Servicemädchen vs selbstsichere Mitarbeiterin

wolkenkratzerin

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30.01.2012
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Hallo liebe working@office-Ladys,

ich bin seit 4 Monaten bei meinem jetzigen AG als (u.a.) seine Assistenz angestellt und bin an sich sehr zufrieden: Toller Chef, angenehmer Arbeitsplatz, schöne Arbeitsumgebung, eigenes Büro!

Doch es fällt mir sehr schwer, nach der Arbeit abzuschalten und ich setze mich selbst sehr unter Druck. Klar, ich möchte, dass mein Chef zufrieden mit mir ist und eine gute Arbeit leisten. Doch ich fühle mich schnell emotional überlastet und dadurch völlig erschöpft.

Besonders schwer fällt es mir, eine selbstsichere und entspannte innere Haltung zu bewahren, wenn mein Chef da ist (3 Werktage in der Woche).
Ich fühle mich schnell wie ein Dienstmädchen, das rund um die Arbeitszeit für jeden Service voll verfügbar ist und nicht wie eine selbstbewusste, durchsetzungsstarke Mitarbeiterin, die ich gerne wäre.

Ein eigenes Büro ist leider nicht gleichzusetzen mit unbegrenzter Privatsphäre. Meine Bürotür ist aus Glas-d.h. Jeder, der vorbeiläuft, sieht alles. Mich und meinen Chef trennt nur eine Durchgangstür und wenn er da ist, dann kommt er ca. alle 20-30 Minuten unangekündigt rein. Das störte mich ziemlich, daher habe ich mit ihm fixe Termine vereinbart, wann wir Tagesplanung besprechen. Seitdem hat es sich gebessert.

Trotzdem wünsche ich mir oft (noch) mehr Privatsphäre und Rückzugmöglichkeiten, wenn mein Chef da ist.

Hat vielleicht jemand Tipps für mich? Wie kann ich freundlich Grenzen setzen - oder ist das eher etwas, das ich einfach akzeptieren muss, weil der Chef nun mal (fast) alles darf? So auch, trotz der Vereinbarung mit den Fixterminen immer wieder einfach reinkommen -auch, wenn er etwas an Büromaterial benötigt - und es sich einfach nehmen.

Im Falle von \"akzeptieren müssen\": Wie kann ich mich besser abgrenzen und mich selbstsicherer fühlen? D.h. auch mal Kontra geben und \"nein\" sagen?

Was noch mit reinspielt ist, dass mir der Beruf nicht so liegt. Ich fühle mich oft unter meiner Würde, wenn es heißt: \"Bitte machen Sie einen Kaffee für..\" Da komme ich mir schnell vor wie ein Servicemädchen. Ich weiß aber, dass Gästebewirtung nun mal zum Berufsbild gehört. Vielleicht stört mich auch die Formulierung. Es könnte genauso heißen: \"Es wäre sehr nett, wenn Sie Herrn soundso Kaffee bringen könnten\" Oder ist es wieder etwas, das ich einfach akzeptieren muss? Letztlich möchte ich in einen anderen Beruf wechseln bzw. studieren, doch das kann noch 1-2 Jahre dauern, bis ich die Zulassungsvoraussetzungen erfülle und alles geregelt habe.

Über eure Meinung/Feedback/Rat/Tipps zu meinem Anliegen wäre ich sehr dankbar.

Liebe Grüße
wolkenkratzerin

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Melsi

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Hallo Wolkenkratzerin,

ich kann gut verstehen, wie Du Dich fühlst. So geht es mir auch oft. Allerdings habe ich nicht einen Chef sondern seit Anfang Januar zwei von der Sorte plus weitere sechs Mitarbeiter, die ständig um mich herum sind und was wollen.

Allerdings bist Du meiner Meinung nach etwas empfindlich, was das Miteinander mit Deinem Chef betrifft.

Als Assistentin bist DU für Deinen Chef da, wann immer er etwas von Dir möchte. Das er ständig bei Dir vorbeischaut, ist irgendwie auch normal. Du kannst ihm kein Zeitfenster vorgeben. So ist zumindest meine persönliche Meinung dazu.

Es ist durchaus Dein Job, ihm und seinen Gästen Kaffee zu servieren. Dich stört die Formulierung, wie er Dir den Auftrag des \\\"Kaffee bringens\\\" sagt. Aber mal ehrlich, das kann es doch irgendwie nicht sein.

