Vorsatz 2017: Zufriedenheit im Job

Wenn schon am Sonntag der Gedanke an die neue Arbeitswoche Bauchschmerzen bereitet, ist es dringend an der Zeit, etwas zu ändern: Am besten können Sie das selbst! Der folgende Artikel zeigt Ihnen ein Aktionsprogramm mit kleinen und großen Schritten.

Montagmorgen, 8:00 Uhr: Die Kollegin berichtet lautstark von ihren Wochenenderlebnissen, der Chef hat wieder diesen speziellen Tonfall, der Kaffee ist wie üblich lauwarm und die vor zwei Wochen angeforderte Kundenliste ist immer noch nicht da. Am liebsten würde man sofort alles hinschmeißen.


„Wenn das Bauchgefühl Alarm schlägt, sollte man aktiv werden“, sagt Business-Coach Bernhard Jegan aus Holzkirchen bei München. Ständige Unzufriedenheit und permanenter Jobfrust sind nach seiner mehr als 20-jährigen Erfahrung nur selten unberechtigt. Deshalb hält der Diplom-Sozialpädagoge nichts von inneren Durchhalteparolen wie „Stell dich nicht so an!“ Der erste Schritt in eine bessere Zukunft ist eine gründliche Bestandsaufnahme. „So kommt die Assistentin aus dem undifferenzierten Gefühl heraus, dass einfach alles nur noch nervt“, erklärt der Experte. Zugegeben: Eine solche Analyse ist ein wenig mühsam und kostet Zeit. „Doch mit einer systematischen Betrachtungsweise relativieren sich viele Probleme und werden oft auch wieder bearbeitbar“, sagt Jegan.

Ärgernisse konkretisieren

Der Coach rät, zuerst einmal alle Störfaktoren auf einem Blatt Papier zu notieren. Anschließend konkretisieren Sie diese Punkte so weit wie möglich: Was passiert genau? Um wen geht es? Wann geschieht es und wie häufig? So wird beispielsweise aus dem pauschalen „Die Müller macht mich wahnsinnig“ die konkrete Beschreibung: „Ich hasse es, wenn Frau Müller sich jeden Morgen eine Stunde über ihre Beziehungsprobleme auslässt und mich von der Arbeit abhält.“ Am Ende hat man eine Liste mit konkreten Störfaktoren, die einem den Spaß an der Arbeit verderben.

Störfaktoren bewerten

Im nächsten Schritt bewerten Sie, wie stark die einzelnen Ärgernisse Sie tatsächlich belasten. Dazu verwenden Sie eine Skala von eins (minimal) bis zehn (maximal). „Dann erkennt man schon, ob eher viele Kleinigkeiten in ihrer Gesamtheit die Unzufriedenheit verursachen, oder ob einzelne Probleme besonders dominieren“, sagt der Experte. Anschließend bewerten Sie, inwieweit Sie die einzelnen Probleme auf Ihrer Liste verbessern könnten, und zwar ebenfalls auf einer Skala von eins bis zehn. „Eine Punktzahl von fünf ist schon ein guter Wert, denn die Veränderbarkeit wird häufig sehr stark unterschätzt“, so die Erfahrung von Bernhard Jegan. Das Ergebnis sieht dann beispielsweise so aus:

  • Jeden Montag nervt mich Kollegin Müller zwei Stunden lang mit ihren langweiligen Wochenenderlebnissen. (Belastungsintensität: 9, Veränderbarkeit: 4)
  • Immer, wenn ich dienstags früher gehen muss, kommt der Chef mit einer dringenden Aufgabe, die unbedingt sofort erledigt werden muss. (Belastungsintensität: 8, Veränderbarkeit: 2)
  • Der Lärmpegel in unserem Großraumbüro ist so hoch, dass ich mich nicht konzentrieren kann. (Belastungsintensität: 10, Veränderbarkeit: 1)


Probleme angehen

Die Werte trägt man in ein Koordinatensystem ein. Ärgernisse, die besonders anstrengend sind und zugleich eine hohe Veränderbarkeit aufweisen, konzentrieren sich rechts oben im Koordinatensystem. „Diese Punkte sollte man zuerst in Angriff nehmen, denn da ist der Leidensdruck am größten und zugleich kann man sie am besten beeinflussen“, erklärt Bernhard Jegan. Am wirksamsten ist es, sich zunächst ein einzelnes Problem herauszugreifen. Häufig lohne sich der Versuch, seinen bestehenden Arbeitsplatz zu verbessern: „Kündigen kann man ja immer noch“, so der Experte. Jede berufliche Veränderung ist schließlich mit viel Stress verbunden, und niemand kann vorher garantieren, dass es woanders wirklich besser wird.

