E-Mail-Etikette: So war es nicht gemeint ...
In Südeuropa wirkt eine E-Mail ganz ohne Smalltalk geradezu kalt und unfreundlich. Wer sich auskennt, vermeidet Missverständnisse.

E-Mail-Etikette: So war es nicht gemeint ...

Effizient ist die Kommunikation per E-Mail – und manchmal nur einen Klick weit vom Fauxpas entfernt. Das gilt besonders für die internationale Kommunikation, denn hier machen sich kulturelle Eigenheiten bemerkbar. Andere Länder, andere Mail-Texte: Wer sich auskennt, vermeidet Missverständnisse.

Gleich mehrere Aspekte sind ausschlaggebend, wenn es um die Gestaltung einer internationalen E-Mail geht. Zum einen ist es die Kommunikationskultur der beteiligten Kulturen. Generell unterscheidet man zwischen direkter und indirekter Kommunikation. Dort, wo Sachverhalte nüchtern geschildert werden, darf eine E-Mail nicht nur schnell zur Sache kommen – sie muss es sogar. Beispielsweise aus nordeuropäischer oder niederländischer Sicht ist um den „heißen Brei herumreden“ pure Zeitverschwendung. In Südeuropa wiederum wirkt eine E-Mail ganz ohne Smalltalk geradezu kalt und unfreundlich. Nicht die Sach-, sondern die Beziehungsebene steht dort im Vordergrund, oder spielt zumindest eine große Rolle.

Interpretation (un)erwünscht

In Gesellschaften mit einer starken Beziehungskultur ist zudem die Bereitschaft, zwischen den Zeilen zu lesen, um einiges größer. Wird der Inhalt einer E-Mail nicht nach den Regeln des Absenders, sondern der eigenen Kultur dekodiert, kommt es schnell zu Missverständnissen: „Your Input will be appreciated“ bedeutet nach den Regeln der indirekten Kommunikation nichts anderes, als dass eine prompte Reaktion erwartet wird. Menschen, die klare Worte gewohnt sind, erkennen hier eher eine Möglichkeit.

Im Nahen Osten und Mittelmeer-Raum kann es sinnvoll sein, immer wieder auch mal zum Telefonhörer zu greifen, um die persönliche Beziehung zu stärken, was wiederum hilft, eventuelle Fehlinterpretationen zu korrigieren. Auch die Frage, welche Rolle Hierarchien in den jeweiligen Kulturen spielen, macht sich im E-Mail-Verkehr bemerkbar: Je bedeutender die Unterschiede, desto eher tut man gut daran, auf einer förmlichen Ebene einzusteigen – vor allem dann, wenn der Status des Empfängers schwer einzuschätzen ist.   

USA

Kurz und knapp ist eine E-Mail in den USA, idealerweise nicht länger als fünf Sätze. Sie ersetzt den schnellen Anruf. Logisch, dass US-Amerikaner daher auch meist eine rasche Antwort erwarten, idealerweise am selben Tag. 

Lateinamerika

Auch wenn es gewagt ist, einen ganzen Kontinent über einen Kamm zu scheren: Hier gehen die Uhren in Sachen digitaler Kommunikation langsamer. Antwortzeiten von einigen Tagen sind kein Grund, nervös zu werden. Sofern Sie den Adressaten der E-Mail kennen, sind einige persönliche Worte angemessen: Wie geht es der Frau, wie war der Urlaub? 

Russland

Hierarchien spielen in Russland eine große Rolle. Bei Erstkontakten kann der Stil extrem förmlich sein. Ist die Geschäftsbeziehung eingespielt, wundert sich manch ein Mitteleuropäer über den unerwarteten Schwenk, wenn die E-Mails in einen geradezu ruppigen (aus deutscher Sichtweise) beziehungsweise effizienten Ton (aus russischer Sichtweise) kippen.

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