Bleiben oder gehen?

schnuffeline

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14.11.2011
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Hallo ihr Lieben,

mal angenommen, Ihr hättet mit Eurem Chef zusammen den Standort oder sogar das Unternehmen gewechselt. Mit Eurem Chef ist die Arbeit wie immer, Ihr versteht Euch, wisst was wie zu tun ist etc. Nur das Umfeld ist anders und zwar recht speziell. Ihr bekommt Fehler angekreidet, die Ihr nicht begangen habt, müsst Euch von Leuten, die hierarchisch unter Euch angesiedelt sind , ständig ein Maul anhängen lassen und der Chef Eures Chefs ist alles andere als konstruktiv und funkt überall dazwischen. Ihr seid in den vergangenen Wochen von oberster Stelle immer mehr zum DVD degradiert worden.

Euer Chef bekommt von alldem nichts oder kaum etwas mit und hat für das Problem auch kein wirkliches Verständnis. Ihr seid mehr oder minder allein auf weiter Flur.

Würdet Ihr in einer Situation, die monatelang schon so ist und eine Änderung nicht absehbar, auf Dauer im Unternehmen bleiben wollen oder würdet Ihr irgendwann die Reißleine ziehen und gehen? Auch wenn Ihr mit Eurem Chef menschlich noch so gut auskommt und er auf Eure Loyalität als Assistentin vertraut? Und auch wenn Ihr noch nicht lange an dem Standort seid?

Viele Grüße,
schnuffeline

Muss nur noch kurz die Welt retten....

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gitti

Mitglied seit
15.07.2009
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Liebe Schnuffeline,
das erste Wort, was mir dazu einfällt, ist SCH..... , eine sehr schwierige Situation.
Ich frage mich, warum die so ist. Warum wirst du "von unten" so mies behandelt, und warum gibt es vom obersten Chef auch so viel Quertreiberei?
Was war denn vor euch? Geht es dabei um euch persönlich oder um die Positionen, die ihr - neu? - einnehmt?
Vielleicht geht es um ganz grundsätzliche Probleme, wo ihr jetzt zwischen hängt. Ich unterstelle, dass ihr beide keine fiesen und ekligen Typen seid, die grundsätzlich eine solche Reaktion hervorrufen
Vielleicht stimmt was nicht in der Organisation / der Struktur.
Das Gefühl, mit solchen oder ähnlichen Problemen auf weiter Flur allein zu stehen, kenne ich. Du hast das Gefühl, unter dem inneren Ballast fast zusammen zu klappen, und dein Chef versteht rein gar nichts, das habe ich auch schon mitgemacht. Fast glaube ich, dass es typisch für eine Sekretärin ist, mit vielem (oder manchmal mit allem) allein zu stehen, es liegt an der Position.
Dir einen Rat geben, das ist von außen für mich leider nicht möglich. Ich bin damals geblieben, habe mich durchgewurschtelt, und irgendwann wurde es auch wieder besser.
Gibt es bei euch in der Firma irgendeine neutrale Stelle oder Person deines Vertrauens, mit der du mal reden kannst? Die vielleicht auch Hintergründe zur jetztigen Sitation liefern kann?
Ich hoffe, die anderen Foris hier haben noch mehr Ideen oder vielelicht auch ein paar Ratschläge für dich.
LG, Gitti

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schnuffeline

Mitglied seit
14.11.2011
Beiträge: 94
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Liebe Gitti,

gut zu wissen, dass es einem nicht allein so geht. Grundsätzlich denke ich, das Problem liegt beim allgemeinen Klima in der Firma. Es wurde einiges umgekrempelt, was unter anderem auch den Standortwechsel von mir und Cheffe zur Folge hatte. Viele im Unternehmen sind dadurch selbst frustriert, verunsichert und allgemein sch... drauf. So habe ich zumindest den Eindruck, dass am Standort eine allgemeine Unzufriedenheit herrscht. Der oberste Chef ist mit seiner Umkrempelmethode auch nicht wirklich hilfreich, ganz im Gegenteil. Mag sein, dass in der Vergangenheit manche Dinge nicht optimal gelaufen sind, aber nun mit der Kettensäge reinzufahren und alles sofort ändern zu wollen, ist glaube ich auch nicht der richtige Ansatz. Also summa summarum, liegt es weniger an Cheffe und mir als an der oft zitierten "Gesamtsituation" im Unternehmen. Jeder möchte verständlicherweise gut dastehen vor dem "Großen" und da sich manch andere Assistentin hier auch so einiges "von unten" gefallen lässt, meinen nun manche der "Unteren", sie könnten es mit mir genauso machen.

