Auf die Zukunft setzen
"Assistenzkräfte sitzen direkt an den Schnittstellen im Unternehmen und sind deshalb wichtige Change-Agents der Neuen Arbeit", sagt Expertin Inga Höltmann.

Auf die Zukunft setzen

NEW WORK Zwei Expertinnen erklären, was die Arbeitswelt 4.0 ausmacht, wie sie in deutschen Unternehmen bereits realisiert wird und welche Chancen die Organisationsform für Assistenzkräfte konkret bietet.

Flexibel, agil, digital, so lauten die Zuschreibungen in der aktuellen Debatte um die Zukunft der Arbeit. Die Theorie hinter dem Modebegriff New Work, unter dem heute viele Vorstellungen, Organisationsformen und Arbeitsmodelle gebündelt werden, ist jedoch bereits über 40 Jahre alt: Sie wurde vom Sozialphilosophen Frithjof Bergmann begründet, der dem Konzept der klassischen Lohnarbeit etwas entgegensetzen wollte.

Denn die Idee von der menschlichen Arbeit als Mittel zum Zweck, wie sie während der Industrialisierung entstand, zeigt(e) sich mit zunehmender Automation als überholt. Der Grundgedanke der New Work-Bewegung nach Bergmann ist, dass Arbeit keine lästige Pflicht sein muss, sondern uns lebendig macht. Arbeit soll eine sinnstiftende Funktion haben und auf den Werten Freiheit, Selbstständigkeit und Teilhabe beruhen.

Kurz gesagt: Jeder Mensch sollte seine Lebenszeit sinnvoll und mit einer Arbeit verbringen, die er wirklich machen möchte.

Mehr als nur eine neue Meetingkultur

Die heutige Debatte um die Modelle, Methoden und Entwicklungen um den Begriff Neue Arbeit hat sich zum Teil stark von der früheren Theorie entfernt. Es geht um digitale Tools, ortsunabhängiges Arbeiten oder neue Vergütungsmodelle. Doch die Arbeit der Zukunft definiert sich nicht unbedingt über technisches Know-how oder konkrete Strukturen. „Für mich beschreibt New Work eine offene und neugierige Haltung, mit der ich in Veränderungsprozesse hineingehe“, sagt Wirtschaftsjournalistin und New Work-Expertin Inga Höltmann.

Oft werde der Begriff jedoch fälschlicherweise auf das reduziert, was tatsächlich getan wird. Natürlich sei New Work auch eine Toolbox, die zum Beispiel variable Arbeitszeiten, eine neue Meetingkultur oder digitale Kommunikationskanäle enthalte. Doch die Wertearbeit müsse in jedem Unternehmen am Anfang der Veränderung stehen. Das heißt, es muss überprüft werden, nach welchen Werten gearbeitet wird und welches Menschenbild dahinter steht. Erst dann sollte überlegt werden, welche die passenden ersten Schritte in Richtung Transformation sein könnten. Neuerungen wie Vertrauensarbeitszeit, eine offene Fehlerkultur und transparente Kommunikation brauchen eine stabile Wertebasis.

New-Work-Wissen ins Unternehmen tragen

„Es geht darum, mit gegenseitiger Wertschätzung und auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren, um gemeinsam Neues auszuprobieren und zu lernen“, sagt Inga Höltmann. Ein zentraler Aspekt der zukünftigen Arbeitswelt ist damit auch die Frage, wie das notwendige Wissen in die Unternehmen hineingetragen wird. Das erfordert genauso neue Formen des Lernens, die sich an eine sich ständig wandelnde Arbeitswelt anpassen.

Um Change-Agents auszubilden, das heißt, so viele Menschen wie möglich mit New-Work-Wissen auszurüsten, hat Inga Höltmann die Accelerate Academy gegründet. Hier werden neue Veranstaltungsformate sowie Aus- und Fortbildungskonzepte entwickelt.

Assistenzen als wichtige Funktionsträger

Da Assistenzkräfte Schlüsselpositionen in Unternehmen einnehmen, könnten gerade sie entscheidende Change- Agents für die Neue Arbeit sein und in ihrer Rolle aufgewertet werden, so Höltmann. Auch Diana Brandl ist davon überzeugt, dass Assistenzkräfte wichtige Multiplikatoren sind, um einen Kulturwandel in Unternehmen anzustoßen. „Neue Strukturen, Programme und Arbeitsplatzmodelle sind schnell eingerichtet, doch die Kultur, die dahinter steht, ist für viele eine harte Nuss.“

Nach vielen Jahren als Senior Executive Assistant im Top-Management war sie zuletzt im Start-up-Umfeld tätig und weiß genau, was es bedeutet, mit „Millennialmanagern“ – wie sie die neue Managergeneration nennt – zusammen zu arbeiten. Sie hat die Freiheiten des flexiblen Arbeitens genossen: „Es hat keinen interessiert, wann und wo ich arbeite, nur die Ergebnisse haben gezählt.“

Lesen Sie den kompletten Artikel in working@office 09.2019. Hier geht es zum Gratis-Test ...