanzeigen gelesen. Da frage ich mich, wie soll man das alles zeitlich mit 35 Jahren geschafft haben, von der Frage der Finanzierung mal ganz abgesehen?! Ich bin bestimmt die letzte, die was dagegen hat, sich fortzubilden. Ich habe nach der allgemeinen Schule noch die Handels- und Wirtschaftsschule besucht, habe eine Lehre als RENO und danach noch meinen Abschluss als Fremdsprachenkauffrau und Übersetzerin Englisch gemacht. Zurzeit belege ich gerade ein Fernstudium in Französisch. Natürlich auch, um beruflich weiter zu kommen, aber auch, weil mich Sprachen schon immer interessiert haben. Danach belege ich noch ein Fernstudium zur Rechtswirtin. Dieses Studium baut auf meiner RENO-Ausbildung auf und endet mit dem ersten Staatexamen des Rechtsanwalts. Der Rechtsbereich interessiert mich nicht nur beruflich, sondern auch privat, ein bisschen mache ich das also auch aus Spaß an der Freud. Ich habe über dieses Thema nur nachgedacht, weil manche Freunde aus früheren Zeiten oder Bekannte, die ich oder meine Mutter kürzlich mal getroffen haben, irgendwie was Besseres geworden sind, mit Titeln, Diplomen etc. Bis dahin habe ich mir eigentlich nie Gedanken über speziell dieses Thema gemacht, weil ich auch keine so genannten beruflichen Standesdünkel habe. Ich schätze Menschen, die im Leben was erreicht haben, die meisten von ihnen sind aber irgendwie eingebildet geworden, geben sich zwar Mühe, so zu tun, wie jedermann, aber irgendwie merkt man doch: Sie sind was Besseres und alle anderen sind nicht mehr ihresgleichen. Immerhin sind das Leute, mit denen ich früher als Kind mal befreundet war! Selbst deren Eltern tun dann gegenüber z. B. meiner Mutter eingebildet und reden nur davon, was ihre Sprösslinge denn so alles erreicht haben, eine Frage nach ihr und ihrer Familie, Fehlanzeige! In unserer so genannten Teppichetage geht das genau so zu, wenig Kollegialität, nur Titel, oder zumindest aber solche Ausbildungen wie Betriebswirt und Controller, zählen. Jeder ist da sich selbst der nächste, diese Leute buckeln nach oben und treten nach unten, deswegen hasse ich dieses ganze so, weil das einfach nicht mein Ding ist. Ich mag dieses ganze falsche Getue nicht, wo der Charakter der einzelnen Menschen total auf der Strecke bleibt. Ich schätze z. B. einen Menschen, der Charakter und fachliche Kompetenz sowohl im Berufs- als auch im Privatleben zeigt, aber keinen Titel oder höhere Bildung hat, tausendmal mehr. Die alt gedienten Mitarbeiter, die keinen Titel oder höhere Bildung, aber Berufs- und Lebenserfahrung vorweisen können, werden ausgemustert, weil sie einfach nicht mehr in das Bild dieser total ge- und fast schon verbildeten Menschen passen. Passiert bei uns immer wieder. Selbst ein Kunde hat sich mir gegenüber schon mal so geäußert, dass unter dem alten Geschäftsinhaber eben noch alles anders, überschaubarer, netter war. Es heißt ja jetzt nicht, dass ich nicht mit der Zeit gehen möchte, nur wie die Menschen sich alle verhalten, finde ich einfach schrecklich, zählen denn heute nur noch Studium und Titel aber menschliche Kompetenz gar nicht mehr? Ich muss dazu sagen, dass ich aus dieser Sparte auch ein paar Menschen kenne, die trotzdem nett sind und mit denen ich mich gut verstehe, ich habe also keinerlei Probleme mit dieser Sorte Mensch, solange sie auf dem Teppich bleiben und nicht abheben vor lauter Titeln und Bildung. Zeigt sich diese Problematik in Eurem Bekanntenkreis und Arbeitsumfeld auch so?

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

SabineJ

Mitglied seit
14.07.2005
Beiträge: 54
Hilfreich: 0

Hallo Ihr Lieben, schön zu hören, dass auch noch andere Menschen meine Auffassung teilen, gut, die früheren Freund von annodazumal, mit denen bin ich eh nicht mehr zusammen, die stören mich gar nicht, Minderwertigkeitskomplexe habe ich deswegen auch nicht, ich habe ja auch eine gute Ausbildung, ich finde es nur gut, hier im Forum auch solche Frage zu stellen, um mal zu hören, wie andere so denken. Ich dachte schon, mich hätte der Sozialneid gepackt.

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

blondchen

Mitglied seit
17.07.2001
Beiträge: 856
Hilfreich: 0

Hallo!
Ich habe die Problematik nicht, da ich mir die Menschen, mit denen ich mich umgebe gottseidank aussuche (n) kann.
Was ich viel viel Schlimmer zum Thema Globalisierung finde ist, dass sie nicht funktioniert. Ich habe eine Lampe gekauft. Eigentlich wollte ich 2 von der Gleichen Sorte. Eine konnte ich mitnehmen - die war "auf Lager". Die andere mussten die bestellen und ich hatte sage und schreibe [size=24] 3[/size:b1d751d6d1] Wochen Lieferzeit! Für eine Lampe! So ne poplige für 49 EUR.