Chefs fehlt leider häufig die korrekte Formulierung für diese \\\"belanglosen\\\" Dinge. Er bittet Dich schon, indem er sagt \\\"bitte machen sie für blabla einen Kaffee\\\". Soll er diesen Vorgang denn in ellenlangen Sätzen formulieren? Chefs haben in der Regel keine Zeit für viel blabla. Ist einfach so und entspricht der Realität.

Du solltest froh darüber sein, dass Du so ein tolles Arbeitsklima und ein eigenes Büro hast. Das ist doch heutzutage auch viel Wert und sicherlich auch nicht die Regel.

Meiner Meinung nach solltest Du ein paar dieser Dinge hinnehmen, wie sie sind. Du kannst Deinem Chef keine Vorschriften machen, wann er Dich wie anzusprechen hat. Er ist Dein Chef, Du seine Assistentin. Er hat das sagen, Du hast zu machen. So ist der Job nun mal.

Sorry für die offenen Worte, aber genau so sehe ich den Job nun mal. Wenn Du damit nicht so gut klarkommst, dann solltest Du evtl. mal über eine andere Stelle nachdenken und einen Job suchen, bei dem Du nicht mehr die Assistenz eines Chefs bist - evtl. Sachbearbeiter etc.

LG, Melsi

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wolkenkratzerin

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30.01.2012
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Hallo Melsi,

vielen Dank für deine prompte Antwort. Du bist also der Meinung, dass es eine Frage des Akzeptierens ist bzw. der Beruf so an sich hat.

Ich habe mich hier als Sachbearbeiterin beworben. Erst am Tag meiner Einstellung wurde mir bewusst, dass ich daneben auch den Leiter assistiere. Ich habe das zwar schon vorher ein bißchen geahnt, aber aus der Stellenbeschreibung ging das nicht direkt hervor oder ich habe das verdrängt

Ich mag meinen Chef sehr und habe ein großes Glück mit ihm. Er ist sehr menschlich und verständnisvoll. Außerdem sozial und sympathisch.

Deine Worte bestätigen meine Vermutung, dass die Position mir einfach nicht liegt/nicht mein Ding ist. Das ist nichts Neues und mir war schon vorher ganz deutlich bewusst, dass ich mich auf die längere Sicht in eine andere Berufsrichtung orientieren möchte. Gelernt habe ich Bürokauffrau.

LG
wolkenkratzerin

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TraumSekki

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03.02.2011
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Hallo Wolkenkratzerin,

ich gebe Melsi voll Recht und muss ehrlich sagen, ich kann deine Auffassung gar nicht recht verstehen... ich habe auch das Glück, als Assistenz in einem Einzelbüro zu sitzen und habe auch Glastüren (eine zum Chef, eine zum Flur). Wenn ich ganz für mich allein arbeiten möchte oder eine wichtige Telko habe, werden die Türen einfach geschlossen und dann kommt auch nur in Ausnahmefällen jemand rein.

So was wie Büromaterial haben wir in einem extra Schrank auf dem Gang, so dass Cheffchen mich max. \"stört\" wenn er was Spezielles braucht oder was nicht gefunden hat.

Allgemein finde ich aber, dass du mit nur 3 Tagen / WO, wo dein Chef da ist, schon viel Privatsphäre hast. Meine Kolleginnen z. B. sitzen alle in 3-4 Mann Büros... da kannst du nicht eben mal beim Finanzamt anrufen und was privat nachfragen Den Luxus hast du - und ich hab ihn auch.

Außerdem stimme ich Melsi zu, dass du ja scheinbar nur den einen Chef zu umsorgen hast - ich habe einen direkten Chef, 3 Teamleiter und erledige noch die Assistenz fürs restliche Team (50 Personen).

Ich weiß ja nicht, wie oft bei dir so was wie Kaffee kochen vor kommt, aber ehrlich: einer muss es ja tun. Wenn du noch nicht so lange dort bist, schau doch mal, wie viel Respekt dir gezollt wird... An manchen Tagen fühle ich mich auch nur wie ein Botenjunge, aber dann kommt mein Chef an meinem B-Day mit einem XXL-Blumenstrauß und meint nur \"ohne dich hätt\' ich das nie gewuppt\", genauso wie er mich in seiner Weihnachtsansprache vor der ganzen Mannschaft so hoch gelobt hat, dass ich es nicht zu träumen gewagt hätte.