Veränderungen erproben

Seiner Erfahrung nach haben rund zwei Drittel der Jobprobleme mit Beziehungsthemen zu tun. Dahinter stecke oft ein Kommunikationsdilemma, meint der Experte: „Nicht selten ahnt der andere gar nicht, wie genervt man von ihm ist.“ Ein erster Schritt wäre folglich eine ehrliche Rückmeldung an den anstrengenden Kollegen. Allerdings rät der Coach zur Geduld. „Verhaltensänderungen dauern nun mal eine Weile, man muss es also mehrmals probieren.“ Nach ungefähr vier bis sechs Wochen sollten aber erste Fortschritte spürbar sein.

Ab wann ein Jobwechsel tatsächlich Sinn macht

Passiert trotz aller Bemühungen praktisch nichts, sollte man über einen Jobwechsel nachdenken. Auch wenn die Analyse zeigt, dass es überhaupt keinen Punkt mit einem hohen Veränderungswert gibt, hilft meist nur ein neuer Arbeitsplatz. Wie schnell und wie kompromisslos ein Wechsel angezeigt ist, ist aber auch eine Frage der individuellen Persönlichkeit.

Den Wechsel planen

Ist der Wechsel erst einmal beschlossen, will man nicht vom Regen in die Traufe kommen. „Es ist nicht damit getan, sich ein Bewerbungsbuch zu kaufen, sondern man muss sich darüber klar werden, was man kann und was man will“, sagt Daniel von Busse von der Unternehmensberatung Krings von Busse in Erkrath. Seit mehr als 20 Jahren begleitet er Wechselwillige bei ihrem Start in einen neuen Job. Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das klingt einfach, doch Daniel von Busse weiß aus Erfahrung: „Sich bewusst zu werden, was man in den letzten Jahren tatsächlich geleistet hat, ist besonders schwierig.“ Vor allem engagierte Assistentinnen mit hohen Ansprüchen an sich selbst betrachten ihre Leistungen oft als selbstverständlich.

Fähigkeiten erkennen

Einen ersten Hinweis auf das eigene Profil gibt das Fachgebiet, das der Chef vertritt. Eine Vertriebsassistentin kennt sich beispielsweise oft mit Preiskalkulationen und Verträgen hervorragend aus, eine Assistentin des Finanzvorstandes ist meist auch in Bilanzierungsfragen fit.

Es hilft auch, eine Zeit lang Buch zu führen, was man den ganzen Tag gemacht hat. Haben Sie zum Beispiel eigene Projekte? Bereiten Sie Präsentationen selbstständig vor? Formulieren Sie Verträge vor? Nehmen Sie an Preisverhandlungen teil? Erledigen Sie Sachbearbeitungsaufgaben? Übernehmen Sie sogar Teilaufgaben Ihres Chefs? „Oft sind meine Kunden nach einer solchen Bestandsaufnahme sehr überrascht, was sie tatsächlich alles leisten“, so Diplomkaufmann von Busse.

Ziele bestimmen

Neben den eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen muss man sich auch über die eigenen Ziele klar werden, damit man systematisch nach passenden Stellen suchen kann. Ein wichtiger Wegweiser ist dabei das Bauchgefühl: Welche Arbeiten machen Ihnen wirklich Spaß, wann müssen Sie die Zähne zusammenbeißen?


Auf welche Aufgaben von Kolleginnen oder Freundinnen sind Sie insgeheim neidisch, was lässt Sie kalt? Welche privaten Interessen oder früheren Aufgaben würden Sie gerne (wieder) stärker in Ihren Job einbauen? Durch die Auseinandersetzung mit diesen Fragen schält sich meist nach und nach heraus, wohin die Reise gehen könnte. Hilfreich ist dabei das Gespräch mit unbeteiligten Dritten, idealerweise mit einem spezialisierten Coach. „Das Entwickeln eines individuellen Profils ist letztlich eine Art Produktentwicklung, und auch das geht nicht über Nacht“,so von Busse. Der Experte kalkuliert vom Entschluss bis zur ersten Bewerbung rund zwei bis drei Monate. Er rät: „Man sollte sich dafür möglichst zwei oder drei Wochen Urlaub nehmen, um den Kopf frei zu bekommen.“ Je besser die Vorbereitung ist, desto geringer ist das Risiko, nichts oder nicht das Passende zu finden.