Ich hab die Frau gefragt, ob die mit nem Fischkutter von Taiwan nach Deutschland verschickt wird oder wie?!? Als sie dann endlich nach 2,5 Wochen anrief sagte sie folgendes: "Ihre Lampe ist gerade[size=18] Mit der POST! [/size:b1d751d6d1] gekommen. "

Hallo? Das sind Dinge, die mich an der Globalisierung echt verzweifeln lassen. Ich kann mit vielem umgehen. Aber damit echt nicht.

Für Hummel ab jetzt ohne Bild

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

axina

Mitglied seit
13.07.2005
Beiträge: 101
Hilfreich: 0

Hallo Sabine,

auch ich gehöre zu der Generation der Sekkis, die schon viele Jahre Arbeit hinter sich haben. Auch mir macht manchmal die Globalisierung Angst, daß ich im Berufsleben nicht mehr mitkomme. Aber, dennoch bin ich davon überzeugt, dass ich auch meine Vorteile habe. Mein Englisch ist zwar nicht das, was man heute benötigen würde - aber ich scheue mich auch nicht, da die jüngeren Kolleginnen zu bitten, mir zu helfen. Bei anderen Dinge vertrauen diese wieder auch meine Erfahrung, die ich in den über 30 Jahren Berufserfahrung gesammelt habe. Was bringt uns alte Hasen denn noch aus der Fassung? Viele Dinge hat man schon erlebt, viele Kollegen kommen und gehen sehen, viele Dinge voraussagen können usw.

Ich bin fest davon überzeugt, wenn uns auch die Globalisierung Angst machen will und wir uns früher nicht so sehr um Weiterbildung usw. gekümmert haben - es ging ja immer weiter - so haben wir aber auch eine ganze Menge geleistet. Zum Beispiel ohne Kindertagesstätten Kinder erzogen, berufstätig gewesen und mit weniger Unterstützung, wie sie heute jungen Familien geboten wird, Haushalt, Beruf und Kinder miteinander verbunden. Auf keinen Fall will ich damit sagen, daß es heute für die Jüngeren leichter ist - bitte richtig verstehen.

Seit 25 Jahren arbeite ich für meinen Chef in einem mittelständischen Unternehmen. Wir haben viele gute Jahre, aber viele schlechte Jahre miteinander durchstehen müssen - ich glaube, daß das im einzelnen mehr wert ist wie jede Fortbildung usw. Es macht mir nach wie vor sehr viel Freude mein Wissen und Können einzubringen und möchte dies gern auch noch einige Jahre tun. Manche Dinge überlasse ich einfach den Jüngeren und freue mich darüber, wenn sie es gut machen.

Axina

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

Katrin-Christin

Mitglied seit
19.08.2004
Beiträge: 74
Hilfreich: 0

Guten Mogen SabineJ,

du sprichst mir wirklich aus der Seele. Mir geht das seit längerem auch so.
Ich glaube aber, dass das auch mit dem Älter werden zu tun hat. Zumindesten ist das bei mir so.
Man hat Angst nicht mehr mithalten zu können. Ich habe mich schon länger nicht mehr um meine Weiter-/oder Fortbildung gekümmert. Habe einfach nur gearbeitet und das wars. es fällt mir auch auf, dass sehr viel jüngere Sekkis ständig von ihren Weiterbildungen reden. Und das verstärkt nun mal die eigene berufliche Zukunftsangst.
Früher war wirklich vieles anderst, nicht unbedingt besser, aber doch irgendwie freundlicher untereinander. Das hängt natürlich auch mit der jetzigen Arbeitsmarktsituation zusammen. Die Menschen sehen, dass es wenige Jobs gibt also macht jeder was er kann, um positiv in seinem jetzigen Job aufzufallen.
Ich versuche mir selbst treu zu bleiben und mich nicht zu verbiegen.
Was meine Weiterbildung angeht, schaue ich mich gerade um. Ich sammel erst mal alles und dann entscheide ich. Nur ich erzähle das nicht jedem. Warum auch.

Ach ich könnte noch so viel schreiben.

Mach dich nicht so verrückt über die Menschen, die meinen sie müssten ständig mit ihrem tollen Leben angeben. Alles nur heiße Luft.

Grüße, Katrin

Eine gute Tat ist eine solche,
die ein Lächeln der Freude
auf das Antlitz eines anderen zaubert.