Ich glaube, das Berufsbild bringt das mit sich und nun wirst du grad mal so weit sein, dass du dich soo langsam in die Firma eingearbeitet hast - ich würde sagen, warte erstmal, bis sich das mit deinem Chef als richtiges Team eingespielt hat - dann ist es ein Geben und ein Nehmen. Wenn es dann immer noch nicht so richtig klappt oder du den Spaß vermisst, kannst du dich ja immer noch umschauen...

LG,
TraumSekki

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Melsi

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08.11.2006
Beiträge: 1225
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Hallo Wolkenkratzerin,

TraumSekki gebe ich auch uneingeschränkt recht

Ich betreue insgesamt 32 männliche Mitarbeiter und ich bin die einzige Frau in unserem Unternehmen. Glaube mir, ein Kindergarten ist nichts dagegen

Intern bin ich auch für alle Bewirtungen zuständig. Allerdings kommt das nicht zu oft vor und wenn, dann mache ich das gerne. Ich verstehe eine gute Betreuung der Gäste als Prio A, sehe mich und meine Arbeit in dem Moment als Aushängeschild des Unternehmens. Meine Gäste fühlen sich wohl und das ist das A&O für mich.

Ein schön gedeckter Besprechungsraum, ein paar Leckerlies für das leibliche Wohl, kühle Getränke und guter Kaffee/Tee gehören für mich einfach dazu. Während des Meetings gehe ich auch immer wieder mal in den Besprechungsraum rein und frage nach frischem Kaffee. Bei uns gibts auch keinen laufwarmen Filterkaffee aus der versifften Thermoskanne, sondern welchen aus dem Vollautomaten, der frisch zubereitet wird. Latte macchiato, Espresso, Milchkaffee, Cappuchino und Co. machen zwar Arbeit, aber es kommt bei den Gästen sehr gut an
Zu jedem Heißgetränk gibts dann noch z. B. eine Kaffeebohne im Schokimantel oder ein Amarettoplätzchen

Unsere Angestellten zollen mir auch bei den Bewirtungen den nötigen Respekt. Sie formulieren ihre Bitten für mich akzeptabel und höflich. Was ich mir nicht bieten lasse, das sind Aktionen vor den Besucher nach dem Motto \\\"Mache mal drei Kaffee und bringe uns Gebäck!\\\"

Man kann solche Dinge positiv formulieren und ein \\\"würdest du uns bitte noch drei Kaffee und etwas Gebäck bringen\\\" sagen. Im Befehlston bin ich sehr eigen und gebe dann auch entsprechend kontra bzw. übernehme beim nächsten Besucher die Bewirtung gar nicht und mein Kollege muss sich selbst darum kümmern. Diesen Luxus nehme ich mir dann auch raus und meine Chefs geben mir Rückendeckung. Ich bin sicherlich hier das Mädchen für alles, aber ich lasse mich nicht behandeln wie eine Aushilfskraft, die 8 Euro in der Stunde verdient

Wenn Du solche Arbeiten positiv aufnimmst und Deine Firma (oder Deinen Chef) repräsentierst, dann siehst Du auch diese niederen Arbeiten positiv. Du bist das Aushängeschild des Unternehmens und mit Spaß an der Arbeit hast auch Du sicherlich viel Freude.

Und nimm\\\' Dir das von TraumSekki auch zu Herzen. Kaum eine Assistentin hat den Luxus eines eigenen Büros Du hast einen tollen Chef, ein super Arbeitsklima, ein eigenes Büro ... also genieße es und nimm es positiv auf

Viel Freude wünsche ich Dir

LG, Melsi - die jetzt erst mal ihrem Chef eine leckere Latte macchiato machen wird

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Suse

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08.11.2006
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Hallo Wolkenkratzerin,

