Ein Wort, das wirkt
Der Assistenzberuf wird immer selbstbestimmter: Das sollte kein Problem sein für Vorgesetzte und Team, sondern eine Aufwertung der Tätigkeit für alle.

Ein Wort, das wirkt

Neinsagen können, diese Fähigkeit hat das Potenzial, Ihr (Berufs-)Leben zu verändern. Strategien, wie man Entscheidungen in Zukunft selbstbestimmter trifft – und sich ganz nebenbei auch noch mehr Respekt verschafft.

Susanne M. hat lange gebraucht, bis sie verstanden hatte, dass sie gar nicht Nein sagen muss, wenn sie Nein sagen will. Dass es auch anders geht – meistens jedenfalls. „Ich sage schon mal ‚Nein‘, zum Beispiel, wenn ich bestimmte Projektaufgaben im Büro nicht übernehmen möchte. Aber im Büroalltag mit meiner Chefin oder mit meinen Kollegen bringe ich ein ‚Nein‘ in aller Regel anders rüber. Das ist für mein Gegenüber oft weniger brüskierend und kommt trotzdem richtig an.“

Geübt hat sie das mit einer Expertin für interne Kommunikation, die sie während eines Inhouse-Workshops kennengelernt hatte. „Mir ging ein Licht auf, wie wichtig es ist, eigene Standpunkte zu haben und die auch zu vermitteln. Und wie viele Möglichkeiten es gibt, das zu kommunizieren.“ Ihren eigenen freundlichen Stil wollte sie nicht aufgeben, aber sie wollte sich endlich weniger fremdbestimmt fühlen – eine Problematik vieler Assistenzkräfte. „Von uns wird immer noch erwartet, dass wir einfach alles frag- und klaglos erledigen, was auf unserem Schreibtisch oder in unserer Mailbox landet. Ein Nein kommt vielen von uns fast vor wie Arbeitsverweigerung.“

Zum Weiterlesen

  • Nein sagen. Die besten Strategien,
    von Monika Radecki, Haufe, 2015, 128 Seiten, 7,75 Euro
  • Ja zum Nein. Selbstachtung statt Harmoniesucht,
    von Kirstin Nickelsen, Springer, 2018, 232 Seiten, 19,99 Euro
  • Sei einzig, nicht artig! So sagen Sie nie mehr JA, wenn Sie NEIN sagen wollen, von Martin Wehrle, Mosaik Verlag, 2015, 14,99 Euro


Grenzen offen aussprechen

„Nein zu sagen ist immer noch ein Tabu“, bestätigt Kommunikationsberaterin Monika Radecki, die im Rhein-Neckar-Gebiet als Coach und Trainerin arbeitet. „Wir nehmen uns zwar hier und da Freiheiten, aber klare Grenzen setzen – was will ich, was will ich nicht – das fällt den meisten Menschen nach wie vor schwer.“ Dabei sei es gerade in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung so wichtig, sich abzugrenzen – für das eigene Wohlergehen, aber auch für die Karriere: „Wir müssen lernen, unsere Grenzen offen und deutlich auszusprechen. Nur dann geht es uns gut, und nur dann können wir zielorientiert arbeiten und leben.“

In ihrem Buch (siehe Kasten) zählt die Kommunikationsexpertin „Fallen“ auf, die auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmtheit lauern – angefangen von der schlichten Überrumpelung, wenn jemand mit einer Bitte auf uns zu kommt, über die Unfähigkeit, auch mal zugeben zu können, wenn uns etwas zu viel wird, bis hin zu dem eigenen Rollenverständnis, dass uns nur allzu gern ein Bein stellt – und im Assistenzberuf womöglich die größte Gefahr ist.

Die Situation erkennen

Die „Gegenmaßnahmen“, um auf die vielen Anforderungen im Berufsalltag richtig zu reagieren, sind vielen geläufig. Nicht gleich Ja sagen, sondern mehr Zeit oder mehr Informationen fordern; abwägen, ob eine Aufgabe zeitlich machbar ist und gegebenenfalls um Priorisierung bitten; bei einer größeren Angelegenheit überlegen, ob man selber etwas davon hat – oder nur andere; Konflikte auch mal aushalten und nicht alles dem eigenen Harmoniebedürfnis opfern; die Anforderungen von Vorgesetzten mit dem eigenen Rollenverständnis abgleichen und gegebenenfalls um ein klärendes Gespräch bitten.

Voraussetzung, um die Empfehlungen umsetzen zu können: Erkennen, in welcher Situation man sich gerade befindet, und – vorbereitet sein. „Lernen Sie, einen klaren Blick auf Ihre Situation zu werfen“, rät Monika Radecki, „und nehmen Sie dann Einfluss, wo es möglich ist.“ Trainieren lässt sich das am besten rückblickend: „Sammeln“ Sie ab sofort Situationen, in denen es um Abgrenzung ging und analysieren Sie sie. Mit etwas Übung fällt es Ihnen bald immer leichter, in der jeweiligen Situation zu erkennen, worum es gerade geht. In einem nächsten Schritt überlegen Sie sich passende Reaktionen, die Ihnen helfen, Ihr persönliches Ziel – Abgrenzung – umzusetzen. Als teamorientierte Mitarbeiterin sind Sie daran interessiert, eine Lösung zu finden, die für alle passt und der Sache dient.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in working@office.