Leider ist eine Besserung einfach nicht absehbar. Ich schiebe momentan nur noch Stunden für totale Belanglosigkeiten, worunter natürlich auch mein Chef leidet, da ich weniger Zeit für seine Sachen habe.

Manchmal denke ich, es ist Jammern auf hohem Niveau, schließlich bekommt man ja auch gutes Geld für seinen Job. Aber andererseits finde ich, kann sowas kein Dauerzustand sein.

Es gibt durchaus Kolleginnen, denen es genauso geht, aber die ihren Job nicht verlieren wollen und daher einfach still aushalten.

Liebe Grüße,
schnuffeline

Muss nur noch kurz die Welt retten....

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Suse

Mitglied seit
08.11.2006
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Liebe Schnuffeline,

ich kenne Deine Situation und als erstes fällt mir leider auch Sch.. dazu ein.

Wenn ich das richtig verstehe, ist es die allgemeine Lage, die einfach mistig ist und jeder versucht damit zurecht zu kommen und sich einigermaßen zu behaupten. Was auch „Seitenhiebe“ und „Tritte nach unten“ bedeutet.

Klar könnte man sagen, sei still und froh, dass Du Dein Geld verdienst, aber wenn man so nicht tickt, dann kann es einen schirr zerreißen dabei. Habe ich auch schon durch.

Was ich nicht ganz verstehe ist, warum Dein Chef nicht sehen kann/will, was bei Dir Sache ist und andererseits aber merkt, dass Du weniger Zeit für seine Belange hast. Unter welchen Voraussetzungen habt Ihr denn gemeinsam den Standort gewechselt? Ist er glücklich mit dieser Lage? Wäre eine Gegenüberstellung Deiner alten und neuen Aufgaben erweckend für ihn?

Meist explodieren solche Gebilde irgendwann, wenn sie so schief aufgebaut sind, wie es bei Euch im Unternehmen klingt. Bedeutet die Durststrecke zu überstehen bis es soweit ist. Das kann natürlich lang werden.

Gibt es Kontakte dort, mit denen Du gut zurecht kommst, mit denen Du Dich austauschen kannst und Ihr Euch gegenseitig stützt? Das kann aushalten helfen. Alleine da zustehen verstärkt das Hilflosgefühl.

Und hast du auf der anderen Seite denn schon mal einen Blick nach draußen geworfen, gäbe es für Dich einen Job an anderer Stelle/in einem anderen Unternehme? Kannst Du es Dir leisten evtl. arbeitssuchend zu werden?

Ich bin für mich alleine verantwortlich, ich habe damals deswegen länger ausgehalten, als ich es wohl unter abgesicherten Umständen getan hätte. Die Angst hat mich auch anfangs sehr gelähmt. Ärger gibt es überall, aber manche Umstände überschreiten einfach Grenzen. So ging es mir damals. Ich habe dann schließlich angefangen zu suchen, weil ich keine Perspektive mehr sah. Manche Züge verlassen ohne einen den Bahnhof.

Nur man selber kann entscheiden, wo für einen die Grenze liegt und wie viel man bereit ist auszuhalten/mitzumachen. Leichtfertig wirft heute sicher niemand seinen Job weg. Der Entschluss, sich auf die Suche zu begeben ist letztlich auch nur der erste Schritt, niemand zwingt einen, ihn zu vollziehen, weil sich vielleicht ja die Umstände vor Ort geändert haben.

Ich wünsche Dir die für Dich richtige Entscheidung. Viel Kraft dafür.

Suse

Behandele andere so, wie Du selber behandelt werden möchtest!

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schnuffeline

Mitglied seit
14.11.2011
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Liebe Suse,

Danke für die aufmunternden Worte.