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

klarabella

Mitglied seit
08.05.2002
Beiträge: 4
Hilfreich: 0

Hallo, Ihr Lieben,
auch ich krieg die Krise, wenn ich in den Annoncen lese "gerne mit Hochschulstudium", zu welchem Zweck werden die Büro- und anderen Kaufleute dann in der Berufsschule überhaupt noch ausgebildet? Als was sollen diese Leute dann bitte ihre Brötchen verdienen? Sollen sich die Leute mit kaufmännischer Lehre in Luft auflösen? Das 10-Finger-System, tut mir echt sorry, lernt man nicht im Magister Romanistik-Studium, auch nicht die alfabetische Ablage, auch nicht die DIN5008, auch nicht Business-Englisch am Telefon. Das muss die Berufsschule leisten und nicht ein Hochschulstudium. Was nützt mir mein schönes Studium, wo ich gelernt habe, dass der Roman Robinson Crusoe im 18. Jh. anders rezipiert wurde als im 19. Jh. Will Dein Chef von Dir Vorträge über kognitive Linguistik hören und Dich für Deine Schlauheit bewundern? Will er vor den anderen Chefs angeben, boah ey meine Sekki kann Provenzalisch. Die sollen doch mal alle auf'm Teppich bleiben. Die Routine erledigt sich doch nicht durch das Magisterdiplom, das Diplom bucht mir keine Reisen und geht nicht für mich ans Telefon. Auch in Fortbildungen kann man nicht das Rad neu erfinden. Finde das alles übertrieben, diesen Zwang zur Angeberei und Selbstdarstellung, wann soll man da bitte zum Arbeiten kommen, wenn ich dauernd rumtönen muss, wie toll ich bin. So, jetzt krieg ich mich schon langsam wieder ein.
Ciao Grüße Klarabella

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

SabineJ

Mitglied seit
14.07.2005
Beiträge: 54
Hilfreich: 0

@axina, da gebe ich Dir vollkommen recht, ich bin zwar noch jung, 33 Jahre mit 10 Jahren Berufserfahrung, kann also gar nicht so mitreden, wie Du. Dennoch beschäftige ich mich mit dem Thema, weil ich ja auch die Veränderung bezüglich der älteren Mitarbeiter in unserer Firma sehe, die trotz ihr praktischen Berufserfahrung und ihrem vollen Überblick über die Firma (eben noch die Generation Learning by doing) immer mehr von den jüngeren leitenden Angestellten, die natürlich alle Akademiker sind, in die Ecke und aufs Abstellgleis gedrängt werden. Fortbildungen muss man heutzutage machen, ohne die kommt man nicht mehr aus, ich bin gelernte RENO und habe eine umfangreiche Fremdsprachenausbildung in Englisch und Französisch, gut, dass hat mich weitergebracht, u. a. habe ich meinen jetzigen Job deswegen bekommen. Aber reichen tut es dennoch nicht. Für meinen Job im Vertrieb brauche ich Wirtschaftskenntnisse, BWL und weitere Rechtskenntnisse, denn immer öfters merke ich, dass ich als Sekretärin z. B. Auftragsbestätigungen schreibe, wo teilweise was drin steht, was ich nicht richtig verstehe, weil ich nicht genug Hintergrundwissen habe. Also möchte ich mich Anfang nächsten Jahres in dieser Hinsicht forbilden, um diese Lücke zu schließen. Aber Du hast schon recht, Ihr habt teileweise wirklich viel mehr geleistet, als mit jeder Fortbildung, echt Pionierarbeit geleistet, dass höre ich von meiner Mutter auch.

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

Antje1

Mitglied seit
23.10.2003
Beiträge: 218
Hilfreich: 0

[quote:88f04c9104="axina"]

Seit 25 Jahren arbeite ich für meinen Chef in einem mittelständischen Unternehmen. Wir haben viele gute Jahre, aber viele schlechte Jahre miteinander durchstehen müssen - ich glaube, daß das im einzelnen mehr wert ist wie jede Fortbildung usw. Es macht mir nach wie vor sehr viel Freude mein Wissen und Können einzubringen und möchte dies gern auch noch einige Jahre tun. Manche Dinge überlasse ich einfach den Jüngeren und freue mich darüber, wenn sie es gut machen.

[/quote:88f04c9104]

25 Jahre und immer denselben Chef :shock:
Also bei uns wechselt der immer so nach 2 bis 3 Jahren

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

axina

Mitglied seit
13.07.2005
Beiträge: 101
Hilfreich: 0

Hallo Sabine,

selbstverständlich must du dich um deine Weiterbildung kümmern. Heute geht das gar nicht mehr anders, sonst wirst du ganz schnell ins Abseits gedrängt. Du hast noch viele Jahre vor dir, in denen du etwas leisten kannst und auch willst. Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg dabei.

Axina

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.

Ich würde einige Deiner Ansichten durchaus unterschreiben, Sabine.

Sarahkind

PS
Deine Texte hätten allerdings erheblich mehr Chancen, komplett gelesen zu werden, wenn Du Dir die Mühe machtest, Absätze einzubauen.
Nix gegen "stream of consciouosness", aber Deine Schreibe ermüdet echt die Augen .

Dieser Beitrag wurde 0 mal als hilfreich markiert.
Hinweis: Sie müssen sich einloggen um antworten zu können. Noch kein Login? Hier registrieren.