Melsi und Traumsekki haben eigentlich alles schon gesagt (und das auch noch total toll formuliert).
Nach Deiner Antwort kann ich auch nur sagen, überleg und schau, ob Du da am richtigen Platz bist.
Ich bin mit Herz und Seele Sekki und immer für meinen Chef da, wenn etwas ansteht. Für mich gehört sich das so.
Ich fange mir auch mal eine Anweisung im Befehlston ein, wenn es hektisch ist, aber das gleicht sich mit anderem Verhalten wieder aus. Und ich weiß, dass es der Situation und nicht mir geschuldet ist. Und dann überrascht er einen auch immer mal wieder. Wie Traumsekki schrieb, da gibt es dann auf einmal ein riesiges Lob, Blumen, ich darf eher gehen, er bringt was mit..
Rückzugsmöglichkeiten habe ich hier viele oder keine, so wie der Tag gerade läuft, aber mein Büro steht immer offen für ihn. Momentan teile ich es mir auch noch mit einer Kollegin, Anrufe beim Finanzamt oder Doc sind also auch nicht immer drin, aber letztlich bin ich hier auch im Job und nicht zu Hause, da habe ich meine Privatsphäre, hier finde ich, kann man das Wort nicht so anwenden, außer in der Mittagspause.
Ein netter und umgänglicher Chef ist im übrigen nicht zu unterschätzen. Vielleicht gibst Du Dir und ihm und der Situation ja noch eine Chance?

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!

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zoso

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31.01.2012
Beiträge: 2
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Hallo Wolkenkratzerin,

Sekki/Assi \"ist\" man entweder oder man ist es eben nicht
Meinem Selbstbewusstsien tat es nie Abbruch, Kaffee zu kochen/servieren o. ä.
Das tue ich heute noch oft, obwohl ich seit über 25 Jahren auf der anderen Seite des Schreibtisches sitze und Leute im Büro habe, die das tun, was ich früher auch tat .
Ich schätze sowohl die berufliche Qualifikation der Mitarbeiter. die soziale Kompetenz ist für mich bei der Beurteilung gleichwertig.

Damit möchte ich zum Ausdruck bringen - verscuhe doch einfach, ein klein wenig selbstbewusster zu sein. Vielleicht schaffst Du das ja .
Ich wünsche Dir Glück und Erfolg - egal wie auch immer Du Dich für deinen weiteren beruflichen Weg entscheidest.

LG
zoso

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zoso

Mitglied seit
31.01.2012
Beiträge: 2
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...uuups - und die Rechtschreibfehler gehören dem, der sie findet .

Entschuldigt bitte.

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Summi

Mitglied seit
06.09.2011
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Hallo zusammen

so, ich möchte auch ganz kurz \"meinen Senf dazugeben\"...

Ich denke auch, dass gewisse Dinge zum Assistentinnenjob einfach dazugehören, z.B. mal einen Kaffee für den Chef und evtl. auch für die Kollegen/Gäste/Kunden/Besucher, die mit ihm in einer Besprechung sitzen, zu holen. Der Ton macht hier aber die Musik und so, wie ich gelesen habe, scheinen wir es da ja alle gut mit unseren uns höflich bittenden Chefs getroffen zu haben

Auch, dass der Chef mal unangekündigt ins Büro kommt, finde ich nicht schlimm. @wolkenkratzerin: da hast Du doch schon eine sehr gute Lösung mit den fixen Terminen zur Tagesplanung gefunden

Und: ich wäre froh über eine Glas-Bürotür und ein Einzelbüro!! Ich sitze im Großraumbüro und da ist es manchmal schon SEHR hektisch und laut. Aber auch daran kann man sich gewöhnen...

Liebe Grüße

Summi

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Julia

Mitglied seit
08.04.2009
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Hallo Wolkenkratzerin,

da hast Du ja \"ein Fass aufgemacht\"

Die Postings sind allerdings sehr einhellig und auch ich kann keinen Gegenpol dazu erzeugen.

Sicher gibt es immer wieder Arrangements, Situationen oder Aufgaben, die einem mehr oder weniger liegen. Allerdings macht die Einstellung sehr viel aus.

Kaffee servieren:
- kann ich als \"niedere Tätigkeit\" ansehen und sehr ungern machen,
- kann ich als Service ansehen, der dazugehört und dem Gast dazu verhilft, sich bei uns wohler zu fühlen (krass formuliert: lieber mit uns als mit der Konkurrenz zu arbeiten),
- kann ich als Möglichkeit ansehen, die Besprechung angenehmer zu gestalten und den Teilnehmern damit zu besseren Ergebnissen zu verhelfen.

Auf diese Art und Weise könnte ich noch weitere Beispiele aufzählen.

Meine Einstellung ist: Was immer ich mache, mache ich sehr gut (oder bestmöglich). Damit bin ich bisher gut gefahren.

Kaffee wird also charmant serviert und abschotten muss man lernen.

Mach das Beste draus.

Gruß

Julia

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