Zu meinem Chef, er ist wirklich ein toller Mensch, aber halt auch schon ein paar Jahre älter als ich. Er macht seinen Dienst und denkt sich meist zu allem seinen Teil. Ich dagegen bin noch relativ jung und habe noch ein paar Jahre im Büro vor mir. Zudem scheint mein Chef auch vor seinem Vorgesetzten zu kuschen. Das merkt man bei manchen Arbeitsanweisungen. Da sagt er, ich solle „hü“ machen, dann kommt sein Chef, sagt, nein es muss „hott“ heißen. Also kommt mein Chef wieder zu mir und sagt: „Also doch bitte „hott“.“

Wirklich glücklich ist er auch nicht damit, seine Falten im Gesicht werden auch tiefer. Aber generell findet er sich halt mit der Situation ab und wird irgendwann in Rente gehen, wenn er nicht mehr will.

Außerdem kann es meiner Meinung nach nicht sein, dass eine Chef-Assistentin alles machen muss, worauf andere – teilweise sogar Team-Assistentinnen aus anderen Abteilungen – keine Lust haben oder weil es heißt „Das wurde hier aber schon immer so gemacht, also musst du das jetzt auch so machen“. Wie gesagt - gleiche Firma, nur anderer Standort, weil mein Chef neue Aufgaben bekommen hatte. An unserem alten Standort war es anders geregelt, aber das brauch ich manchem jetzigen Kollegen nicht sagen. Da kann ich mich auch mit einer Wand unterhalten.

Einige „Leidensgenossinnen“ und –„genossen“, denen es auch so geht/ging, haben bereits das Handtuch geworfen, die Zahl meiner Kontakte zum Austauschen schrumpft.

Ich war die letzten Jahre wirklich gern in der Firma, mein Job war super und ich bin auch nicht generell gegen Veränderungen. Ganz im Gegenteil, ich versuche immer das Positive darin zu sehen. Aber hier gibt es seit geraumer Zeit nicht positives mehr zu sehen. Innerlich gekündigt habe ich zwar noch nicht (ganz), denn ich denke mir jeden Tag „Komm, es wird schon wieder besser“. Nur das denke ich mir nun seit Monaten.

Ich sage mir immer, wie blöd sieht das aus, Du bist noch nicht so lang hier am Standort und verlässt dann die Firma. Aber manchmal habe ich Phasen, wo ich sage, „sch… auf die Meinung anderer“.

Zugegeben, ich schaue schon ab und zu nach einer anderen Stelle. Aber jetzt vor Jahresende sind die Stellen als Chefassistenz recht rar. Und für eine Teamassistenz bin ich leider schon zu teuer, das zahlt kaum eine andere Firma. Der finanzielle Rückschritt wäre zu groß und mein Mann und ich haben ja auch die eine oder andere finanzielle Verpflichtung (Haus etc).

Wahrscheinlich werde ich, wenn sich etwas Passendes bietet, die eine oder andere Bewerbung verschicken. Aber ich möchte meinen Chef auch nicht enttäuschen. Und enttäuscht sein wird er, da bin ich mir sicher.

Liebe Grüße,
schnuffeline

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gitti

Mitglied seit
15.07.2009
Beiträge: 123
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Aber ich möchte meinen Chef auch nicht enttäuschen. Und enttäuscht sein wird er, da bin ich mir sicher.

Liebe Schnuffeline,
das kann ich gut verstehen. Niemand möchte jemanden enttäuschen, mit dem man so lange und gut zusammen gearbeitet hat.
Ich frage mir nur gerade, ob dein Chef das in Bezug auf dich auch denkt?
Verzeih, wenn ich das schreibe...
LG, Gitti

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Suse

Mitglied seit
08.11.2006
Beiträge: 4585
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Liebe Schnuffeline,

ich kann Gitti nur zustimmen - wo denkt Dein Chef an Dich??
Und mal ehrlich, er sitzt das vielleicht die paar Jahre noch aus, so habe ich das gerade verstanden, aber Du hast noch mehr als nur ein paar Jahre. Und da kann ich Dir nur raten - denk an Dich! Er tut es jedenfalls nicht wie mir scheint.

Und wenn Du was in der Hand hast, könntest du durchaus auch noch mal das Gespräch mit ihm suchen, wenn die Chance besteht, dass auf sein Wort hin was für dich geändert werden kann.

Ansonsten scheint das alles sehr verfahren und soweit zu sein, dass nicht nur Du ans weggehen denkst sondern andere auch schon die Konsequenzen gezogen haben. Spricht auch eine deutliche Sprache finde ich.