Jobwechsel im Unternehmen

Vorsicht bei internen Wechseln, rät der Jobexperte: „Für Assistentinnen, die lange sehr eng mit ihrem Vorgesetzten zusammengearbeitet haben, ist es oft schwierig, innerhalb des Unternehmens auf andere Positionen zu wechseln.“ Das Problem: Sie gelten auch nach dem Wechsel als intime Vertraute des Chefs. Deshalb haben sie häufig Schwierigkeiten, sich in das neue Team zu integrieren. „In diesem Fall ist es oft besser, wenn die Sekretärin in ein neues Unternehmen geht“, empfiehlt der Berater.

Werbung in eigener Sache

Selbst das beste Produkt verkauft sich nicht von allein. Die wechselwillige Sekretärin muss also Werbung in eigener Sache machen – und genau das leistet eine Bewerbung. Sie beantwortet die Frage: Welchen Nutzen haben meine Fähigkeiten für einen neuen Arbeitgeber? Bei der Gestaltung der Bewerbungsunterlagen helfen die auf dem Markt erhältlichen Bücher, Fachzeitschriften oder ein professionelles Bewerbungstraining. „Es reicht aber nicht, Anschreiben und Lebensläufe aus den Büchern einfach zu kopieren“, erklärt von Busse. Vielmehr muss die Assistentin potenziellen Arbeitgebern die eigenen Qualifikationen und Erfahrungen als optimale Lösung für die zu besetzende Position präsentieren. Eine gekonnte Bewerbung macht deshalb viel Arbeit, doch das lohne sich: „Eine wirklich gut qualifizierte Assistentin findet über kurz oder lang eine passende Stelle. Der Hauptgrund für den Misserfolg ist fast immer, dass sich die betreffende Mitarbeiterin nicht richtig verkaufen kann“, sagt von Busse. Der Arbeitsmarkt habe höchstens 20 Prozent Einfluss auf den Erfolg, meint er. Wesentlich häufiger scheitern wechselwillige Assistenzkräfte seiner Erfahrung nach an ihren eigenen Ansprüchen: „Wenn man etwas verändern möchte, muss man auch bereit sein, Kompromisse einzugehen“, so der Experte. Wer nicht bereit ist, beim Einkommen, bei den Arbeitszeiten oder beim Arbeitsweg am Status quo zu rütteln, Wissenslücken in Fortbildungen zu schließen oder eventuell umzuziehen, wird es schwer haben, etwas Passendes zu finden. Auch hervorragend qualifizierte Assistentinnen mit besten Zeugnissen brauchen Geduld, bis sie ihren Traumjob gefunden haben. „Von der Entscheidung über den Jobwechsel bis zum neuen Schreibtisch dauert es auch bei Topkräften oft mindestens ein Jahr“, sagt von Busse.

So klappt es mit der Veränderung

 

1. Schnellschüsse vermeiden

Gönnen Sie sich ausreichend Vorbereitungszeit, doch ziehen Sie Ihre Entscheidung nicht zu lange hin. Sinnvoll ist ein Zeitrahmen von sechs bis maximal zwölf Monaten.

2. Zielzustand definieren

Wer nicht weiß, wohin er will, kann auch nichts verändern. „Kreativer sein“ oder „mehr Karrierechancen“ sind zu ungenau. Malen Sie sich detailliert aus, wie Sie sich Ihr neues Leben vorstellen.

3. Fahrplan formulieren

Statt eines undifferenzierten „Bald muss etwas passieren!“, organisieren Sie Ihren Neustart besser mit festen Terminen, wie jedes andere Projekt. Tipp: Manchmal hilft es der Selbstdisziplin auf die Sprünge, wenn man anderen
von seinen Plänen erzählt.

4. Risiken minimieren

Informieren Sie sich vorab, wie es in der anderen Abteilung oder dem neuen Unternehmen läuft. Machen Sie bei wichtigen Punkten keine Kompromisse. Wer beispielsweise nie wieder in ein Großraumbüro will, sollte dies bereits im Bewerbungsgespräch klären.

Buchtipps

Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will,
von Barbara Sher und Barbara Smith, Deutscher Taschenbuch
Verlag, 2011, 384 Seiten, 9,90 Euro


Finde den Job, der dich glücklich macht: Von der
Berufung zum Beruf, von Angelika Gulder, Campus
Verlag, 2013 (3. Auflage), 212 Seiten, 19,90 Euro



Zufriedenheit, 2017, neues Jahr, Veränderungen, Jobwechsel, Wechsel, Silke Becker
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