Und wegen der Kürze der Zeit an dem neuen Standort - es ist nur ein anderer Standort, aber immer noch das Unternehmen. Und Du könntest den Weggang erklären mit anderen Aufgabengebiete mit Unterforderung (sprich, du bist ehrgeizig und willst was leisten) und dass sich das nicht so darstellt, wie man es Dir vor dem Wechsel angeboten hat.

Könntest Du an den alten Standort zurück?

Suse

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pegattac

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10.06.2009
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Hallo Schnuffeline,
das ist wirklich eine verfahrene Situation.

Mein Chef erwartet von mir, dass ich interne Probleme /Konflikte erst einmal selbst versuche zu lösen. Vielleicht solltest du noch einmal ein Gespräch mit den anderen Assistentinnen führen. Z.B. unter dem Aspekt dass der Anfang eurer Zusammenarbeit vielleicht nicht so glücklich gelaufen ist und noch einmal eine Art "Neustart" versucht wird. Dann könnte jeder seine Aufgaben schildern und ihr könntet gemeinsam festlegen, wer jetzt was macht. Eventuell kann man sich mit den unbeliebten Aufgaben auch mal abwechseln, wenn es nicht zu kompliziert wird. Du kannst ja als Zeichen des guten Willens auch Unterstützung anbieten, wenn bei dir mal nicht so viel los ist und bei den anderen Assis grad der Bär steppt.

Wenn das nichts bringt, oder von Seiten der anderen Assistentinnen keinerlei Gesprächsbereitschaft besteht, solltest du auf jeden Fall noch einmal das Gespräch mit deinem Chef suchen. Zeige ihm dann ganz konkret auf, welche Zusatzaufgaben du aufgebrummt bekommst und wie viel Zeit dich das kostet. Und auf der anderen Seite, was deine eigentlichen Aufgaben sind, wie viel Zeit die bereits in Anspruch nehmen und ob du überhaupt und wenn ja viel Zeitpuffer du für Zusatzaufgaben hast.

Auch dein Chef muss sich erst in seine neue Situation und Position finden und traut sich deshalb vielleicht auch noch nicht Kontra zu geben. Und wenn er kurz vor der Rente steht, wird er auch Angst haben, dass er nichts mehr findet, wenn er jetzt diesen Job verliert.

Bei allem Verständnis für deine Loyalität, aber du kannst nicht nur an andere (deinen Chef) denken.

Vielleicht setzt du dir eine persönliche Deadline. Z.B. noch ein halbes Jahr. Wenn sich bis dahin nichts verbessert hast, dann suche ganz gezielt und ohne schlechtes Gewissen nach einem neuen Job.

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pegattac

Mitglied seit
10.06.2009
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Hi Schnuffeline,

ich hoffe, das ist jetzt nicht falsch rübergekommen. Das du noch einmal auf die anderen Assistentinnen zugehen, einen "Neustart" versuchen sollst, heißt nicht, dass ich denke dass du "schuld" an dieser Situation bist.

Aber ich würde mich überwinden, und trotzdem noch einmal den ersten Schritt machen, auch wenn sie mich mies behandelt haben. Denn wenn es so bleibt dann ist das auf Dauer auch kein Zustand.

Zum Gespräch mit deinem Chef - wenn du ihm klar aufzeigst, warum du eigentlich keine Zeit für die Zusatzaufgaben hast, gibst du ihm auch konkrete Argumentationshilfen gegenüber anderen Führungskräften, warum du keine zusätzlichen Aufgaben kannst.

Ich wünsch dir alles Gute.

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mut

Mitglied seit
05.06.2008
Beiträge: 116
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Liebe Schnuffeline,

ich kann Dich gut verstehen, weil es mir mal ähnlich ging. Heute würde ich sagen, dass grenzte manchmal schon an Mobbing, wie Kolleginnen mit mir umgingen. Ich habe mich damals für Bleiben entschieden, allerdings war es bei mir auch nicht so einfach mit dem Gehen, da ich mit der Familie in einen ca. 700 km entfernten Ort gezogen bin. Was ich daraus gelernt habe? Den Chef zu kennen und mit ihm super zusammenzuarbeiten, ist nicht alles. Ausdauer und stets weiter ordentlich meine Arbeit machen und korrektes Miteinander von meiner Seite aus haben mir geholfen. Nach 5 Jahren habe ich das Unternehmen verlassen, und ich muss sagen, ich bin ganz rührend verabschiedet worden.

Vielleicht hilft Dir das?

Alles Gute wünscht Dir jedenfalls
mut

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